Die Münchner Ärzte gehen für mehr Geld auf die Straße: 3000 Teilnehmer werden bei der Demonstration erwartet. Die Patienten müssen eine Woche lang mit Verschiebungen von Terminen rechnen.
Die Ärzte machen Ernst: Vom heutigen Montag an wollen sie am Städtischen Klinikum streiken, um ihre Tarifforderungen durchzusetzen. In den Krankenhäusern Schwabing, Bogenhausen, Harlaching und Neuperlach sowie in der Dermatologischen Klinik an der Thalkirchner Straße werden die Mediziner in den Ausstand treten. Zwar wird eine Notversorgung aufrechterhalten, jedoch will die Geschäftsführung des Klinikums nicht ausschließen, dass Termine oder längerfristig geplante Eingriffe verschoben werden müssen.
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Der Marburger Bund hat die Tarifverhandlungen Mitte April für gescheitert erklärt. Jetzt gehen die Ärzte auf die Straße. (© Foto: Robert Haas)
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Um 8 Uhr früh soll der Streik beginnen, wenn die meisten Ärzte ihren täglichen Dienst antreten. Wie viele der 1700 angestellten Ärzte teilnehmen werden, kann Christoph Emminger, Landesvorsitzender des Marburger Bundes (MB), noch nicht sagen - er rechne jedoch mit einem "erheblichen Teil". Für 14 Uhr hat der MB, die Interessenvertretung der angestellten Ärzte, zu einer Demo und einer Kundgebung aufgerufen.
Der Zug startet am St.-Pauls-Platz und zieht dann über Hermann-Lingg-Straße, Bayerstraße, Schillerstraße, Schwanthalerstraße und Sonnenstraße zum Stachus, wo gegen 16 Uhr die Abschlusskundgebung geplant ist. Emminger sagt, er rechne mit "deutlich über 3000 Teilnehmern" aus ganz Deutschland. Angemeldet hat der Veranstalter jedoch nur 1500 Demonstranten.
Der Streik, der die ganze Woche dauern soll, ist das Ergebnis einer Urabstimmung, nachdem der Marburger Bund die Tarifverhandlungen Mitte April für gescheitert erklärt hat. Nach MB-Angaben haben 93 Prozent der Abstimmenden für den Streik votiert. In den Tarifverhandlungen hatte die VKA, die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, eine Gehaltserhöhung von 2,9 Prozent, verteilt über drei Jahre, angeboten.
Der MB hatte fünf Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr verlangt, zudem deutliche Verbesserungen bei der Bezahlung von Nacht- und Bereitschaftsdiensten.
Mit den bestreikten Kliniken haben die Ärzte Notdienst-Vereinbarungen getroffen, so dass höchstens die doppelte Personalstärke einer Wochenendbesetzung erreicht wird. Ausgenommen von diesen Notdiensten sollen Kinderabteilungen sowie Intensiv- und Wachstationen sein. Fachärzte sollen in ausreichender Anzahl Dienst tun.
Ob und in welchem Umfang für einbestellte Patienten neue Termine vereinbart werden müssen, ist nach Auskunft des Städtischen Klinikums München nicht genau abzusehen. Die medizinischen Fachabteilungen würden versuchen, die Patienten möglichst frühzeitig zu informieren.
Unabhängig davon fordert Bruno G. Wirnitzer, Personalgeschäftsführer am Städtischen Klinikum, den Marburger Bund auf, die Verhandlungen fortzusetzen: "Der Tarifkonflikt kann nur am Verhandlungstisch gelöst werden."
Das Angebot der Arbeitgeberseite mit einer linearen Entgeltsteigerung von 2,9 Prozent und einer merklichen Erhöhung der Nachtdienst- und Bereitsschaftsentgelte sollte in der finanziellen Situation der Krankenhäuser nicht gering geschätzt werden. Die Forderungen der Ärzte-Gewerkschaft von bis zu acht Prozent, so Wirnitzer, "passen nicht in die Zeit".
Dem hält MB-Chef Emminger entgegen, dass das Angebot der Arbeitgeber gerade mal eine Tarifsteigerung von unter einem Prozent pro Jahr bedeuten würden: "Deshalb wollen wir jetzt den Druck erhöhen." Eine Woche soll der Streik mindestens dauern. Eine Chance auf ein früheres Ende sieht Emminger nur für einen Fall: "Wenn von der Arbeitgeberseite ein wirklich konkretes Zeichen kommen würde."
