Altstadt Denkmal für Schwule und Lesben

Parteiübergreifende Zustimmung: Mit einem Kunstwerk am Oberanger will die Stadt an die Verfolgung von Homosexuellen unter den Nazis erinnern.

Von Silke Lode

Für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen soll in München ein neues Denkmal errichtet werden. Einen entsprechenden Beschluss will der Stadtrat am Donnerstag fassen. Das Kunstwerk, das mitten in der Innenstadt an der Kreuzung von Oberanger und Dultstraße errichtet werden soll, könnte schon im kommenden Jahr Form annehmen. Im Frühjahr 2012 wird ein Teil der Sendlinger Straße zwischen Färbergraben und Hackenstraße sowie die Dultstraße zur Fußgängerzone umgebaut. Zeitgleich möchte die Stadt auch das neue Denkmal bauen.

85000 Euro will die Stadt insgesamt für das Denkmal in die Hand nehmen, noch vor den Sommerferien soll eine Jury aus Stadträten, Künstlern und Kuratoren einen Kunstwettbewerb in Angriff nehmen. Der Entscheidung im Kulturausschuss, für die neben Rot-Grün und der Rosa Liste auch die CSU ihre Zustimmung angekündigt hat, war hinter verschlossenen Türen eine längere Debatte über Standort und Konzeption des Denkmals vorangegangen.

Thomas Niederbühl, Stadtrat der schwul-lesbischen Wählerinitiative Rosa Liste, hatte bereits 2008 ein Denkmal an der Ecke Dultstraße-Oberanger beantragt. Dort war Anfang der dreißiger Jahre das Schwulenlokal Schwarzfischer. Als die Nazis am 20. Oktober 1934 in München erstmals eine Großrazzia gegen Homosexuelle durchführten, war auch der Schwarzfischer betroffen. "Das Lokal stand von Anfang an im Fokus der organisierten Homosexuellenverfolgung", heißt es zur Begründung der Ortswahl in der Beschlussvorlage. Mehr als 50000 Schwule seien verurteilt worden, die meisten hätten die Misshandlung in den Konzentrationslagern nicht überlebt.

Die anfängliche Skepsis der Verwaltung gegen den Oberanger, wo schon das neue Kurt-Eisner-Denkmal platziert wird, ist ausgeräumt. Abgeschlossen ist auch die durch das Berliner Kuss-Mahnmahl angestoßene Diskussion, ob das Münchner Kunstwerk an Lesben und Schwule gleichermaßen erinnern soll. Die systematisch verfolgten Männer werden in Fokus stehen, wie Initiator Niederbühl und die Grünen-Fraktionschefin Lydia Dietrich sagen, Lesben würden aber nicht ausgeklammert. Ungeklärt ist hingegen, ob trotz der Bedenken des Baureferats künftig Gedenkveranstaltungen am Oberanger stattfinden dürfen.

Andere Einwände äußerte CSU-Kultursprecher Richard Quaas: "Bislang war es Konsens, keine Differenzierung der Opfergruppen bei Denkmälern oder Gedenkstätten vorzunehmen." Für andere NS-Opfergruppen existiere auch kein Einzeldenkmal im öffentlichen Raum Münchens. Trotzdem kündigte die CSU an, für das Denkmal zu stimmen.

Auch Niederbühl wünscht sich, dass der Platz der Opfer des Nationalsozialismus Fokus des Gedenkens sein soll, um nicht zu viele Einzeldenkmäler zu schaffen. "Aber die Erinnerung an homosexuelle NS-Opfer wurde so lange verschwiegen, dass da ein Anspruch besteht." Allein bis zum Jahr 1969 habe der Paragraph 175 gegolten, den schon die Nazis zur Schwulenverfolgung genutzt hätten. 1985 hätten Schwulenorganisationen einen Gedenkstein gekauft, den sie in der KZ-Gedenkstätte Dachau anbringen wollten. Doch erst zehn Jahre später seien die Schwulen als Opfergruppe akzeptiert worden. "So lange hatte der Gedenkstein Asyl in der Dachauer Versöhnungskirche", erzählt Niederbühl.