Der Todesfall des Nürnberger Schönheitschirurgen Franz Gsell (76) wird immer mysteriöser. Die in dem Fall ermittelnde Nürnberger Staatsanwaltschaft ließ am Donnerstag einen Kollegen aus Hof festnehmen.
Gegen den 32 Jahre alten Staatsanwalt besteht der dringende Tatverdacht der Beihilfe zur gemeinschaftlichen Nötigung und Körperverletzung mit Todesfolge. Der Strafverfolger hatte ein Verhältnis mit der Witwe Tatjana Gsell (32), deren "pralles Leben" (Bild) viel Stoff für die Klatschspalten der Boulevardpresse lieferte.
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Frau Gsell, die neben anderen Männern auch mit dem Staatsanwalt liiert gewesen sein soll, sitzt schon seit Monaten in Untersuchungshaft. Der Tatvorwurf, der ursprünglich auf Anstiftung zum Raub mit Todesfolge gelautet hatte, wurde Ende Juni abgeschwächt. Ihr werden jetzt ebenso wie dem Staatsanwalt Nötigung und Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.
Franz Gsell war am 5.Januar dieses Jahres in seinem Bungalow im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen von zwei maskierten Männern überfallen worden. Die Täter hatten am frühen Abend mit einer Axt eine Glastür eingeschlagen und ihm mehrere Hiebe versetzt. Dann waren sie geflüchtet. Die Täter nahmen 5000 Euro und eine wertvolle Armbanduhr mit.
Frau Gsell hielt sich zum Zeitpunkt des Überfalls im spanischen Marbella in der Begleitung des Düsseldorfer Auto-Pleitiers Helmut Becker auf, dessen Vater als Unternehmer eine Legende gewesen ist.
Angeblich hat Frau Gsell Herrn Becker junior mit dem Geld ihres reichen Ehemannes über Wasser gehalten. Über die Dreiecksbeziehung hat die angeblich diplomierte Kosmetikerin ausführlichste Interviews gegeben: Der Arzt sei ihr "Vater, Bruder und Ehemann in einem" gewesen. Er habe sie "innerlich und äußerlich geprägt". Was "er mir gegeben hat, konnte mir bisher keiner geben." Niemand hat so viel Silikon in eine Beziehung gesteckt, wie Dr.Gsell.
Herrn Becker habe sie, gestand die pralle Dame, als "Ergänzung in meinem Leben gesehen, denn er stand mir bei meinen Wünschen nach Selbstständigkeit und Selbstverwirklichung mit Rat und Tat zur Seite. Ich war viel in Marbella, aber auch in New York und Dubai. Ich bin ein Kosmopolit".
"Gsellige Liebe zu dritt" titelte die Bunte und Frau Gsell erklärte blumig, "mein Leben kommt mir vor wie ein gläserner Fahrstuhl". Bei ihren diversen so genannten Lebensbeichten, die mit der Ankündigung verknüpft waren, sie wolle ein "Beautyprojekt im Fernsehen machen", erwähnte Gsell allerdings nie ihre Beziehung zu dem Hofer Staatsanwalt.
Nach den bisherigen Ermittlungen kam der Staatsanwalt, der der "Silikon-Prinzessin" (Bild) hörig gewesen sein soll, strafrechtlich bei der komplizierten Vorgeschichte des Überfalls am 5. Januar ins Spiel: Weil Frau Gsell auch wegen der Alimentierung Beckers Geldprobleme hatte, wollte sie ihren Mercedes verkaufen.
Bei ihr meldeten sich nicht nur gewöhnliche Käufer, sondern auch Autoschieber, die einen Deal vorschlugen: Sie wollten Fahrzeugpapiere und Schlüssel. Bereits am nächsten Tag bekomme Frau Gsell beides zurück, könne den Diebstahl der Versicherung melden und erhalte obendrein zehntausend Euro. Die Masche ist im kriminellen Milieu üblich - normalerweise zahlen die Schieber am Ende keinen Cent, weil sie wissen, dass Versicherungsbetrüger nicht zur Polizei gehen.
Die klamme Frau Gsell soll auf Vorkasse bestanden und als eine Art Vertrauensperson ihren Freund, den Hofer Staatsanwalt, eingeschaltet haben. Angeblich sollte er das Geld für das zu stehlende Auto von den Betrügern entgegennehmen. Was wirklich am 5. Januar geschah, ist auch den Ermittlern nicht ganz klar. Es gibt die Version, dass die Räuber es auf den Wagen abgesehen hatten und zum Schein den Überfall fingiert hatten.
Dafür spricht, dass sie gegen 19.30 Uhr in den Bungalow eindrangen und die Fensterscheiben mit einer Axt zerschlugen, was viel Lärm machte. Nachbarn riefen auch gleich bei der Polizei an.
Wenn diese Version stimmt, sollte in der Welt des Scheins ein richtiger Überfall getürkt werden. Die Rolle von Herrn Gsell, der bei dem Überfall verletzt wurde, ist nicht in allen Einzelheiten geklärt und wird vermutlich auch nicht mehr völlig aufgeklärt werden. Umstände der Tat deuten darauf hin, dass er möglicherweise von dem Besuch der Gangster nicht ganz überrascht wurde. Seine Ehefrau Tatjana hielt sich an diesem Tag mit Becker, gegen den die Nürnberger Ermittler auch ein Verfahren eingeleitet haben, in Marbella auf.
Etwa dreißig Minuten nach der Tat hat Frau Gsell mit dem Hofer Staatsanwalt telefoniert. Er soll zu dem Zeitpunkt in der Nähe des Tatorts gewesen sein, will aber die Täter nicht gesehen haben. Die Ermittler haben den Verdacht, dass er das Geld für das Auto in Empfang nehmen sollte und dass irgendetwas schief lief. Möglicherweise haben die Räuber bei dem Überfall versehentlich zu stark zugeschlagen.
Auf die Spur der Beziehung der Societyfrau mit dem Staatsanwalt kam ein Nürnberger Kriminalbeamter, der mit viel Geduld allen Hinweisen nachging. Die meisten Aufschlüsse verschaffte er sich über die Auswertung von Handy-Daten. Wer wen warum zu was in diesem Fall angestiftet hat, will der tüchtige Ermittler in den nächsten Monaten noch klären.
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