Nach zehn Jahren fällt endlich der Startschuss - der Entwurf von Coop Himmelb(l)au polarisiert noch immer
Schwabing, Ecke Akademie-/Türkenstraße: eine riesige Baugrube mit der frisch renovierten und hell glänzenden Fassade der Kunstakademie im Hintergrund. Hier entsteht mit dem Erweiterungsbau der Akademie nun eines der spektakulärsten Gebäude Münchens.
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Für Freitag ist - nach einem Jahrzehnt mit Planungs- und Finanzierungsproblemen - nun die Grundsteinlegung angekündigt. Die Kritik an dem Neubau ist indes nicht verstummt.
Gut elf Jahre ist es immerhin schon her, dass das Wiener Architektenbüro Coop Himmelb(l)au den Wettbewerb für das Erweiterungsgebäude der Akademie der Bildenden Künste gewonnen hat. Gestaltungs- und Finanzierungsprobleme verzögerten das Projekt immer wieder. Sehr zum Leidwesen jener, die in der Akademie arbeiten müssen.
Seit vielen Jahrzehnten, klagt beispielsweise Akademie-Rektor Ben Willikens, sehne man sich nach besseren Raumverhältnissen.
Gottfried von Neureuther errichtete 1876 das imposante Gebäude entlang der Akademiestraße für eine Kapazität von 300 Studierenden. Die Zahl hat sich inzwischen mehr als verdoppelt. Dazu kommen Dozenten und andere Personen, die im Haus arbeiten - gut 1000 Menschen sind es insgesamt. Es fehlt an Werkstätten, Ateliers und multifunktionalen Bereichen.
"Ein Drittel bis zur Hälfte der Personen hat keinen brauchbaren Arbeitsplatz", sagt Willikens. Er hat sich mit großem Engagement für die Aufhebung der Baublockaden eingesetzt und dafür gesorgt, dass schließlich das nötige Geld für den Neubau zusammen kam. Rund 20 Millionen Euro wird er kosten; 2005 könnte alles fertig sein.
Der Durchbruch kam 1999. Zu Beginn seiner Amtszeit gründete Willikens die "Stiftung Kunstakademie München". Man habe der Politik zeigen können, dass ein großes Interesse an der Akademie bestehe und sie positiv in der Gesellschaft wahrgenommen werde. Die Bayerische Staatsregierung und speziell Ministerpräsident Edmund Stoiber hätten sich für die Generalsanierung einschließlich des Erweiterungsbaus eingesetzt.
Mit "heiterem Dekonstruktivismus" und "anarchischer Präzision" (Willikens) haben Wolf D. Prix, Helmut Swiczinsky und die Partner von Coop Himmelb(l)au das Thema Akademieerweiterung bearbeitet. Ein Neubau wird entstehen, der den größten denkbaren Kontrast zum Stammhaus darstellt. Die Meinungen, prophezeit Willikens, werden sich damit auch polarisieren. Nach dem Konzept der Wiener - die ja berühmt sind für ihre schrägen Ideen - vernetzen diagonale Rampen und Stege die einzelnen funktionalen Bereiche.
Sie sollen so den Bau zu einem "energiegeladenen Komplex" machen. Hier sind die Maler- und Bildhauer-Ateliers, sowie Kunststoff-, Medien- und Druckwerkstätten untergebracht, außerdem ein Café, Verwaltungsräume und Flächen für Ausstellungen. Die offene Figuration der skulpturalen Baukörper, so heißt es im Entwurf, werde durch die "lebendige, changierend schimmernde Metall- und Glasfassade" hervorgehoben.
Helmut Gebhard, der Direktor der Abteilung Bildende Kunst in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, ist froh, dass es mit dem Projekt endlich vorangeht. Coop-Himmelb(l)au seien die "absolut geeigneten" Architekten. Sie werden demnächst in München auch das schon im Vorfeld hoch gelobte Erlebnis- und Auslieferungszentrum von BMW errichten. Trotzdem: Eine Überarbeitung der Neubau-Pläne an der Akademie, vor allem der Fassadengestaltung, ist nach Gebhards Ansicht nötig: "Neben der großartigen Architektur des Stammhauses wirkt der Entwurf eher zufällig." Er drücke damit auch die Meinung der in der Akademie der Schönen Künste vertretenen Architekten aus, so Gebhard.
Einer dieser Architekten geht weiter. Otto Steidle, früher ebenfalls Akademie-Rektor, hält den Standort des Neubaus aus städtebaulichen Gründen für ungeeignet. Bedeutende Bauten wie die Pinakotheken oder eben auch die Akademie seien Solitäre: "Da kann man nicht einfach etwas an der Ecke dazu stellen."
Das sieht auch Stadtbaurätin Christiane Thalgott ähnlich. Die Debatte darüber immer weiter zu führen, sei allerdings müßig. Man hätte das Problem früher zum Thema machen müssen. "Nun wird endlich gebaut, und diese Entscheidung war ja schon schwierig genug."
Brasiliens Präsidentin Roussef
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