Adventskalender für gute Werke SZ-Leser spenden fünf Millionen Euro für Menschen in Not

Das Schicksal der Witwe Anna E., die ihre Wohnung nach einem Schlaganfall kaum noch verlassen kann, bewegte viele SZ-Leser.

(Foto: Catherina Hess)

Die Bilanz der Aktion zeigt: Die Schicksale von armen, kranken und behinderten Menschen lassen niemanden kalt. Zum Beispiel das der Witwe Anna E., die ihre Wohnung kaum noch verlassen kann.

Von Sven Loerzer

Fast eine halbe Million Euro mehr als im Vorjahr haben die SZ-Leser bisher für den "Adventskalender für gute Werke" gespendet: Mehr als fünf Millionen Euro sind für arme, kranke und behinderte Menschen bei der 67. Hilfsaktion in München und der Region eingegangen.

"Ein unheimlicher Erfolg", freut sich Adventskalender-Geschäftsführerin Anita Niedermeier und dankt den Lesern dafür von ganzem Herzen: "Ich bin stolz, dass die SZ-Leser so ein außerordentlich großes Vertrauen in uns haben und die Arbeit ihres Adventskalenders so schätzen." Die gesamte Summe, genau 5 048 071,90 Euro, geht ohne jeglichen Abzug an Hilfsbedürftige, denn die Sach- und Verwaltungskosten trägt der Süddeutsche Verlag.

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Berührende Begegnungen

Ein neues Rekordergebnis meldete Wolfgang Schneider, Leiter des SZ-Servicezentrums in der Fürstenfelder Straße 7: Dort zahlten 2173 Spender insgesamt mehr als 520 000 Euro ein. Die Mitarbeiter, die dort auch das ganze Jahr über Einzahlungen für den Adventskalender entgegennehmen, berichten von berührenden Begegnungen mit Lesern. So registrierte eine Frau sehr genau, dass sich die Spendenaufrufe in München und der Region jede Adventswoche einem anderen Thema widmeten: Kranken und behinderten Kindern, armen Rentnern, jungen Flüchtlingen und Familien, denen das Arbeitseinkommen nicht zum Leben reicht.

Allen wollte die Leserin helfen, und deswegen kam sie in jeder Adventswoche und zahlte Geld ein, "weil es Freude macht". Viele Familien schauten vor ihrer weihnachtlichen Einkaufstour erst einmal für eine Spende im Servicezentrum vorbei, berichtet Anita Niedermeier, die sich dort einen Tag lang den Fragen von Lesern stellte. Sie bekam viel Wohlwollen zu hören. Ältere Leute ließen sich etwa von ihren erwachsenen Kindern begleiten, die dann die Spendentradition ihrer Eltern fortführen.

Anne-Sophie Mutter bringt das Publikum zum Jubeln

Auch das Ehepaar, das sich mit einer Spende für die Geburt eines gesunden Enkelkinds bedanken wollte, ist der Adventskalender-Geschäftsführerin gut in Erinnerung. Oder die Standlbesitzerin vom Christkindlmarkt, die ihren Beitrag zur Hilfe leistete, "weil das Geschäft so gut ging". Mit der gleichen Begründung zahlte ein Hausverwalter einen höheren Betrag ein. So unterschiedlich die Gründe auch sind, alle führen zu dem gemeinschaftlichen Ziel, anderen Menschen dabei zu helfen, schwierige Lebenssituationen zu überwinden. Manche legen schon monatlich einen bestimmten Betrag beiseite, andere finden gute Anlässe für eine Spende. Das Team einer Apotheke machte ihrem Chef zum Geburtstag eine Spende zum Geschenk.

Ein großes Präsent, das doppelt Freude macht, kam auch wieder vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Mit einem Benefizkonzert unter Leitung von Chefdirigent Mariss Jansons brachten die Violinistin Anne-Sophie Mutter und der Cellist Maximilian Hornung das Publikum im Herkulessaal zum Jubeln. Der Erlös in Höhe von rund 113 000 Euro ist für das Projekt "Musik für alle Kinder" bestimmt, das Musikunterricht für Kinder aus bedürftigen Familien finanziert.

