Ab Freitag, 16 Uhr, wird die Innenstadt freigeschleppt - und für das Altstadtringfest aufgerüstet. Während den Veranstaltungen darf kein Auto mehr in der Innenstadt stehen.
Münchens Abschlepper feiern den 850. Stadtgeburtstag auf ihre ganz eigene Weise am Freitagnachmittag um vier Uhr. Sie werden wohl in den dann folgenden Stunden ganz besonders viele Autos an den Haken nehmen. Dann nämlich tritt rund um die Innenstadt das große Jubiläumshalteverbot in Kraft, und wer sein Auto bis dahin noch am Rande des Altstadtrings, im Tal, in der Westenriederstraße oder der Sendlinger Straße stehen hat, wird es wohl erst in der Verwahrstelle in Trudering wiedersehen. "Wir werden alle Falschparker schnell und rigoros abschleppen", kündigt Polizeivizepräsident Robert Kopp an.
Stockender Verkehr auf der Sonnenstraße und um den Karlsplatz (© Foto: Stephan Rumpf)
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Eile tut not an diesem Freitag. Kaum haben die Berufspendler die Stadt Richtung Wochenende verlassen, werden Polizei und Kreisverwaltungsreferat das Zentrum für den Autoverkehr dichtmachen. In ein großes Gebiet zwischen Isar und Paul-Heyse-Unterführung, zwischen Baldeplatz und den Pinakotheken werden von Freitagabend um neun Uhr bis Montagmorgen um fünf Uhr nur Anlieger einfahren dürfen.
700 Polizisten und 17 Ärzte
Und der Altstadtring wird ganz gesperrt. Hier geht am Abend und in der Nacht zum Samstag der Aufbau für das Altstadtringfest in den Schlussspurt. 160 bis 200 Tieflader und andere Laster bringen die Bühnen und Stände für eine Fest, das "es so in Deutschland noch nie gegeben hat", preist Henriette Wägerle, die oberste Partymacherin der Stadt.
Zwei Jahre haben Wägerle und ihre Mitstreiter an dieser Fete der Superlative gearbeitet: Sieben Kilometer lang zieht sich das Altstadtringfest rund um das Zentrum, an zehn Stationen auf elf Bühnen wird es von Samstagmittag bis Sonntagabend fast ununterbrochen Festprogramm geben. 3000 Mitwirkende werden versuchen, rund eine Million erwartete Besucher in Feierlaune zu bringen und bis Sonntag, 18 Uhr, zu halten.
Mehr als zehn Kilometer Kabel bringen Strom an die Stationen, drei Kilometer Leitungen das Wasser - auch für die 450 Toiletten, die die Stadt am Altstadtring aufstellt. 700 Polizeibeamte sind in einem, so hofft Kopp, "Einsatz der angenehmeren Art", um auf die Menschenmassen aufzupassen, dazu 460 weitere Sicherheitskräfte und mehr als 120 Ordner. Die Sanitätsdienste haben der Stadt den Einsatz von 295 Helfern, darunter 17 Ärzten, geschenkt, die in fünf großen Unfallhilfsstellen bei kleineren und größeren Notfällen eingreifen. Auch für Kinder, die im Menschengeschiebe ihre Eltern verlieren, gibt es Platz - im Münchner Kindl in der Burgstraße 6, nahe am Marienplatz.
Die S- und U-Bahnen fahren öfter als sonst, von Samstagabend bis Sonntagmorgen die ganze Nacht hindurch, Nachttrams und Nachtbusse sogar im 15-Minuten-Takt. Das muss sein, denn der dramatischste Appell der Organisatorin Wägerle heißt: "Münchner, kommt! Aber lasst bitte, bitte das Auto daheim!"
Am Montagmorgen wieder alles frei für Pendler
Nur das Wetter widersetzt sich noch Wägerles Organisationsbemühungen. Ob die Sonne zum Geburtstag das Fest überstrahlt oder ob Regen die Feiernden feucht erfrischt, die Prognosen sind noch unsicher. 200.000 Regenponchos hält die Stadt für wetterschutzsuchende Besucher bereit, und Wägerle hofft, mit dieser Anschaffung voodooartig alles schlechte Wetter gebannt zu haben.
Sicher ist dagegen, dass am Montagmorgen alles vorbei ist. Um fünf Uhr früh, bereits elf Stunden nach Ende der Fete, sollen die dann wieder in die Innenstadt gelassenen Pendler kaum noch etwas an die Ausschweifungen des Wochenendes erinnern. Der Altstadtring soll dann wieder frei sein - und dank städtischer Müllabfuhr und Straßenreinigung besenrein.
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(SZ vom 15.07.2008)
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