Amateurfußball Münchner Klub meldet Flüchtlingsteam zum Spielbetrieb

Spieler aus der neuen Mannschaft des ESV Neuaubing.

(Foto: Florian Peljak)
  • Der Sportverein ESV Neuaubing hat die erste Fußballmannschaft für Flüchtlinge in Bayern gegründet, die am Ligaspielbetrieb teilnimmt.
  • Der Verein möchte das Angebot für Flüchtlinge ausbauen.
Von Inga Rahmsdorf

Die glorreichen Zeiten sind vorbei. Die Zahl der Mitglieder des Sportvereins ESV Neuaubing ist gesunken, die letzte Fußballmannschaft ist auseinandergebrochen und von der prominenten Bühne ist der Verein auch verschwunden. Immerhin zählten seine Gewichtheber und Ringer einst zur nationalen Spitzenklasse. Doch nun bringt ein neues Team Schwung in den Verein im Münchner Westen.

Auf einen Schlag hat der ESV Neuaubing 37 neue Mitglieder bekommen - und eine neue Fußballmannschaft gleich dazu. Die ist nicht nur eingespielt, sondern bisher auch einmalig in München, denn sie ist die erste Flüchtlingsmannschaft Bayerns, die am Ligaspielbetrieb des Deutschen Fußball-Bundes teilnimmt.

Kurz vor dem Anpfiff. Ein Freundschaftsspiel gegen den Nachbarn SV Aubing steht an. Die Mannschaft versammelt sich, Trainer Olaf Butterbrod schwört sein Team ein. "Daniel ist im Tor. In der linken Verteidigung Sarbast. Anil, du spielst heute im Mittelfeld. Amar ist Stürmer. Ich will, dass wir gewinnen." Das klappt nicht ganz, das Spiel wird mit 1:2 verloren gehen. Aber das ist Butterbrod an diesem Tag gar nicht so wichtig.

Wie die Mannschaft entstanden ist

Vor dreieinhalb Jahren hat er in seiner Freizeit begonnen, junge Flüchtlinge zusammenzutrommeln, um mit ihnen Fußball zu spielen, auf einem Kunstrasen-Kleinfeld. Es sprach sich schnell herum, immer mehr kamen zum Training, Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea. Bald traten sie in Freundschaftsspielen gegen andere Mannschaften an, gegen Firmenteams, den Verband Jüdischer Studenten und andere Flüchtlinge.

"Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht", sagt Butterbrod. Es sei toll, wie die Jugendlichen miteinander umgehen. Er sei überzeugt davon, dass Sport verbinde, über alle Kulturen und Religionen hinweg.

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Amar und Anil, beide 22 Jahre, waren von Anfang an bei dem Training dabei. "Es macht großen Spaß und es ist eine tolle Mannschaft", sagt Amar, der vor vier Jahren aus dem Irak nach München geflohen ist und eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann macht. "Freilich habe ich schon als Kind in Afghanistan Fußball gespielt", sagt Anil, der die gleiche Lehre macht, in Schwabing wohnt und zweimal wöchentlich in Neuaubing trainiert, nun als Mitglied des ESV.

Wie der Verein das Angebot organisieren kann

Markus Maucher, Geschäftsleiter des ESV, freut sich, dass "das Vereinsleben um eine Facette reicher geworden ist". Im Verein gebe es auch Überlegungen, wie man in anderen Sportbereichen Flüchtlinge stärker einbinden könne, sagt Harald Burger, der Vereinspräsident. "Wir haben Kapazitäten und 130 Sportleiter, da können wir uns noch ausweiten."

Damit das neue Team beim ESV Neuaubing ankommen konnte, brauchte es aber auch Unterstützung. Nicht nur durch Trainer Butterbrod und Christian Brey, dem sportlichen Leiter der Fußballabteilung des ESV, sondern auch durch finanzielle Mittel für Mitgliedsbeiträge und die Anmeldung beim DFB. Dafür hat die Stiftung Findelkind 5000 Euro gespendet. "Ich hoffe, dass dieses Projekt auch auf andere Stadtteile ausstrahlt", sagt Max Straßer von der Stiftung.

Diese Saison beginnt das Team in der untersten Amateurliga, in der C-Klasse. Außer den Flüchtlingen sind auch drei langjährige Vereinsmitglieder mit dabei. An Nachwuchs fehlt es nicht, beim Training tauchen stets neue Leute auf. "Da gibt es kein Nein", sagt Butterbrod. Vielleicht gründen sie bald eine zweite Mannschaft - und vielleicht folgen noch viele weitere in München. Es sei ganz einfach, sagt der Trainer. "Man muss nur einen Schritt machen."

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