Geheimsache Rettung der Erde: Friedensnobelpreisträger Al Gore spricht bei der Wasserwirtschaft hinter verschlossenen Türen.
Mit einem in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Referenten wartete am Freitagnachmittag die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AÖW) bei ihrem Symposium zum Thema "Eine Welt - unser Wasser" auf: Al Gore, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger US-Vizepräsident, trat gegen 14.30 Uhr ans Rednerpult in der Kongresshalle auf dem Alten Messegelände. Fünf Minuten später, und das ist für hiesige Verhältnisse wirklich außergewöhnlich, mussten alle Journalisten den Raum verlassen.
Gemeinsam für den Klimaschutz: Münchens OB Christian Ude und Al Gore, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger US-Vizepräsident (links). (© Foto: Stephan Rumpf)
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Mag sein, dass Gore eine Botschaft hatte, die den Planeten retten könnte. Aber sie zu hören und per Zeitung oder Rundfunk zu verbreiten, war den Pressevertretern verboten. Das hatte Gore respektive seine Agentur Harry Walker den Veranstaltern vertraglich aufgezwungen.
Wie Hans Estermann, der Geschäftsführer der AÖW, versichert, war der Ausschluss der Presse eine nicht verhandelbare Bedingung für den Auftritt des Nobelpreisträgers: "Das ist die einzige Möglichkeit, ihn als Redner zu bekommen." Dieselbe Erfahrung haben auch schon andere Veranstalter gemacht, die Gore für einen Vortrag gebucht hatten.
Immer derselbe Vortrag
Warum der Weltreisende in Sachen Klimaschutz, der sich seine Auftritte einschlägigen Schätzungen zufolge mit sechsstelligen Dollarbeträgen honorieren lässt, seine Reden zu einer Art Geheimsache macht, ist offiziell nicht zu erfahren. Die Agentur Walker hüllt sich in Schweigen. Es gibt Vermutungen, dass Gore mehr oder weniger immer denselben Vortrag hält. Durch die permanente Veröffentlichung in den Medien könnte dessen Marktwert allmählich sinken.
Gore also trat ans Rednerpult, würdigte seine Vorredner, den Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, dessen bayerischen Kollegen Otmar Bernard sowie Oberbürgermeister Christian Ude mit einigen freundlichen Worten, erzählte eine Schmonzette über sein ergrautes Haar, und dann kamen auch schon die Saaldiener, die den Presseleuten höflich aber bestimmt die Tür wiesen. Vorsorglich hatte man die Journalisten auf der Empore platziert, damit ihr Exodus möglichst unbemerkt vonstatten gehe. Über den Rausschmiss hatte man die Medienleute vorab informiert.
Plädoyer für die kommunale Daseinsfürsorge
Ude zeigte sich auf Anfrage befremdet über diese Praxis. Seinem eigenen Vortrag durften die Journalisten noch beiwohnen. Ude nutzte die Gelegenheit, um ein Plädoyer für die kommunale Daseinsfürsorge zu halten, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiere und nicht am Profitstreben privater Verwerter. In Anspielung an die Finanzkrise sagte Ude nicht ohne Häme: "Die neoliberalen Ideologien stehen vor dem Scherbenhaufen ihrer Doktrinen."
Die Krise biete aber auch die Chance, die Modernisierung der Städte nach den Erfordernissen des Gemeinwohls zu betreiben. "Kurzfristiges Gewinnstreben und Nachhaltigkeit vertragen sich nicht. Deshalb dürfen öffentliche Dienstleistungen wie die Wasserwirtschaft nicht dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen werden."
Bundesumweltminister Gabriel warnte davor, angesichts der Finanzkrise die Umweltpolitik zu vernachlässigen. Die globale Veränderung des Klimas bedrohe die Existenzbedingungen der künftigen Generationen. "Beim Thema Klimawandel geht es im Kern um die Sicherheit und Stabilität auf unserem Planeten." Man darf vermuten, dass Al Gore Ähnliches verkündete.
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(SZ vom 18.10.2008/af)
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