Der Bundesgerichtshof hat in dieser Woche die Unterhaltspflichten beschnitten. Was das für die Münchnerin Kornelia Müller bedeutet.
Es war beim Abendessen, mitten im Restaurant, als Kornelia Müller zum ersten Mal ganz deutlich spürte, dass es vor allem für ihren Sohn Remill gut wäre, wenn er mit beiden Eltern aufwachsen würde - und nicht nur bei ihr. Sie waren mit Freunden dort, und einer von ihnen zeigte Remill, wie man Messer und Gabel hält.
Das Alltagsrezept von Kornelia Müller, 49, und ihrem Sohn Remill, 14: Kompromisse finden. (© Foto: Haas)
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Im Alltag hatte sie darauf nicht geachtet, weil sie es nicht für wichtig gehalten hatte. Und nun sagte sie sich: Manchmal wäre es schön, wenn mir bei der Erziehung jemand auf die Finger schauen würde.
Wenn Kornelia Müller, 49, über die Schwierigkeiten einer alleinerziehenden Mutter spricht, dann redet sie viel über Erziehung. Darüber, dass sie manchmal Gefahr lief, ihren Sohn mit all der Liebe zu erdrücken - und zu wenige Grenzen zu setzen.
Darüber, dass er, anders als sie selbst, die sich in ihrer Kindheit Trost bei der Oma holte, niemanden hat, bei dem er sich nach einem Streit ausweinen könnte. Über finanzielle Sorgen spricht sie nur wenig. Und wie sie so da sitzt in ihrer geräumigen Wohnung am Rand von Haidhausen, die Lippen dezent geschminkt, eine Perlenkette und zwei Tücher in Pastelltönen um den Hals - da mag man kaum glauben, dass sie sich um Geld überhaupt sorgen muss.
Niemand sonst ist da
Es sei ihr immer wichtig gewesen, dass es ihrem Sohn Remill und ihr gut gehe, sagt sie. Und ob man glücklich ist, das sei eher eine Frage der Einstellung als des tatsächlichen Kontostands. Es gibt die Ersparnisse. Es gibt die Unterhaltszahlungen von Remills Vater, die zwar nicht immer pünktlich, nach einer kurzen Nachfrage dann aber doch kommen. Und es gibt die Kompromisse.
Seit einiger Zeit redet Remill von einer Reise nach New York. Also hat seine Mutter im Internet nach preiswerten Flügen und einer günstigen Unterkunft geschaut - und sie hat ihm gesagt: Wenn wir über Pfingsten nach New York reisen, dann fällt der Sommerurlaub flach. Dass ihr Sohn, der inzwischen 14 Jahre alt ist, an Klassenfahrten und Trainingslagern seiner Fußballmannschaft teilnehmen kann, das stand für Kornelia Müller nie infrage.
Er bekam auch immer die Klamotten, die er sich wünschte. "Ich wollte nie das Bild der armen Alleinerziehenden abgeben", sagt Kornelia Müller. Dafür hat sie dann Zimmer in der Wohnung untervermietet, und mancher hat zu ihr gesagt: Das könnte ich nicht, daheim immer neue Leute um einen herum.
Aber als Remill noch ein Baby war und sie eine dreijährige Auszeit von ihrer Arbeit als Controllerin genommen hatte, da war sie froh, dass abends noch jemand kam - und von der Welt da draußen berichtete. "Mir wäre sonst die Decke auf den Kopf gefallen", sagt sie rückblickend. Die wenige Zeit, die ihr später für sich selbst blieb, hat Kornelia Müller für Weiterbildungen genutzt.
Die Zukunft der kleinen Familie hing schließlich vor allem von ihr ab. Sie beklagt nicht, sie stellt fest, dass es irgendwann kein Privatleben mehr gab, das allein ihr vorbehalten gewesen wäre. Nur wenn sie dann doch mal auf eine Party eingeladen war, fiel ihr auf, dass alle anderen von spannenden Ausflügen und Ausstellungen erzählten und sie selbst stumm blieb: "Ich hatte ja nichts erlebt, außer dass ich im Sandkasten gebuddelt hatte." Das waren die Momente, in denen sie es als anstrengend empfand, in einer Stadt zu leben, in der jeder etwas darstellen muss.
Und manchmal hat sie dann überlegt, ob sie von München weg, vielleicht nach Mainz ziehen sollten. Dort wäre das Leben preiswerter gewesen - und Remill näher an seinem inzwischen in Frankfurt lebenden Vater, sie selbst näher bei ihren Eltern im Hunsrück. Aber in München, da hatte sie eben auch einen sicheren Arbeitsplatz - und einen Chef, der ihr geholfen hatte, nach dem Mutterschutz schrittweise wieder ins Berufsleben zu kommen.
Erst mit zwölf, schließlich mit 24 Arbeitsstunden in der Woche. Nun möchte sich Kornelia Müller selbständig machen. Es wäre eine gute Gelegenheit für einen Umzug. Aber Remill will bleiben. Und die Stadt, in der er aufgewachsen ist, das Stück Stabilität, möchte die Mutter ihm nicht nehmen.
- Unterhalt für Alleinerziehende Harte Zeiten 19.03.2009
(SZ vom 21.03.2009)
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Jaja, es ist schon hart: über Pfingsten nach New York etc. und dann leider auf den Sommerurlaub verzichten müssen! Da möchte man doch meinen, es gibt Schlimmeres, über das es sich zu berichten lohnt. Und was der Artikel mit der Neugestaltung des Unterhaltspflichten zu tun hat ist mir auch nicht klar!