"Es war eine Erleichterung, als er endlich die Diagnose bekam", sagt Melanie F. "Schizophrenie", das Wort, das zunächst ein Schock ist, beendete für Familie F. die zermürbende Ungewissheit. Und je präziser die Diagnose, desto größer ist die Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung, auch wenn die Krankheit in fast allen Fällen chronisch verläuft.

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Auch F.s Bruder ist weiter krank, heute lebt er in einem betreuten Wohnheim, arbeitet und nimmt regelmäßig seine Medikamente. Diagnose und Behandlung haben nicht nur ihm geholfen, sondern die ganze Familie entlastet. "Jetzt geht es ihm gut, und wir reden inzwischen auch über seine Krankheit", sagt Melanie F. "Und wir können uns über kleine Erfolge freuen, zum Beispiel darüber, dass er jetzt einen Praktikumsplatz bekommen hat." Die Familie habe gelernt, ihre Ansprüche zu senken.

Die Angehörigen eines Schizophrenen müssen nicht nur akzeptieren, dass dieser vermutlich sein Leben lang krank bleiben wird, sondern auch dann noch für ihn sorgen, wenn er längst erwachsen ist. Sich kümmern - das klappt dann gut, wenn das Verhältnis so innig ist wie das zwischen Regina B. (Name geändert) und ihrer Tochter. "Ich war bisher fast jedes Mal dabei, wenn es ihr akut schlecht ging", sagt Regina B.

Sie fand ihre Tochter im Jahr 2001 in deren verwüsteter Wohnung, nahm sie mit und brachte sie in die Psychiatrie, "dieser Zusammenbruch war ein großes Glück", sagt sie heute. Seitdem wechseln sich bei ihrer Tochter stabile mit psychotischen Phasen ab, Regina B. hält regelmäßigen Kontakt und kann meist abschätzen, wann es kritisch wird.

"Früher habe ich die Pillen nachgezählt, heute sage ich ihr: Denk dran, dass du wahrscheinlich wieder in die Klinik musst, wenn du die Medikamente einfach absetzt." Sie vertraut ihrer Tochter. "Ich glaube, sie sieht das ein", sagt sie.

Die Gelassenheit, die heute aus ihrer Stimme klingt, hat sich Regina B. hart erarbeitet. Wie die meisten Betroffenen war auch sie zunächst hilflos und überfordert, auch sie fand Hilfe in einer Gruppe des ApK. Beim Verein hat sie außerdem ein Seminar mitgemacht, in dem geschulte Angehörige wiederum andere Angehörige unterrichten, wie sie am geschicktesten umgehen können mit dem Kranken. Die Teilnehmer lernen etwa, Warnsignale für einen Rückfall zu erkennen, aber auch, wie sie am besten reagieren auf Wahnvorstellungen und Halluzinationen.

Die Tochter von Frau B. zum Beispiel hört Stimmen, die über sie sprechen, sie ist fest davon überzeugt, dass alle Menschen über sie reden. Manchmal frage ihre Tochter sie, ob sie die Stimmen denn nicht auch höre, erzählt Regina B. "Da muss ich mich jedes Mal beherrschen, nicht einfach zu sagen, das ist doch Quatsch, die Stimmen gibt es nicht."

Das wäre nämlich ganz falsch, wie sie inzwischen gelernt hat. "Sie soll sich ja ernst genommen fühlen und nicht denken, ich halte sie für verrückt." Seit sie mehr über die Krankheit weiß, findet sie eine elegante Antwort auf die Frage ihrer Tochter. "Ich sage ihr: Wenn du das so empfindest, gut, aber du weißt, dass ich die Stimmen nicht hören kann."

Einen Weg durch den Wahn zu ihrem Sohn sucht auch Eva Straub. Zurzeit hat offenbar der Wahn die Oberhand gewonnen: Ihr Sohn spreche von einem geheimen Auftraggeber, nach dessen Anweisung er nun versuche, sich selbst zu therapieren, erzählt sie.

Sie rechne damit, dass er die Medikamente bald absetze, auch wenn er sich weigere, mit ihr darüber zu sprechen. Manchmal, da frage sie ihn, ob er eine bestimmte Entscheidung auch wirklich besprochen habe mit seinem Auftraggeber. Therapeuten würden dazu wahrscheinlich sagen, sie lasse sich zu weit ein auf seinen Wahn, sagt sie. "Aber was soll ich denn machen? Sein Auftraggeber ist zurzeit seine größte Hoffnung. Die kann ich ihm doch nicht nehmen."

Angehörige psychisch Kranker können sich an die Münchner Geschäftsstelle des ApK an der Landsberger Straße 135/III wenden, Telefon 5024673. Information im Internet unter www.apk-muenchen.de

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