Altstadt Das Roeckl-Eck hat wiedereröffnet

"Premium-Accessoires seit 1839" - so wirbt die Firma für sich. Im Jahr 1839 begann Jakob Roeckl, in seiner Werkstatt Handschuhe zu fertigen.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Firma Roeckl hat ihren Insolvenzantrag zurückgezogen.
  • Nach Angaben des Unternehmens gelang dies mit neuem Kapital aus der Familie.
  • Die Marke soll künftig nicht mehr nur für Handschuhe stehen. Außerdem wurden Filialen in Städten wie Mannheim oder Wiesbaden geschlossen.
Von Pia Ratzesberger

Die Schaufenster waren leer, die Buchstaben über der Türe abgeschraubt, und so ließ sich in der Theatinerstraße im Sommer recht gut sehen, wie es der Firma Roeckl geht. Die Handschuhe nämlich hatten sich schon lange nicht mehr so gut verkauft wie vormals, die Firma hatte im März Insolvenz angemeldet - und ein paar Monate später machte dann der Laden in der Innenstadt zu. Das traditionelle Roeckl-Eck. Der Laden gehörte zwar nicht zum Unternehmen, doch stand er in München für Roeckl wie kein anderer. Und deshalb kann man auch jetzt in der Theatinerstraße wieder sehen, wie es der Firma mit den Handschuhen geht. Das Roeckl-Eck hat wieder eröffnet - und die Firma ihren Insolvenzantrag zurückgezogen.

Nur sechs Wochen nach der Bekanntgabe im März nahm man den im Mai wieder zurück, die Roeckl Handschuhe & Accessoires GmbH aber machte das erst jetzt öffentlich. Von wem das Geld kam und wie viel, will eine Sprecherin nicht sagen. "Aus eigener Kraft" und "mithilfe neuen Kapitals aus der eigenen Familie" habe Roeckl das Ganze abwenden können, heißt es lediglich. "Die Ursachen der Insolvenz sind beseitigt", sagt Annette Roeckl, die Geschäftsführerin.

Darum muss das Roeckl-Eck nach mehr als 60 Jahren schließen

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In sechster Generation leitet sie die Firma, doch heute ist das Geschäft mit den Handschuhen ein ganz anderes als zu Zeiten der Gründung. Trug man damals Handschuhe auch als Accessoire, ist das heute aus der Mode; die Finger werden nur in den kalten Monaten verborgen. "Sie können das Wetter an unserer Umsatzkurve ablesen", sagte Roeckl einmal. Das war das Problem.

Die Marke Roeckl soll nun also nicht mehr nur für die Handschuhe stehen, die Jakob Roeckl schon 1839 in seiner Münchner Werkstatt fertigte, sondern auch für alle anderen Accessoires. Taschen, Schals, Hüte, Geldbörsen. Die nämlich verkaufen sich das ganze Jahr, auf der Internetseite von Roeckl ist mittlerweile die Rede von "Premium-Accessoires seit 1839". Das sind die beiden Worte, mit denen Annette Roeckl ihre Firma wieder voranbringen möchte, mit den Accessoires und mit "Premium". Ein Handschuh von Roeckl kostet schon immer mehr als die billige Ware der großen Modeketten; während dort ein Paar für sechs Euro zu haben ist, kann das bei Roeckl auch schon einmal 250 Euro kosten, andere Modelle gibt es jetzt ab 49 Euro.

50 Mitarbeiter mussten gehen

Zudem will sich das Unternehmen von nun an auf die wichtigsten Großstädte konzentrieren, wie es bei Roeckl heißt, im Ausland, in Deutschland. Bis zum Frühjahr hatte die Firma zum Beispiel auch Läden in Wiesbaden und Mannheim, in Nürnberg und Karlsruhe; die aber sind nun geschlossen. Acht Filialen hat man im Frühjahr zugemacht, um die 50 von 200 Mitarbeitern mussten gehen. Das Geschäft an der Theatinerstraße aber gehörte nicht mit zu Roeckl, die Inhaberin führte den Laden eigenständig, in dritter Generation. Ihre Familie hatte mehr als 60 Jahre lang die handgefertigten Handschuhe verkauft, in einer Art Partnerschaft.

Im Sommer aber kündigte die Ladeninhaberin den Mietvertrag, und die Firma Roeckl hat den Laden jetzt selbst angemietet. Es ist ihr vierter in der Stadt, so sei man in der "besten Lage Münchens" noch präsenter, sagt Annette Roeckl. Innerhalb von sechs Wochen habe man das Geschäft umgebaut, auch dort gibt es jetzt nicht nur Handschuhe, sondern auch Taschen und Tücher. Anfang kommenden Jahres soll dann noch ein weiteres Geschäft in der Schweiz eröffnen - natürlich in Zürich.

Annette Roeckl, 50, hat das Unternehmen vor 14 Jahren übernommen, damals spaltete ihr Vater die Firma auf: Die Tochter übernahm die Mode, der Sohn Stefan das Geschäft mit den Sporthandschuhen. Er hatte es womöglich leichter, denn diese Handschuhe verkaufen sich das ganze Jahr über, das Geschäft ist nicht von den kalten Wintern abhängig. In den vergangenen Jahren hatte die Tochter mit ihrer Firma immer wieder Verluste gemacht, zuletzt 289 000 Euro, im Jahr zuvor 1,9 Millionen Euro. Auch der Umsatz ging zurück, 17,9 Millionen Euro waren es zuletzt, das entsprach einem Rückgang von mehr als sechs Prozent. Für das Geschäftsjahr 2016/2017 rechne man ebenfalls mit "schwierigen Bedingungen" und "einem kleinen Verlust", hieß es noch vor etwa einem Jahr. Jetzt aber ist Annette Roeckl zuversichtlich, ihre Firma werde den Veränderungen im Handel standhalten, sagt sie, man sei ja nicht mehr nur Hersteller von Handschuhen. Davon wird wohl viel abhängen - ob die Münchner auch dann zu Roeckl gehen, wenn sie keine Handschuhe brauchen.

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