Ammersee Bei einer Gänseplage hört die Zuneigung auf

Am Ammersee gibt es immer mal wieder recht viele Gänse. So wie hier am Strandbad von St. Alban in Dießen.

(Foto: STA)

Der Münchner liebt Tiere: Entweder er hegt sie, oder er isst sie. Ab und an gerät das Liebesverhältnis allerdings in ein Ungleichgewicht.

Kolumne von Christiane Lutz

Wenn der Münchner in einer Sache wirklich konsequent ist, dann in seiner Liebe zum Tier. Entweder fährt er es in einem Fahrradkörbchen umher oder er isst es. Er liebt sie, die ganzen kleinen Hunde mit den Hundejäckchen. Er liebt aber auch die ganzen Gickerl und Henderl und Schweinderl, die er sich in Würstchenform einverleibt und zu rosafarbenem Leberkas zusammenpresst.

Ab und an gerät das Liebesverhältnis zwischen Münchner und Tier allerdings in ein Ungleichgewicht. Vom Ammersee dringen derzeit zum Beispiel wenig erfreuliche Gerüchte über eine Gänseplage. Alle "Bitte nicht füttern"-Schilder hätten nichts genutzt, heißt es aus Herrsching. Die Menschen hätten die Tiere so vollgestopft, dass diese sich jetzt in Wohlstand wähnten und vermehrten wie die Karnickel. Am Ammersee hat aber, bei aller Liebe, niemand Lust auf Gänsekacke auf der Wiese. Der Herrschinger Bürgermeister denkt nun darüber nach, einen abgerichteten Seeadler auf die Vögel loszulassen, der sie vertreiben soll.

Aufregung auch in Obermenzing. Der Tierfriedhof "Letzte Ruhe" soll 2020 aufgelöst werden. Dort liegen aus dem Leben geschiedene Haustiere in kleinen Haustiergräbern, etliche davon mit Grabstein versehen und liebevoll bepflanzt. Die Gräber dürfen zwar noch fünf Jahre bleiben, 2025 wird das Gelände aber eingeebnet und eventuell noch vorhandene sterbliche Überreste der Tiere dann, nun ja, mit umgegraben. Herrchen und Frauchen sind entsetzt und fordern Fiffis Exhumierung und ein Recht auf Umbettung an eine neue, allerletzte Ruhestätte. Die Münchner Abfallwirtschaft verbietet es allerdings, einmal bestattete Tiere wieder auszugraben. Haustiere fallen abfallwirtschaftstechnisch in die wenig tröstliche Kategorie Sondermüll.

Das ist ein Schlag ins Gesicht der Münchner Tierfreunde, die sich Begrifflichkeiten wie "Sondermüll" im Zusammenhang mit ihren Tieren verbitten. Denn man kann dem Münchner wirklich nicht vorwerfen, er achte nicht auf allerbeste Qualität bei seinen Tierchen. Sowohl bei den Fahrradkorbhunden und bei denen auf dem Teller. Massentierhaltung zum Beispiel mag er überhaupt nicht und macht deshalb verantwortungsbewusst die Augen zu, wenn mal ein Laster voller Kühe oder Schweine an ihm vorbei Richtung Schlachthof rollt.

In Haidhausen hat vor einiger Zeit sogar der McDonald's am Pariser Platz schließen müssen. Weil man in Haidhausen amerikanische Fastfood-Ketten aus ethischen Gründen ablehnt und McDonald's schließlich so etwas wie das restaurantgewordene schlechte Gewissen des Fleischkonsumenten ist. Demnächst eröffnet dort dann endlich was Nachhaltiges. Ein nachhaltiger Burgerladen. Aus den USA.

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