Von W. Görl

Zoff ums Politiker-Derblecken: Paulaner-Chef Steinfatt reagiert verärgert darauf, dass die Regisseurin und die Autoren des Nockherberg-Singspiels aussteigen.

Auf dem Nockherberg herrscht dicke Luft. Nach dem Singspiel-Autor Holger Paetz haben auch Co-Autor Uli Bauer und Regisseurin Eva Demmelhuber ihren Ausstieg erklärt. Zur Begründung wirft Bauer der Paulaner-Brauerei und dem Bayerischen Rundfunk vor, sie hätten "eine Art Zensur" ausgeübt. Brauerei-Chef Andreas Steinfatt weist den Zensurvorwurf zurück und beklagt seinerseits, dass sich das Künstlertrio an die Medien gewandt habe, statt die Probleme intern zu klären.

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Der Geschäftsführer der Paulaner Brauerei, Andreas Steinfatt - hier mit der Schauspielerin Eva-Maria Höfling als Claudia Roth bei einer Singspiel-Probe auf dem Nockherberg. (© Foto: dpa)

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"Man wird mürbe mit der Zeit", sagt Uli Bauer, der seit 15 Jahren auf dem Nockherberg als Autor und Christian-Ude-Double mitwirkt. Es habe auch früher Auseinandersetzungen - meist um einzelne Worte - gegeben, aber "in letzter Zeit haben immer mehr Leute mitgeredet".

Diese Leute sind die Verantwortlichen der Schörghuber-Gruppe respektive der Paulaner-Brauerei und des Bayerischen Rundfunks, denen die Autoren ihre Konzepte und Texte im Verlauf des Schaffensprozesses vorstellen.

Was Bauer in diesem Jahr "persönlich besonders gestunken" hat, waren die Diskussionen um seinen Song über das Treiben der Banker. Zur Musik "Ich brauche keine Millionen" heißt es zum Schluss: "Wir brauchen keine Millionen/und keine Peanuts zum Glück./Viel besser wär für unseren Profit/ein kleiner - Krieg."

Wie Paulaner-Chef Steinfatt bestätigt, wurden diese Zeilen von einem Teil des Gremiums als zu starker Tobak empfunden. Dagegen macht Bauer geltend, dass auch Michael Lerchenberg in der Bußpredigt hart mit den Bankmanagern ins Gericht gegangen sei. In einem Lied müsse man die Kritik nun mal zuspitzen und auf den Punkt bringen. "Wir waren von den Socken, als da große Bedenken kamen", sagt Bauer. Der Forderung, den Text zu ändern, wollte er nicht nachkommen. "Der Verzicht auf den Schluss hätte den Song zu sehr entschärft." Bauer zog das Lied deshalb komplett zurück.

"Aber das war nur ein Faktor." Uli Bauer hat generell das Gefühl, dass der Druck auf die Autoren zugenommen habe. "Man verlangt von uns die Quadratur des Kreises: Wir sollen böse sein, aber ja niemandem auf die Zehen treten."

Wie berichtet, hat auch Singspiel-Autor Paetz genervt, "dass so viele Leute mitquatschen". Aber allein deshalb ziehe er sich nicht zurück. Früher, zu Zeiten von Brauerei-Chef Wolfgang Salewski, habe es noch mehr Ärger gegeben, Paulaner sei nun mal "kein Mädchenpensionat".

Allerdings habe es ihn befremdet, dass man die Singspiel-Macher im vergangenen Jahr bis September hingehalten habe, ehe die Zusage kam, dass sie weitermachen können. Zudem sei ihnen vom BR die angeblich mäßige Einschaltquote zur Last gelegt worden. Dennoch begründet Paetz seinen Rückzug vor allem mit dem Wunsch, sich wieder mehr auf sein Solo-Kabarett zu konzentrieren. Eva Demmelhuber war für eine Stellungenahme am Montag nicht zu erreichen.

Paulaner-Chef Steinfatt hat kein Verständnis für das Verhalten der Abtrünnigen. "Es hat uns sehr überrascht, dass die drei, ohne zuvor mit uns zu sprechen, an die Öffentlichkeit gegangen sind." Paetz habe ihm nach dem Auftritt am Donnerstag zwar mitgeteilt, dass er aufhören wolle, sich aber bereit erklärt, darüber noch ein Gespräch zu führen. Demmelhuber habe ihr Ausscheiden per E-Mail mitgeteilt.

"Wir fanden den Schluss nicht passend"

Dass die Künstler ihren Rückzug vor einem klärenden Gespräch in den Medien bekanntgaben, hält Steinfatt für keinen guten Stil: "Wir waren bisher Partner, und so geht man mit Partnern nicht um." Ein Vorwurf, den Bauer zurückweist. Die Autoren seien nicht von sich aus an die Presse gegangen, sondern hätten nur auf Anfragen geantwortet.

Im Übrigen, sagt Steinfatt, könne von Zensur keine Rede sein. Es gebe in der Produktionsphase des Spektakels seit jeher diverse Vorbesprechungen. "Das ist ein offenes Gespräch. Wir haben dabei nicht wahrgenommen, dass so eine intensive Verärgerung besteht." Heftigere Kontroversen habe es nur über den Banker-Song gegeben. "Wir fanden den Schluss nicht passend." Als Veranstalter habe die Brauerei das Recht, sich um die Qualität der Beiträge zu kümmern. "Das macht jeder Theaterintendant."

Unterstützung erhält Steinfatt vom Bußprediger Michael Lerchenberg: "Ich finde das Wort Zensur in diesem Zusammenhang absurd." Es sei "ein normaler Vorgang" für Theaterleute, dass mit dem Veranstalter um Texte gerungen werde. Er selbst habe in puncto Salvatorprobe die Erfahrung gemacht, dass über manche Formulierung zwar debattiert, aber keine politische Richtung vorgegeben werde. Ähnlich sieht es der Kabarettist Django Asül, der 2007 als Derblecker auftrat. "Ich kann nichts Negatives über Paulaner sagen."

Seine Rede sei von den Verantwortlichen ohne Einwände abgenommen worden. Dass er trotzdem nicht weiter engagiert wurde, habe mit internen Querelen des Schörghuber-Konzerns zu tun gehabt. Was Paetz, Bauer und Demmelhuber betrifft, erinnert Asül an deren nur ein Jahr währendes Wirken in der Lach- und Schießgesellschaft: "Damals haben sich die drei auf ähnliche Weise verabschiedet. Das fällt auf."

Wer das Trio ersetzen wird, kann Steinfatt noch nicht sagen. "Aber es wird auch im nächsten Jahr ein Singspiel und eine Rede geben." Steinfatt möchte noch einmal mit den Aussteigern reden, doch deren Rückkehr hält er für unwahrscheinlich. "Die Partnerschaft ist extrem angekratzt. Das Thema ist eigentlich durch."

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(sueddeutsche.de/pfau/sonn)