AfD-Aktivist und Burschenschaftler Wahlhelfer vom rechten Rand

Ein AfD-Aktivist fällt durch eine rassistische Aktion auf - und wird zum Rücktritt aus der Jugendorganisation genötigt. Landeschef Wächter steht nur vor dem Problem: Wie soll er mit dem unliebsamen Mitglied umgehen? Einfach aus der Partei ausschließen kann er ihn jedenfalls nicht.

Von Sebastian Krass

Es herrschte eine aufgeheizte Stimmung, damals im Jahr 2009 auf dem Burschentag in Eisenach. Die Burschenschaft Alemannia aus Köln hatte einen Dunkelhäutigen in ihren Reihen. Ein Ding der Unmöglichkeit, fanden andere Burschenschaften, die eine stramm völkische Deutschtums-Ideologie vertreten. Benjamin Nolte, damals Mitglied der Aachener Burschenschaft Libertas, verursachte mit einer offen rassistischen Aktion einen Eklat. Laut internen Papieren der Burschenschaftsbewegung hielt er dem Dunkelhäutigen und dessen Kameraden eine Banane hin.

Nolte verließ daraufhin die Libertas und wurde Mitglied der Danubia in München, einer Burschenschaft mit Sitz in der Möhlstraße in Bogenhausen. Deren Aktivitas, also die noch studierenden Mitglieder, stuft der bayerische Verfassungsschutz seit 2011 als rechtsextremistische Organisation ein.

Inzwischen engagiert sich Nolte auch parteipolitisch. Er ist Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD), Kreisverband München Nord. Er war im Kommunalwahlkampf an Infoständen der Partei aktiv, wie Landeschef Andre Wächter bestätigt. Nolte, 31, ließ sich im Februar auch zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) wählen.

Als in der vergangenen Woche Noltes Danubia-Mitgliedschaft und der Bananen-Vorfall öffentlich bekannt wurden, hielt JA-Chef Philipp Ritz zunächst an ihm fest. Doch im neuen Verfassungsschutzbericht ist die Danubia wieder genannt. Deren Aktivitas agiere "revisionistisch und propagiert einen übersteigerten Nationalismus im völkischen Sinne", heißt es dort. Am Wochenende wurde Nolte doch zum Rücktritt bei der JA genötigt. Nur, was ist mit dem AfD-Engagement?

"Ich werde mit Nolte reden"

Landeschef Wächter, frisch in den Münchner Stadtrat gewählt, tut sich schwer. Aus der Partei ausschließen könne man Nolte nicht, das habe man rechtlich geprüft. Denn der Bananen-Vorfall sei lang vor der AfD-Mitgliedschaft gewesen. Und der Altherrenverein der Danubia, dem Nolte angehört, werde vom Verfassungsschutz nicht offiziell als rechtsextremistisch eingeschätzt. Aber passt einer wie Nolte politisch und moralisch zur AfD? Bundesparteichef Bernd Lucke versucht gerade, seine Bewegung von rechtspopulistischen und noch extremeren Bewegungen abzugrenzen.

"Darüber", sagt Wächter, "muss ich mir erst mal ein Bild machen. Ich werde mit Nolte reden". Bisher habe er den Burschenschafter, der "einfaches Mitglied" der AfD sei, nur ein paar Mal gesehen und "nicht mehr als zwei, drei Sätze mit ihm gewechselt". Von Noltes Vorgeschichte habe er auch erst vergangene Woche erfahren, sagt Wächter. Nach dem aber, was er bisher gelesen habe, "passt Nolte eher nicht zu uns".

Nolte selbst beteuert, er sei "weder rassistisch noch ausländerfeindlich" und bekenne sich "ohne Einschränkung zum Grundgesetz". Der Vorfall in Eisenach habe sich zwar nicht genauso abgespielt, wie er geschildert werde. "Aber ich sage auch, dass es ein Fehltritt unter erheblichem Alkoholeinfluss war. Es war eine unreife, geschmacklose Handlung, von der ich mich mehrfach distanziert habe." Wie das passiert sei, könne er sich im Nachhinein nicht erklären. Für eine Stellungnahme zu seiner Zukunft in der AfD war er nicht zu erreichen.