Gestorbener Alt-OB München nimmt Abschied vom Roten Schorsch

Im ersten Stock des Rathauses befindet sich die Gedenknische für Alt-OB Georg Kronawitter, der am 28. April im Alter von 88 Jahren gestorben ist.

(Foto: Catherina Hess)

Trauer um Georg Kronawitter: Freunde, ehemalige Mitarbeiter und Weggefährten des langjährigen Oberbürgermeisters tragen sich in das Kondolenzbuch im Rathaus ein.

Von Thomas Anlauf

Das Rathaus, ein Ort der Stille. Das schwarze Eisentor am Eingang am Marienplatz ist geschlossen. Nur ein Zettel weist darauf hin, dass Besucher an diesem Wochenende dennoch Zutritt haben, wenn sie ein bestimmtes Anliegen haben. "Kondolenzbuch 1. Stock" steht darauf und ein Pfeil weist zu den weiten Treppen, wo ein freundlicher Ordner steht und den Besucher nach oben winkt.

Vor der Gedenknische im ersten Stock lenkt eine Kordel den Besucher in die richtige Position, so nähert man sich von vorne dem Schwarz-Weiß-Foto von Georg Kronawitter. Prächtige Blumen stehen links und rechts des schwarzen Kondolenzbuchs. Darin tragen sich seit Tagen Freunde, ehemalige Mitarbeiter und Weggefährten des langjährigen Münchner Oberbürgermeisters ein, der am 28. April im Alter von 88 Jahren gestorben ist.

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"Vielen Dank für Ihr Lebenswerk"

Es sind sehr persönliche Abschiedsworte, die die Trauernden finden. Sie danken dem "großen Münchner", der sich viele Jahre "für die kleinen Leute" eingesetzt hat. Oft beginnen die Zeilen mit "Lieber Schorsch". Georg Kronawitter war einer aus dem Volk, das ist zwischen den Zeilen in dem schlicht gehaltenen Kondolenzbuch zu lesen. "Lieber Schorsch, ein Geschenk für die Stadt München, Dich als Oberbürgermeister gehabt zu haben", schrieb am Samstag einer, der dem SPD-Politiker offenbar besonders nah gestanden war. Die "persönlichen und intensiven Gespräche mit Dir bleiben mir stets in Erinnerung".

Andere verabschieden sich mit großem Respekt vor Georg Kronawitter, der von 1972 bis 1978 und von 1984 bis 1993 an der Spitze der Stadt stand und sie prägte. "Vielen Dank für Ihr Lebenswerk!", schrieb eine Münchnerin. "Auf Wiedersehen im Himmel." Man mag sich gerne den Altoberbürgermeister wie den Dienstmann Alois Hingerl als "Münchner im Himmel" vorstellen, wie er auf der Wolke sitzt und auf die Landeshauptstadt hinabblickt.

Viele Einträge scheinen der Schrift nach zu schließen von älteren Münchnern zu stammen. Eine etwa 70-jährige Dame in geblümter Bluse steht gerade vor dem Kondolenzbuch und blättert vorsichtig darin. Es sind nicht allzu viele Seiten darin, denn die beschriebenen Seiten werden regelmäßig aus der schwarzen Kladde entfernt und gesammelt.

Erinnerungen an ein "unbandiges München"

So ist auch nicht mehr zu sehen, was Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und seine zwei Stellvertreter Josef Schmid (CSU) und Christine Strobl (SPD) am vergangenen Mittwoch als Abschiedsworte hinterlassen haben. An Kronawitters Witwe Hildegard schrieb Reiter, die Landeshauptstadt werde Georg Kronawitter "stets ein ehrendes Andenken bewahren und sich seiner immer in großer Dankbarkeit erinnern". Die gesammelten Grußworte werden schließlich an die Witwe Hildegard Kronawitter überreicht. Allerdings nicht alle.

Vor ein paar Tagen stand ein Mann an der Treppe und überlegte offenbar lange, ob er sich in das Kondolenzbuch eintragen soll. Schließlich schritt er zum Buch und schrieb etwas hinein. "Normalerweise lese ich ja nicht, was die Leute schreiben", sagt ein Mann vom Sicherheitsdienst, der immer in der Nähe des Buches ist. Aber dieser Herr sei ihm merkwürdig vorgekommen, deshalb habe er nachgesehen. Und tatsächlich sei der Text des unbekannten Mannes eine üble Nachrede auf den ehemaligen Oberbürgermeister gewesen. Die entsprechende Seite wurde wenig später aus dem Buch entfernt.

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Noch bis Dienstag haben die Münchner Gelegenheit, sich im Kondolenzbuch im ersten Stock des Rathauses einzutragen. Dann werden aber auch zusätzlich im Alten Peter Kondolenzbücher ausliegen, wo von 10.30 Uhr an der Trauergottesdienst für Georg Kronawitter stattfinden wird. Man kann sicher sein, dass Trauernde auch dort sehr persönliche Abschiedsworte in das Buch notieren, wie eine Frau, die am Samstag schrieb: "Danke für die Erinnerungen an ein ,unbandiges München'. Servus."