Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum Mutmaßlicher Waffenhändler des Münchner Amokläufers vor Gericht

Die Tatwaffe: eine Glock 17 mit Magazinen.

(Foto: dpa)
  • Am 28. August beginnt vor dem Landgericht München der Prozess gegen den 32-jährigen Philipp K., der dem Münchner Amokläufer David S. Waffe und Munition verkauft haben soll.
  • Nach Überzeugung der Ermittler hätte K. erkennen können, dass sein Kunde vorhatte, mit der Waffe Menschen zu töten.
Von Martin Bernstein

Der Waffenverkäufer des Todesschützen vom Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) muss sich von Ende August an vor dem Münchner Landgericht verantworten. Die öffentliche Hauptverhandlung gegen den aus Marburg in Hessen stammenden Philipp K. beginnt am 28. August vor der 12. Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Frank Zimmer.

Dem 32 Jahre alten Angeklagten werden fahrlässige Tötung in neun und fahrlässige Körperverletzung in fünf Fällen, unerlaubter Waffenhandel sowie weitere Verstöße gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last gelegt. Nach Überzeugung der Ermittler hätte Philipp K. erkennen können, dass sein Kunde David S. vorhatte, mit der Waffe Menschen zu töten.

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Waffe und Munition für 4000 Euro

Laut Staatsanwaltschaft München I bot Philipp K. seit 2014 Waffen im Darknet, einem anonymen Bereich des Internets, zum Kauf an. Auf dieses Angebot stieß im Mai 2016 David S., der zwei Monate später am OEZ neun Menschen und schließlich sich selbst erschoss - mit einer Pistole vom Typ Glock 17, die er Philipp K. abgekauft hatte.

David S. hatte lange gespart, ehe er sich Waffe und Munition für 4000 Euro kaufen konnte. Sein gesamtes Taschengeld und seinen Lohn für das Austragen von Zeitungen legte er nach Erkenntnissen der Ermittler für die von ihm geplante Bluttat zurück. Am 20. Mai des vergangenen Jahres besorgte er sich dann in Marburg die Glock 17 und 100 Schuss.

Die Munition nutzte er für Schießübungen im Keller des Mehrfamilienhauses in der Maxvorstadt, in dem er mit seinen Eltern wohnte. Ermittler fanden dort Einschusslöcher in der Wand und Projektile im Beton. Tests ergaben, dass die Schüsse im übrigen Haus nicht zu hören gewesen waren. Am 18. Juli, vier Tage vor der als Amoklauf eingestuften Tat, kaufte sich S. weitere 350 Schuss für 350 Euro. 57 Schuss gab er am Tatabend ab, knapp 300 lagen noch in seinem Rucksack, den Spezialisten des Landeskriminalamts nach dem Selbstmord des Amokläufers öffneten.

Waffen-Übergabe in Marburg

Dem mutmaßlichen Waffenhändler aus Marburg waren Ermittler der hessischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Internet-Kriminalität mit einem fingierten Kaufangebot auf die Spur gekommen - allerdings erst nach dem Amoklauf vom 22. Juli 2016. Der Händler hatte schon bei der Anbahnung des fiktiven Geschäfts den Fahndern erzählt, dass er David S. jene Glock-Pistole samt Munition verschafft hatte. David S. und Philipp K. hatten sich zur Übergabe der Waffe in Marburg getroffen. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat dieses Verhalten als absolut unüblich bezeichnet. Illegale Waffenlieferungen über das Internet schickten Händler meist an fingierte Adressen. Dieses Vorgehen sei weit weniger riskant, als sich persönlich mit dem Käufer zu treffen.

Der 32-jährige Hesse finanzierte nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft mit dem Waffenhandel seinen Lebensunterhalt. Er trug bei seiner Festnahme am 18. August 2016 nahe dem Bahnhof in Marburg eine geladene Waffe, leistete jedoch keinen Widerstand. Ermittler stießen in Köln auf weitere Waffen aus seinem Besitz, darunter eine Maschinenpistole.

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