Anti-Pegida-Demo München kann stolz sein

In München sind mehr als 12 000 Bürger gegen Pegida auf die Straße gegangen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Mit der Anti-Pegida-Demonstration beweisen die Münchner wieder einmal Zivilcourage. Schon in den 1990er Jahren gingen bei einer großen Lichterkette Hunderttausende gegen Fremdenfeindlichkeit auf die Straße.
  • Jetzt braucht es politischen Konsens in der Frage, wie man mit Asylbewerbern umgeht.
Kommentar von Peter Fahrenholz

München wird ja gerne ein gewisser Hang zur Selbstgefälligkeit und Selbstverliebtheit nachgesagt. Vermutlich lässt sich das nur schwer vermeiden, wenn einer Stadt in allen möglichen Rankings stets Spitzenpositionen bescheinigt werden - bei Wohlstand, Lebensqualität, Attraktivität. Das kann schon dazu verführen, mit einer gewissen "Mia san mia"-Überheblichkeit auf den Rest der Republik herabzublicken. Doch jenseits aller Wohlstandsbehaglichkeit, die die Stadt zweifellos verströmt, zeigen die Münchner immer wieder etwas, worauf sie wirklich stolz sein können: Zivilcourage im richtigen Moment.

12 000 Münchner setzen ein Zeichen

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Das war 1992 so, als in Deutschland die Häuser von Flüchtlingen und Migranten brannten. Da gingen bei der Münchner Lichterkette mehr als 400 000 Bürger auf die Straßen, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen - die größte Demonstration, die es jemals in dieser Stadt gegeben hat. Und das war 1997 so, als mehrere Tausend Rechtsextremisten aus ganz Deutschland gegen die Wehrmachtsausstellung protestierten und von einer Übermacht Münchner Bürgern in die Schranken gewiesen wurden. Am Schluss sprangen die Neonazis wie die Hasen in ihre Busse, weil sie bloß schnell weg wollten aus dieser Stadt, die ihnen die kalte Schulter zeigte.

Und auch jetzt, da Tausende auf die Straßen gehen, um gegen eine angebliche "Islamisierung des Abendlandes" zu Felde zu ziehen, haben die Münchner die richtige Antwort gegeben. Die Versammlung von mehr als 12 000 Menschen war ein beeindruckendes Zeichen gegen die Pegida-Marschierer, die in Dresden mit dem anmaßenden Schild "Wir sind das Volk" herumlaufen. Beeindruckend vor allem deshalb, weil die Gegenwehr aus der Mitte der Gesellschaft kam und ganz bewusst keine parteipolitische Inszenierung war.

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Für das friedliche Zusammenleben von Einheimischen, Zugewanderten und Flüchtlingen ist das ein wichtiges Signal. Wichtig wäre freilich aber, dass es endlich einen politischen Konsens in der seit vielen Jahren umstrittenen Frage gibt, wie man mit Asylbewerbern umgeht. Dazu braucht es auch die CSU. Nur wenn die Partei einen Konsens mitträgt, wird sich nicht nur am Buchstaben, sondern auch am Geist der Asylpolitik etwas ändern. Es ist deshalb ermutigend, dass auch die CSU den Aufruf unterstützt hat und ihr Münchner Parteichef Ludwig Spaenle unter den Teilnehmern war.