Euphorie und Empathie

Anne-Sophie Mutter, Maximilian Hornung und die BR-Symphoniker unter Mariss Jansons bringen selbst das zurückhaltende Münchner Publikum zum Jubeln und spielen 120 000 Euro für den SZ-Adventskalender ein. Von Rita Argauer mehr ...

Sogar aus Berlin meldete sich ein Leser

Viel Anerkennung fand, dass sich der Adventskalender um alle Hilfsbedürftigen in München und der Region bemüht. Besonders bewegt hat die Leser das Schicksal der Witwe Anna E., 75, die nach einem Schlaganfall ihre Wohnung kaum mehr verlassen kann. Sogar aus Berlin meldete sich ein Leser, um der Frau, die von einer kleinen Rente leben muss, ihren sehnlichen Wunsch nach einem Stück Fleisch zu Weihnachten zu erfüllen.

Ein Leser aus Oberbayern hat angeboten, sie regelmäßig zu besuchen. Für Peter H., der auf Sozialhilfe angewiesen ist, bot eine Glaserei an, ihm kostenlos eine Katzentür für den zugelaufen Kater einzubauen. "Es ist einfach großartig, was die SZ-Leser bewegen", freut sich Adventskalender-Geschäftsführerin Niedermeier über die überwältigende Hilfsbereitschaft.

3000 Lebensmittelpakete verschickt das Hilfswerk jedes Jahr

Eine 85-jährige Leserin schrieb an Ilga T., eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die putzen geht und viel arbeitet, aber es trotzdem kaum schafft, die MVV-Monatskarten für zwei ihrer Söhne zu finanzieren, die quer durch die Stadt zur Realschule pendeln müssen. "Ich weiß, wie wichtig es ist, lernen zu wollen und gute Gelegenheiten dafür zu bekommen", schrieb die Leserin, die selbst zwei erwachsene Kinder hat. Sie legte ihrem Brief 300 Euro bei: "Mit dem beigefügten Betrag möchte ich Ihnen das MVV-Monatskartenproblem etwas leichter machen." Vielen Menschen konnte der SZ-Adventskalender bereits vor Weihnachten helfen. Etwa Ersatz beschaffen für einen schon länger defekten Kühlschrank oder eine völlig durchgelegene Matratze, um nur zwei Beispiele aus den vielen Hilfsanfragen zu nennen.

Menschen, die einsam sind und denen das Leben nichts geschenkt hat, freuen sich besonders über die Lebensmittelpakete. Etwa 3000 verschickt das Hilfswerk jedes Jahr. "Die Riesen-Kiste offenbarte, klug gewählt, viel Praktisches und auch Neues für mich", schrieb eine ältere Empfängerin: "Kleine Portionen verschiedenen Brotes, Kleinpackungen verschiedener Cornflakes-Sorten, Rinderfonds, längst Vergessenes wie Buchstaben-Nudeln und mir Unbekanntes wie leckere Apfelstückchen mit Schokoüberzug und auch den guten Eilles Kaffee. Einfach umwerfend, ein Fundus für Monate und tiefe Dankbarkeit. Nun leuchtet das Weihnachtsfest im Herzen."

Auch für eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern war das Paket eine willkommene Überraschung. "Einen Papa haben wir schon, aber der will von uns nichts mehr wissen und er unterstützt uns auch nicht", schrieb die älteste Tochter. "Deshalb der große Dank für die guten Sachen von uns vier." Den Lesern versprechen sie: "Wir werden Euch alle ins Nachtgebet einschließen."

So können Sie helfen

Hier können Sie sicher online spenden. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:

Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V.

Stadtsparkasse München

IBAN: DE86 7015 0000 0000 6007 00

BIC: SSKMDEMM

www.sz-adventskalender.de

www.facebook.com/szadventskalender

Jede Spende wird ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt. Alle Sach- und Verwaltungskosten, die entstehen, trägt der Süddeutsche Verlag.

Bareinzahlungen sind von Montag bis Donnerstag von 9.30 bis 18 Uhr sowie Freitag und Samstag von 9.30 bis 16 Uhr im SZ-Servicezentrum, Fürstenfelder Straße 7, möglich. SZ-Grafik