Von Christoph Leischwitz

6000 Zuschauer wollen das Sechzger-Stadion retten - und beim Spiel der U 23 gegen Wehen für den Erhalt demonstrieren. Vielleicht werden es sogar noch mehr.

Ob Oberbürgermeister Christian Ude kommt? Und all die anderen Politiker, die es umzustimmen gilt? Sollten sie keine Zeit haben, sie werden etwas verpassen, eine seltene Mischung aus Fußballspiel und nicht gemeldeter Demonstration.

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(© Foto: Andreas Heddergott)

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Nicht nur aus München, aus ganz Bayern werden Fans anreisen, in Zügen und Bussen. Diesmal aber nicht nach Fröttmaning, sondern zum Grünwalder Stadion, das gerettet werden soll.

Dort spielt der TSV 1860 München II gegen den SV Wehen. Letzterer steht schon als Aufsteiger aus der Regionalliga Süd fest und kann sich nun schon mal an Zweitligaatmosphäre gewöhnen. Bis zum Mittwoch wurden 4500 Karten verkauft, die Organisatoren rechnen am Freitagabend ab 19 Uhr mit bis zu 6000 Zuschauern.

Es ist fast genau zwei Jahre her, als das Stadion zum letzten Mal voll war, es war das letzte Spiel der ersten Mannschaft vor dem Umzug nach Fröttmaning.

Die Idee, Zuschauer zur Stadionrettung zu akquirieren, stammt vom Sechziger-Fan Jean-Marie Leone. "Leone" ist das italienische Wort für Löwe. So ein Nachname öffnet bei den Sechzigern natürlich zusätzliche Türen.

Die Idee für die "Aktion X-Tausend" hatte der 34-Jährige aus Puchheim Anfang Februar. Er stellte sie im Internetforum der Löwenfans ein und war fest überzeugt, dass das Ganze nach drei Tagen wieder einschlafen würde.

"Es war nur ein Versuchsballon", sagt er. Er wollte wissen, wie vielen Menschen tatsächlich noch etwas liegt an jenem Stadion, in dem die Sechziger große Erfolge feierten, und das nach den Plänen der Stadt 2010, ein Jahr vor seinem 100. Geburtstag, abgerissen werden soll.

Doch der Versuchsballon kam nicht mehr runter. Allein am ersten Tag bekam Leone Dutzende Antworten, schnell fand sich ein kleines Team zusammen, um alles zu organisieren.

Schon vor der großen Spendenaktion des Vereins sammelten sie Geld, um Zeitungsannoncen bezahlen zu können, sie wurden letzte Woche geschaltet. Bei 18 600 Euro hörten sie auf zu sammeln, der Überschuss wird gespendet.

Außerdem wurde ein Onlineshop für den Kartenverkauf eingerichtet, 15 000 Flyer verteilt und hunderte Plakate aufgehängt. Der Verein zog auch mit, selbst der Vorstand hat sich hinter die Aktion gestellt: "Das Sechzger-Stadion ist ein unverzichtbarer Teil unserer Vereinstradition. Am 18. Mai wollen wir gemeinsam mit möglichst vielen Fans demonstrieren, wie viel uns Löwen am Erhalt des Stadions liegt", sagte 1860-Präsident Albrecht von Linde. Schon vor dem Anpfiff ist die Aktion ein Erfolg, weswegen Leone selbstbewusst eben auch die wichtigsten Politiker der Stadt eingeladen hat.

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