Am Hart Olympia fest im Blick

Richtfest auf der Baustelle des neuen Gymnasiums für den Münchner Norden an der Knorrstraße. Die Eliteschule des Sports soll 2016 fertiggestellt sein und Platz für rund 1000 Lernende bieten

Von Alfred Dürr, Am Hart

Sport spielt bei dem neuen Gymnasium für den Münchner Norden an der Ecke Knorrstraße/Rathenaustraße eine wesentliche Rolle. Denn hier entsteht nicht nur eine Eliteschule für olympische Disziplinen wie Basketball bis hin zu Trampolinturnen oder Volleyball. Sehr sportlich, so drückt es die städtische Baureferentin Rosemarie Hingerl aus, ging es auch bei Planung und Bau des 65 Millionen Euro teuren Komplexes zu. Der Freistaat steuerte einen Zuschuss von acht Millionen Euro bei. In nur zwei Jahren Bauzeit entsteht das Gebäude. Jetzt wurde Richtfest gefeiert, zu Beginn des Schuljahres 2016 soll der Komplex fertig sein.

Noch stehen die Gerüste an den Fassaden, aber man hat bereits einen guten Eindruck vom künftigen Campus mit seinen fünf Baukörpern. Der Entwurf stammt von dem Stuttgarter Büro h4a Gessert + Randecker Architekten. Den Mittelpunkt bildet die nahezu stützenfreie und lichtdurchflutete Aula mit Bühne, Mensa und Bibliothek. In den Obergeschossen befinden sich die Fachlehrsäle. Von hier aus zweigen die Bereiche für die sogenannten Lernhäuser ab.

Das Gymnasium für rund 1000 Schüler wird das erste sein, bei dem schon der Ausschreibungstext für den Architektenwettbewerb die bauliche Umsetzung dieses innovativen pädagogischen Konzepts verlangt hat. Dabei gliedert man die große Schule in kleine überschaubare Einheiten. So will man Kommunikation und Teamarbeit in heller und freundlicher Atmosphäre - zum Beispiel mit Lichthöfen - fördern. Die Schüler können sich auch auf Stühlen im Grünen, direkt vor ihren Klassenzimmern, aufhalten. Dieses Lernhaus-Konzept mit der entsprechenden Architektur habe Vorbildcharakter, betonte Stadtschulrat Rainer Schweppe beim Richtfest, von Schulvertretern aus ganz Deutschland kämen Anfragen für eine Besichtigungstour. Aber dieses Gymnasium ist auch eine Eliteschule des Sports. Inklusive dieses Neubaus wird es dann bundesweit 43 Schulen dieser Art geben. Drei davon finden sich bereits jetzt in Bayern: mit dem Schwerpunkt Wintersport in Berchtesgaden und Oberstdorf, in Nürnberg liegt der Akzent auf Sommersport.

Künftige Olympiasieger brauchen ausgezeichnete Übungsmöglichkeiten. Auch hier sieht man schon, wie gut diese Thema gelöst ist. Die abgesenkte Sporthalle mit den großzügigen Fensterflächen hat eine Raumhöhe von zehn Metern; üblich sind sonst Höhen von fünf bis sieben Metern. Die Halle erfüllt die Standards der Volleyball-Bundesliga und bietet sehr gute Voraussetzungen für intensives Training. Außerdem gibt es noch eine Judohalle, einen Kraft- und Konditionsraum sowie Sportplätze im Freien.

Auch die werden bestens ausgestattet sein. So ist ein Beachvolleyball-Feld geplant, eine Kugelstoß-Anlage, eine Boulderwand entlang der 110-Meter-Laufbahn sowie ein Fitnessparcours. Alle Schüler können diese Anlagen nutzen.

Baureferentin Rosemarie Hingerl erinnerte beim Richtfest an die schwierige Vorbereitung des Schulgrundstücks, das nach Altlasten etwa von Panzer-Waschanlagen oder Ölabscheidern durchsucht werden musste. Denn an dieser Stelle befand sich das Areal der ehemaligen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne, die bis 1994 in Betrieb war. Größere Kampfmittel wurden im Erdreich nicht gefunden, das Spektakulärste sollen mehrere Militärgewehre gewesen sein. Die Altlasten-Entsorgung habe das Planungstempo etwas gebremst, sagte Hingerl. Aber auch dabei passt der Begriff Sportlichkeit: "Wir konnten den Zeitverlust weitgehend einholen."

Jedenfalls liege man genau im Plan. Der Innenausbau ist im Gang. Mit den Arbeiten für den Außenbereich, gestaltet von den Landschaftsarchitekten Hack Hoffmann aus Eichstätt, wird gerade begonnen. Auch die Fassade, die aus Holzfenstern mit blauen Metallprofilen besteht, wird man bald erkennen.

Im Zusammenhang mit dem Neubau soll sich auch die Knorrstraße zwischen Rathenaustraße und dem U-Bahnhof Am Hart verändern. Der westliche Geh- und Radweg wird breiter. Außerdem sind Kiss-and-Ride-Parkplätze zum Bringen und Holen der Schüler vorgesehen.