Gemeinsam planen und dann miteinander leben: Immer mehr Münchner wohnen in alternativen Wohnprojekten.
Es tut sich was auf dem Münchner Immobilienmarkt. Nicht, dass die Mieten fielen, ganz im Gegenteil, und eine Veränderung im Großen ist es auch nicht, aber doch im Kleinen. Das Mikroklima, wenn man so will, wird bunter, vielfältiger.
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Man muss allerdings genau hinschauen, um die Spurenelemente der Veränderung zu erkennen: Hier die schleichende Aufwertung citynaher Viertel - dort alternative Wohnformen, die sich langsam, aber stetig ausbreiten, auch in dieser sonst so uniformen Wohnstadt.
Um die Aufwertung zu registrieren, müsste man alle paar Wochen durch die Viertel südlich der Kernstadt spazieren. Vom Westend über das Schlachthofviertel nach Sendling und Thalkirchen, und jenseits der Isar durch Untergiesing und die Au, wo die Mieten - noch - unter Schwabinger Niveau liegen.
Dort würden einem Gerüste auffallen, heute plötzlich aufgebaut, morgen wieder weg, herausgeputzte Fassaden freigebend. Ganz unspektakulär ist das, doch für die Bewohner bringt das zweierlei mit sich: Mehr Komfort - und höhere Mieten.
Sichtbarer als neue Bäder in alten Wohnungen sind aber die kleinen, feinen Designer-Laden, die sich in bestimmten Vierteln ausbreiten. Was rund um den Gärtnerplatz längst geschehen ist, passiert zunehmend in jenem Halbkreis südlich der Innenstadt, dem neuen Dorado für Sanierer und Spekulanten. Kleine, feine Läden signalisieren: Das Viertel steigt auf, und mit ihm die Preise. Manch Alteingesessener aber muss weichen.
Ein buntes Haus
Mit dieser Entwicklung, von Experten Gentrification oder Nobilisierung genannt, scheint der zweite Trend, der hin zum ,,anderen Wohnen'', erst einmal gar nichts zu tun zu haben. Am besten lässt sich dieser im Ackermannbogen besichtigen, im ,,Ostblock'' zum Beispiel.
Was nach Plattenbau klingt, ist in Wahrheit ein buntes Haus - voller normaler Leute. Und ein Wagnis. So heißt die Genossenschaft (,,Wohnen und arbeiten in Gemeinschaft, natürlich, innovativ und selbstbestimmt''), die vier Häuser gebaut hat, darunter im Osten ihres Areals den ,,Ostblock'', ein Haus mit 18 Parteien. ,,Wohnen'' ist hier zu verstehen als ,,Miteinander Leben''. Nicht in Art einer Groß-Kommune, sondern als Nachbarschaft, die über das obligatorische Mehl-Ausleihen hinausgeht.
Obwohl sich anfangs alle fremd waren, erzählt Ursula Jenewein, die mit Mann und den beiden erwachsenen Töchtern in einer Maisonettwohnung lebt, ,,waren wir menschlich alle auf einer Wellenlänge, als ob wir uns schon ewig gekannt hätten''. Man hat die Häuser über Jahre gemeinsam geplant und gebaut, hat gestritten und gefeiert - und nun leben sie seit zwei Jahren einen Alltag, der sich vom gewohnten anonymen Nebeneinander unterscheidet.
Klar, sagt Elisabeth Hollerbach, Gründerin und unermüdliche Antreiberin dieser Wohn-Idee, ,,wir lieben uns nicht alle''. Aber auch das sei eine wertvolle Erfahrung: Konflikte nicht zu verschweigen, sondern anzusprechen und zu lösen. Ohne Anwälte, ohne Gerichte.
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