"Aktenzeichen XY" Brutaler Racheakt unter Türstehern

Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" fahndet nach zwei Münchner Türstehern, die einen Kollegen fast totgeprügelt haben.

Von Susi Wimmer

Eineinhalb Jahre saß Qaeiss Zekraia im Gefängnis. Eineinhalb Jahre Zeit, um Rachepläne zu schmieden gegen den Mann, der an seiner Verhaftung mitschuldig war - so glaubte zumindest Zekraia. Am 19. Januar 2008 war der Tag der Abrechnung gekommen: Zusammen mit drei Freunden prügelte er vor der Disco "Level 228" einen 26-Jährigen so brutal zusammen, dass der Mann mit gefährlichen Gehirnblutungen in ein Krankenhaus kam. Zekraia und einer der Mittäter, Fehmi Weiß, tauchten unter. Am Mittwochabend wird in der Sendung "Aktenzeichen XY" nach den Männern gefahndet.

Fehmi Weiß (links) und Qaeiss Zekraia stehen in dringendem Tatverdacht, am 19. Januar zusammen mit zwei Freunden vor der Disco "Level 228" einen 26-Jährigen fast totgeprügelt zu haben.

(Foto: Foto: Schellenberg, ZDF)

Es gab Zeiten, in denen das 26-jährige Opfer, damals Türsteher der Disco "Level 228" am Frankfurter Ring, und die anderen drei Männer befreundet waren. Man kannte sich aus der Türsteherszene, und man war nicht zimperlich. Bei der Polizei zumindest war das Quartett gut bekannt. Der 27-jährige Qaeiss Zekraia beispielsweise wurde zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er laut Gericht seine Lebensgefährtin schwer misshandelt hatte. Zekraia ging in Haft, absolvierte ein Anti-Aggressionstraining und kam nach eineinhalb Jahren wieder frei. Mit der festen Überzeugung, der 26-jährige Türsteher habe etwas mit seiner Verhaftung zu tun, "was aber laut unseren Ermittlungen definitiv nicht stimmte", sagt Andreas Ruch, Sprecher der Münchner Polizei.

Zwischenzeitlich hatte es Anfang des Jahres in der Szene schon die Runde gemacht, dass Zekraia sich rächen wolle: Als das 26-jährige Opfer am Samstag, 19. Januar, gegen 20.45 Uhr mit dem Auto den Parkplatz der Disco ansteuerte, wartete das Quartett schon auf ihn. Der 26-Jährige sah noch zwei Gesichter seiner ehemaligen Kumpanen, bevor sie die schwarzen Sturmmasken herunterrollten. Hektisch wollte der 26-Jährige seinen Wagen wieder starten und abhauen, aber die Vier zerrten ihn aus dem Auto. Einer würgte das Opfer von hinten, die anderen schlugen und traten so heftig auf seinen Oberkörper und Kopf ein, dass er bewusstlos zusammenbrach.

In diesem Augenblick wurden zwei junge Frauen auf die Schläger aufmerksam. Sie standen auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit ihrem Pkw an der Zapfsäule der Jet-Tankstelle. Sie pfiffen und riefen so laut, dass die Täter aufhörten zu prügeln, und sie alarmierten einen Notarzt. "Die Frauen werden für ihr Eingreifen belobigt", sagt Andreas Ruch. Dank ihrer Hilfe und der eines Taxifahrers ließ das Quartett von dem bewusstlosen Opfer ab und verschwand.

Zwei der Täter, ein 27-jähriger Türke sowie ein 28-jähriger Afghane, wurden festgenommen. Der 28-Jährige, ein Bäckermeister mit eigener Firma in München, ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Es bestehe keine Fluchtgefahr bis zur Verhandlung, so die Justiz. Auch der dritte im Bunde, Fehmi Weiß, wurde wegen des Angriffs auf den Türsteher zunächst verhaftet. Im März 2008 war eine Verhandlung gegen ihn wegen häuslicher Gewalt angesetzt, da gelang es dem 28-jährigen Serben, aus dem Gerichtsgebäude in Erding zu flüchten und unterzutauchen.

Er gilt laut Polizei als "äußerst aggressiv und gewaltbereit". Der Afghane Qaeiss Zekraia ist ebenfalls noch auf der Flucht. Er könnte sich in Nordrhein-Westfalen aufhalten. Vielleicht bringt die "XY"-Sendung die heiße Spur.