Allach Wohnen mit Würze

Auf dem Diamalt-Gelände in Allach, wo früher Malzextrakt hergestellt wurde, soll von 2017 an ein neues Quartier für 1600 Menschen entstehen. Einige denkmalgeschützte Gebäude werden in das Ensemble integriert

Von Anita Naujokat, Allach

Nachdem der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb für das ehemalige Diamalt-Gelände in Allach entschieden ist, will die Isaria Wohnbau AG im kommenden Jahr mit dem Bau von 630 Wohnungen beginnen. Das Projektvolumen wird mit 250 Millionen Euro angegeben. Im südlichen Segment wird die Münchenbau zudem an die hundert Wohnungen erstellen. Ihr gehören nach Unternehmensangaben 8000 Quadratmeter des 8,2 Hektar großen Geländes, auf dem Diamalt früher Backhilfsmittel, Suppenwürze sowie Malz- und Soßenpräparate produzierte. Das Quartier ist für etwa 1600 Einwohner angelegt und soll um einen grünen Kern in der Mitte herum entstehen.

Grundlage des künftigen Bebauungsplans ist der Siegerentwurf, den Pesch Partner Architekten Stadtplaner Dortmund/Stuttgart mit Helen Rohde Dortmund für sich entschieden haben. Das Konzept sieht eine drei- bis sechsgeschossige Bebauung vor, das die Bauträger in bis zu zehn Bauabschnitten realisieren wollen. Entstehen soll ein Wohnungsmix, von Ein-Zimmer-Appartements bis hin zu großen Wohnungen mit bis zu fünf Zimmern. Entlang der Georg-Reismüller-Straße sollen sogenannte Stadtvillen mit jeweils zehn bis zwölf Wohneinheiten gebaut werden. 70 Prozent der Wohnungen werden frei finanziert sein, der Rest sei nach einkommensorientierter Förderung und München-Modell für Bewohner mit mittlerem und niedrigem Einkommen gedacht, sagt Michael Dinkel, Projektleiter bei Isaria.

Fusion von Alt und Neu: Auf dem ehemaligen Industriegelände sollen mehr als 700 Wohnungen entstehen.

(Foto: Partner Architekten, Isaria Wohnbau)

Die denkmalgeschützten Bestandsgebäude im Inneren des Gebiets - etwa das restaurierte Kesselhaus, die einstige Suppenwürzefabrik und die Werkstätten- werden integriert. Sie sollen einmal die identitätsstiftende Mitte des Quartiers werden. Für die alte Suppenwürze seien Gastronomiebetriebe, Büros und Wohnungen vorstellbar, sagt Dinkel. "Wir sind aber noch in der Findungsphase und prüfen verschiedene Nutzungen." Die Isaria überlegt ebenfalls noch, Werkstättengebäude, die unter Denkmalschutz stehen, passen könnte. Denkbar sei auch eine öffentliche Nutzung.

Offen ist außerdem noch, ob die im Bezirksausschuss umstrittene Mauer entlang der Georg-Reismüller-Straße erhalten bleibt. Gegner wie Friedrich Schneller von der SPD sehen in ihr nur eine ganz einfache, verfallende und abschottende Industriemauer; die Grünen und der Untermenzinger Historiker Walter G. Demmel stufen sie dagegen als perfekt zum Ensemble passend ein. "Bei uns geht es eher in Richtung Erhalt", sagt Projektleiter Dinkel dazu. Durchlässe für Fußgänger und Radfahrer sind beim Direktorenhaus und dem Pförtnerhaus vorgesehen, so etwa einer von der Georg-Reismüller-Straße auf Höhe der Franz-Nißl-Straße, "um Transparenz zu schaffen", wie es heißt. Doch auch dieses Thema sei noch nicht endgültig entschieden. Dinkel zufolge soll das Gebiet primär von der Ludwigsfelder Straße aus, gegenüber dem Junkersgelände, erschlossen werden. Südlich sei eine eigene Zufahrt etwa in Höhe der Höcherstraße vorgesehen, sagt Dinkel. Eine der beiden Kindertagesstätten mit Krippe und Kindergarten soll in die Nähe der Suppenwürze platziert werden, "weil wir den Quartiersplatz ganztägig beleben wollen", sagt Dinkel. Eine zweite soll an der Ecke Georg-Reismüller-Straße und Ludwigsfelder Straße Platz in einer der Stadtvillen finden.

Industrierelikte: Die alte Suppenwürzefabrik (links) und das in Privatinitiative restaurierte Kesselhaus mit Schornstein bleiben erhalten.

(Foto: Isaria Wohnbau AG )

An öffentlichen Grün- und Freiflächen sind rund 1,6 Hektar geplant, sowie 7000 Quadratmeter für eine ökologische Vernetzungszone inklusive eines Habitats für Zauneidechsen. Die Münchenbau wird wohl etwas später mit dem Bauen beginnen. Man werde das Objekt für etwa eineinhalb Jahre an die Stadt München zur Unterbringung von Flüchtlingen vermieten, sagt eine Sprecherin.

Alle neun Wettbewerbsbeiträge sind von Dienstag, 23. Februar, an bis Freitag, 4. März, im Foyer und im Raum 18 des Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Blumenstraße 28 b, zu sehen; geöffnet ist werktags von 8 bis 18 Uhr. Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 22. Februar, um 18.30 Uhr von Stadtdirektorin Susanne Ritter. In den Monaten März und April sollen die Arbeiten auch in Allach ausgestellt werden. Ort und Datum stehen noch nicht fest. Zweiter Preisträger nach Pesch Partner Architekten wurden Trojan Trojan und Partner Architekten (Darmstadt) mit WGF Objekt Hirschmann Lehner Landschaftsarchitekten (Nürnberg). Den dritten Preis erhielten Planquadrat Elfers Geskes Krämer PartG Architekten und Stadtplaner (Darmstadt) mit Bierbaum.Aichele Landschaftsarchitekten (Mainz/Frankfurt am Main).