Die Wirtschaftsanalyse und Beratungs AG - abgekürzt Wabag - wurde 1991 mit Sitz in Oberhaching gegründet. Sie plante zunächst, in Ostdeutschland Recycling-Anlagen zu bauen, auch umweltfreundliche Bio-Kraftwerke und Betriebe zur Verschrottung von Panzern.
Zu diesem Zweck wurden rund ein Dutzend Projekt-Aktiengesellschaften gegründet. Für diese Wabag-Töchter suchten freiberufliche Vermittler Anleger - mit Erfolg: Bis 1999 investierten etwa 6000 Menschen ihr Geld in die angeblich rentablen und zudem ökologisch korrekten Projekte.
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Was sie nicht wussten: Kein einziges der vorgeblich geplanten Projekte wurde auch realisiert. Die Verantwortlichen der Wabag, der Aufsichtsratsvorsitzende Erich D. und der Vorstand Harald S., hatten die volle Kontrolle über sämtliche Firmen, schoben Geld von hier nach da, erzwangen Gewinnabführungsverträge, die den wirtschaftlichen Erfolg der Tochterfirmen unmöglich machten.
Rund 120 Millionen Euro nahm die Wabag im Lauf der Jahre ein, Anlegergelder und öffentliche Zuschüsse für Strukturmaßnahmen im Osten Deutschlands. Nicht einmal ein Viertel davon wurde jedoch wirklich investiert.
1999 flog der Schwindel auf - die Wabag meldete Insolvenz an. Seitdem beschäftigt sich die Justiz in einer Unzahl von Verfahren mit der Bestrafung der Verantwortlichen. Erich D. und Harald S. wurden im April 2002 zu jeweils acht Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.
Andere Geschäftsführer der Tochtergesellschaften - zumeist Strohmänner ohne wirkliche Entscheidungsgewalt, dennoch formal in der Verantwortung - erhielten Strafen um die vier Jahre. Randfiguren wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Zwei ehemalige Vorstände der Raiffeisenbank Dingharting, der Wabag-Hausbank, mussten Geldstrafen von mehreren tausend Euro zahlen: Sie hatten durch falsche Auskünfte über die Liquidität des Unternehmens den Betrug begünstigt.
Das Geld der Anleger ist verschwunden. Einige hundert versuchen, per Zivilklage gegen die Verantwortlichen zumindest einen Teil zurückzubekommen.
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