Von cw/mai/sis/loe

Was hat die finanzielle Hilfe der SZ-Leser bewirkt, wie geht es den Menschen, von deren Schicksal der "Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung" im letzten Jahr berichtet hat?

Bevor der SZ-Adventskalender am Samstag nächster Woche seine 56. Hilfsaktion startet, noch ein Blick zurück: Vier von rund 5000 Menschen, denen der Adventskalender im Auftrag der SZ-Leser half, erzählen, was sich in ihrem Leben seit der Spende verändert hat.

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Ärger mit dem Vater der Kinder gibt es immer noch. Sogar noch dicker als vor einem Jahr, als der SZ-Adventskalender über das Schicksal von Angelika O. berichtet hat. Inzwischen kommen Anwaltsschreiben ins Haus, sollen die mittlerweile sieben und neun Jahre alten Kinder zum Umgang mit dem Vater gezwungen werden - wozu sie aber keine Lust haben.

Zu oft habe der Vater die beiden enttäuscht, erzählt Angelika O., Contergan-Opfer und alleinerziehende Mutter. Dennoch geht es ihr besser als im Vorjahr. Angelika O. führt das vor allem auf die Spenden von SZ-Lesern zurück, die ihr geholfen haben, ein großes Problem zu lösen. "So konnte ich uns ein gebrauchtes Auto für 1500 Euro kaufen", berichtet die 43-Jährige froh. Es hat ein Automatik-Getriebe, so dass Frau O. es trotz ihrer Behinderung steuern kann. Das Auto hat ihr das Leben mit der Behinderung erleichtert. "Seitdem habe ich viel weniger Rückenschmerzen, weil ich schwere Einkäufe nicht mehr herumschleppen, sondern nur noch ins Auto laden muss." Auch der weite Schulweg der Kinder ist jetzt kein Problem mehr.

Maria B. hat sich vom Adventskalender-Geld eine Matratze gekauft. Jetzt kann sie endlich wieder einigermaßen gut schlafen. "Wunderbar gegen die Rückenschmerzen, bei der alten kam schon die Füllung raus." Eine kleine Gefriertruhe für das Tiefkühl-Diätessen, das einmal pro Monat kommt, hat sich Frau B. auch noch geleistet.

Und einen neuen Teppichboden im Gang. Weil es für jemanden, der wie die 58-Jährige seine Wohnung kaum verlassen kann, wichtig ist, sich in den eigenen vier Wänden wenigstens wohl zu fühlen. "Freilich hat mir das Geld geholfen", sagt Maria B. Nur gegen die Schmerzen in der Hand können auch Euros nichts ausrichten. Nach einem Schlaganfall am 3. Dezember vor sieben Jahren kann Frau B. ihren linken Arm kaum gebrauchen, ist auch in ihrer Bewegung eingeschränkt.

Die Schmerzen machen ihr zu schaffen, aber auch die ständige Sorge ums Geld. Im Frühjahr muss sie das Grab der Eltern nachkaufen. "Das bereitet mir schlaflose Nächte" - trotz der neuen Matratze.

Es ist selten, dass Frau R.s Stimme lebhaft wird und ein Lächeln ihr Gesicht erhellt. Wenn sie an die Spende der SZ-Leser denkt, geschieht es. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", sagt sie, "ich habe ein Bett und zwei warme Daunendecken gekauft." Bisher hat sich die Sozialhilfeempfängerin den Schlafplatz mit ihrer 15-jährigen Tochter geteilt - oder ist nachts wegen ihres Hustens ins andere Zimmer auf eine Matratze am Boden gezogen.

"Und gleich nach Weihnachten bin ich in den Norden zu meinen zwei älteren Töchtern gefahren." Die Augen beginnen zu leuchten, wenn Frau R. an das einzige Enkelkind denkt, das sie fünf Jahre lang nicht gesehen hatte. Hose, Pulli und eine CD hat sie für das Mädchen in den Koffer gepackt: "Ich habe ihr so lange nichts schenken können." Solche Freuden bessern die Gemütsverfassung der 48-Jährigen, die seit mehreren Jahren an Panikzuständen, Depressionen und Asthma leidet. Bis heute hält sie sich vor ihrem gewalttätigen Ex-Ehemann versteckt.

Manchmal schafft sie es nicht, die Wohnung zu verlassen, immer lebt sie in Sorge um die jüngste Tochter, die sie am liebsten gar nicht loslassen möchte. Gestützt vom Sozialpsychiatrischen Dienst wagt Frau R. jetzt zaghafte Schritte in ein Leben mit weniger Angst.

"Ich habe mich riesig gefreut", sagt Margarete B., 82, die nach einer Beinamputation im Rollstuhl sitzt, über die Geldspenden der SZ-Leser. Die alte Frau, die wegen der Treppen am Hauseingang ihre Wohnung nicht ohne fremde Hilfe verlassen kann, schwärmt von den Biergarten-Ausflügen im längst vergangenen Sommer. Wegen ihrer kleinen Rente ging die frühere Verkäuferin putzen, so lange sie in der Lage dazu war. Sparsam teilt sie sich die Spende ein, "damit ich möglichst lang etwas davon habe". Sie hat sich eine lange Hose geleistet, ein T-Shirt, zwei Blusen und eine Sommerjacke; in den nächsten Tagen will sie sich "etwas für den Winter kaufen".

Und es war ihr ein großes Anliegen, sich bei den Menschen aus ihrer Nachbarschaft, die sie zu einem Spaziergang aus der Wohnung holen und ihr helfen, wenn sie etwas allein nicht schafft, zu bedanken: "Ich habe sie zum Essen eingeladen und Gulasch gekocht, mit genauso viel Fleisch wie Zwiebeln, wie es sich gehört." Dazu gab es selbst gemachte Semmelknödel. Margarete B. hat am Kochen große Freude. Sie selbst mag am liebsten Saubohnen: "Die esse ich so gerne.

Dazu gibt es Chicoree-Salat mit Äpfeln und Orangen. Das ist einfach wunderbar", freut sich die schwer behinderte Frau. "Es ist schon etwas Gutes, dieser Adventskalender. Fremde Menschen helfen einem einfach, ohne dass man darum betteln müsste."

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