Er stellte sich immer als Adliger oder Millionenerbe vor und erleichterte verschiedene Banken mit dieser Masche um insgesamt 120.000 Euro. Nun ist der Hochstapler wegen 21-fachen Betruges angeklagt.
Die Verlesung der Anklageschrift dauert - immerhin umfasst sie 17 eng beschriebene Seiten. Und die meiste Zeit während dieser knappen Dreiviertelstunde wird der Angeklagte von Weinkrämpfen geschüttelt. So sehr, dass Rosi Datzmann, die Vorsitzende Richterin, ihn fragt, ob er eine Unterbrechung brauche. "Danke, geht schon", sagt Sönke U. und weint weiter.
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(© Foto: dpa)
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Es ist niemand getötet worden bei den Verbrechen, um die es hier geht, niemand wurde verletzt, niemand erlitt Schmerzen. Es geht eigentlich nur um Geld. Um recht viel allerdings. 178 000 Euro Schulden hat Sönke U. angehäuft, eine ganze Menge für einen, der nichts Richtiges gelernt und seit bald 20 Jahren auch nicht mehr regelmäßig gearbeitet hat.
Dafür hat Sönke U., 36 Jahre alt, sich in dieser Zeit ein schönes Vorstrafenregister zusammen ergaunert: Mehr als zehn Einträge stehen im Auszug aus dem Bundeszentralregister. In diesem Verfahren wird ein weiterer hinzukommen: 21-facher Betrug wird ihm vorgeworfen, drei Mal versuchter Betrug, dazu noch der seltene Tatbestand des "Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion" - und das unter ziemlich exotischen Bedingungen.
Die Geschädigten der Haupttaten waren großteils Banken und Kreditkartenunternehmen. Ihnen stellte sich der jetzige Angeklagte mal als Adliger vor, mal als Millionenerbe, mal als Arzt. Die Banken, offenbar geblendet von so viel Glanz, eröffneten bereitwillig Konten, vergaben Kredite und EC-Karten.
Obwohl Sönke U. nur gelegentlich jobbte, ging er in die Vollen: Zwischen dem Jahr 2000, in dem die Vorwürfe der Anklage beginnen, und 2004, als er verhaftet wurde, hat er sich laut Staatsanwaltschaft fast 120 000 Euro erschwindelt.
Raketen in der Karibik
Wozu? Sönke U., adoptierter Sohn eines Ehepaars aus Hannover, in Wasserburg aufgewachsen, hatte nach dem erfolglosen Versuch, eine Kaufmannslehre zu absolvieren, keine Lust mehr auf einen Monatsverdienst von gerade mal 800 Mark und entdeckte lieber das Münchner Nachtleben für sich.
Mit allen Gefahren, die das dem Labilen bietet: "Ich bin beim Kokain hängengeblieben", sagt der Angeklagte. Ob eine Persönlichkeitsstörung, die ihn immer wieder nach Haar brachte, Auslöser oder Folge des Drogenmissbrauchs war, wurde am ersten Verhandlungstag noch nicht klar.
Es geht in dem Fall, unter anderem, auch um ein schwieriges rechtliches Problem: Denn Sönke U. sitzt schon wieder im Bezirkskrankenhaus, eingewiesen im Januar 2005 nach einer Verurteilung statt der Haftstrafe.
Das Gericht muss nun entscheiden, ob es im Urteil wieder zu einer Unterbringung kommt - dann würde die jetzige einfach weiterlaufen. Oder ob Sönke U.s derzeitiger Gesundheitszustand eine Gefängnisstrafe zulässt. Dann würde er in der Psychiatrie bleiben, bis ihn seine Therapeuten für geheilt erklären, und müsste anschließend die Haftstrafe antreten, zu der er jetzt verurteilt wird. Die meisten der vorgeworfenen Taten gibt er zu, den Rest stellt das Gericht wegen Geringfügigkeit ein.
Nur zu einem Vorwurf will sich Sönke U. nicht äußern. Er soll 2003 an Bord eines Kreuzfahrtschiffes vor Trinidad und Tobago in seiner Kabine eine Signalrakete gezündet haben, die er zuvor aus einem Rettungsboot geklaut hatte. Das ergab einen Sachschaden von mehr als 20 000 Euro und zwei verletzte Kabinennachbarn. Bis zur nächsten Karibikreise wird Sönke U. etwas warten müssen.
(SZ vom 12.09.07)
Großbrand in Altstadt von Coburg
Die neueste Antwort
ja, diese Gestalten erhellen den grauen Alltag mit ihren Gaunerstückchen. Er hat´s ja nicht von den Armen genommen... sondern von oben nach unten umverteilt. Die Kellner haben bestimmt immer ein dickes Trinkgeld bekommen...
... ist doch eigentlich völlig egal. Das Münchner SchickiMickiTum steht auf derartige Glanzlichter. Der kleine Banker, der sich abends dann doch vielleicht einmal ein Bier bei "Charles Schumann" erlaubt oder die kleine Assistentin, welche sich in einem anderem Laden dieses Niveaus verirrte und einen Wodka-Orange genießt. Dann kommt Sönke U.! Adrett, einen netten Spruch auf den Lippen, sogar charmant und berichtet, er sei der Prinz von Luxemburg... Wen stört´s? Keinen Menschen! Sie gehen alle wieder zufrieden nach Hause und erfreuen sich, mit dem "Prinzen von Luxemburg" ein Bier getrunken zu habenzu dürfen. Am nächsten Tag ist dieser sowieso eh der beste Freund, welchen man schon sooo lange kennt. Und dann war´s kein Prinz oder kein Multimillionär oder auch kein Starmediziner... Mei schad´ aber auch! Und wenn Banken dann noch große Gelder locker machen, ohne, obwohl die Prüfung der Kredite so genau sind, diese penibelst zu prüfen, sind diese doch selber schuld und sollten sich einfach an die eigene Nase greifen, anstatt noch großartig das Opferlamm zu miemen. Glaubt denen sowieso niemend!
Ein Betrüger hat ein paar andere Betrüger betrogen. Hurrah!