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(SZ vom 15.05.2010/amm)
Die neueste Antwort
...wegen der Arbeitszeiten sage ich gleich was. Jedenfalls gab es in der tz online eine Tabelle wo u.a ein Facharzt im 7.Jahr mit einem Chemiker im 7.Berufsjahr verglichen wurde. Der Chemiker kommt im Schnitt auf knapp 4400 Euro im Monat und der Arzt auf 5600 Euro PLUS 1800 Euro Bereitschaftsdienst macht zusammen ca 7400 Euro. Ohhh zu wenig =/ Jetzt der WITZ: Eine Klinik wollte mal den Bereitschaftsdienst abschaffen und mehr Ärzte einstellen um das auf zu fangen. So hätten die Ärzte eben weniger arbeiten müssen aber eben auch auf die steuerlich sehr gut gestellten 1800 Euro verzichten müssen. Was ist passiert? Die Ärzte haben durchgesetzt das dieses Modell NICHT eingeführt wurde aus dem Grund weil das ja ihr Gehalt schmälern würde. WORUM geht es also den Ärzten? Arbeitszeit oder um das Gehalt????
Beim Verhältnis der offenen Stellen zur Gesamtzahl der Arbeitnehmer sind Ärzte an Krankenhäusern in einer ziemlich guten Position. Als Chemiker (wie ich) haben Sie als mobiler Arbeitnehmer wenig Probleme eine neue Stelle zu finden, aber von diesen Verhältnissen träumen Sie. Bei Ärzten gehts angesichts der Krankenhausdichte oft ohne Umzug, was Sie in Chemie bzw. Maschinen- und Anlagenbau vergessen können.
Die einzige Möglichkeit sich wirklich gegen unzumutbare Arbeitszeiten zu wehren ist leider die Kündigung. Habs einmal bereits durch und keine Hemmungen, das ein weiteres mal zu machen.
So wenig Verständnis ich für den Ärztestreik aufbringen kann, Ihre Vorschläge sind leider nicht realistisch. Auch in Deutschland gibt es entsprechende Schutzbestimmungen für Arbeitnehmer. Wenn der Arbeitgeber diese nicht einhält, was soll der Arbeitnehmer denn dann tun? Klagen? Was die einzige Möglichkeit ist, seinem Recht Geltung zu verschaffen? Bloß, wenn der Arbeitgeber mal verklagt ist, wie lange glauben Sie arbeitet der Arbeitnehmer dann noch auf der Stelle? Ein geschickter Personaler findet Kündigungsgründe - auch bei Ärzten.
wäre mal wieder über die Grenze zu schauen. In der Schweiz ist z.B. die mittlere Wochenarbeitszeit auf 45h gedeckelt. Mehr ist temporär möglich, aber 45h dürfen im Jahresmittel nicht überschritten werden.
Aber wo es Regelungen gibt, da gibt es Lücken. So kann z.B. die Dokumentation entfallen. Z.B. betrachtet mein Dax notierter Arbeitgeber Reisezeiten bei Baustelleneinsätzen grundsätzlich als Privatvergnügen. Denn wenn der AN versetzt wird, dann fallen bekanntlich diese Zeiten erst gar nicht an. Das spart diesem neben jeglichen Kosten erfreulicherweise potenzielle Verstöße gegen das Arbeitnehmerschutzgesetz. So kommen wöchentlich bis vierzehntäglich halt 8-14h Fahrzeit (je nach Entfernung) unbezahlt und ohne jede Fahrtkostenerstattung obendrauf. Und ja, auch diese Art von Überstunden ist mit dem Gehalt abgegolten. Steht im Arbeitsvertrag, wems nicht passt der darf diesen nicht unterschreiben oder kann gehen (O-Ton unseres Personalers).
Wobei es bei Medizinern einfacher sein sollte zumindest die Einhaltung von Arbeitnehmerschutzgesetzen durchzusetzen. Angeblich gibts an Krankenhäusern mehr offene Stellen als Ärzte - eine eigene Praxis ist lukrativer. Damit müsste der AN eigentlich am längeren Hebel sitzen.
sind mit dem Gehalt abgegolten. Steht in nahezu allen Tarifverträgen für Akademiker.
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