Abgeschlossene Luxus-Wohnsiedlungen Reiche hinter Gittern

Wenn Wohlhabende sich abschotten: Die Häuser stehen akkurat nebeneinander, die Blumen gießt der Concierge - und ein abgeschlossenes Tor schützt vor Fremden. Hermetisch abgeschlossene Viertel, sogenannte Gated Communities, gibt es nicht nur in China, Russland und Ägypten. Sondern auch in München.

Von Melanie Staudinger

Die weißen Häuser am Ende der Winzererstraße sind unübersehbar. Sie sind nicht nur neuer als die anderen Gebäude, die eher an Plattenbauten im Osten erinnern. Sie stehen auch alleine am Ende der Straße, direkt neben dem Olympiapark und einer Kleingartensiedlung. Richtig gefährlich sieht es hier in der Gegend nicht aus.

An diesem Tor in der Winzererstraße ist Schluss - zu den Häusern kommt nur, wer hier wohnt oder jemanden besuchen darf.

(Foto: Florian Peljak)

Und doch sind diese weißen Häuser, in deren Mitte zwei Brunnen einen großzügigen Platz schmücken, eingezäunt. Auf einer Seite werden sie sogar von einer knapp zweieinhalb Meter hohen Mauer geschützt, die nur unterbrochen ist für die Feuerwehrzufahrt. Tilman Harlander kennt sich mit abgeschirmten Siedlungen aus. "Da kommen Sie nicht rein", sagt der emeritierte Professor für Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart.

Damit hat er recht. Durch das Tor am Eingang gelangt nur, wer drinnen jemanden kennt. An diesem Vormittag ist nicht viel los. Aus der Wohnanlage hetzt eine Frau mit Kinderwagen. Zeit für ein Gespräch hat sie nicht. Über die Gründe, warum sie lieber von der Umwelt abgeschottet lebt, will sie erst recht nicht reden.

Richtig hermetisch abgeschlossene Viertel, in der Fachsprache Gated Communitys genannt, gibt es in Deutschland kaum. Bekannt ist der Barbarossapark in Aachen. Schlagzeilen haben auch die abgeriegelten Wohnanlagen in Potsdam, Berlin, Münster und Leipzig gemacht.

Harlander hat sich viele solcher Viertel angeschaut - in den USA, in Brasilien, Südafrika, Russland, Ägypten, China oder Polen. Alleine in Warschau seien seit der Wende gut 400 Gated Communitys entstanden, sagt er. In seinen Studien hat er herausgefunden, dass Menschen dort entweder leben, weil sie sich sicherer fühlen, oder weil sie zeigen wollen, dass sie Geld haben, viel Geld.

Nun gibt es auch in München reiche Menschen, Gated Communitys aber liegen nicht im Trend. Schon gleich gar nicht im Umland. "Menschen, die gute Immobilien in Starnberg oder Feldafing kaufen, haben Geld und Anspruch. Sie wollen sich aber nicht abschotten", sagt der Makler Andreas Botas. In Starnberg lebe der Vorstandsvorsitzende neben dem Fischer. "Da gibt es eine gesunde Struktur", sagt Botas.

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