Von Beate Wild

... und ich sag dir, wer du bist. Schickimickis, Grantler, Flirter, Entertainer, Müßiggänger: So unterschiedlich in München die Biergärten sind, so verschieden sind die Besucher.

Biergarten MünchenBild vergrößern

Diese drei Grazien sitzen im Seehaus. Ob sie neu in der Stadt sind oder vielleicht gerne ins P1 gehen, ist nicht überliefert. Foto: Stephan Rumpf

Biergarten ist nicht gleich Biergarten. Und Biergartenbesucher ist erst recht nicht Biergartenbesucher. Die kleinen, aber feinen Unterschiede kennen nur die Einheimischen. Für Auswärtige ist ein Biergarten eben nur ein Wirtsgarten mit Bierbänken, wo man sich sein Bier und sein Essen im Self-Service zu überteuerten Preisen holt und sich dann mit wildfremden Menschen an einem Tisch zusammenquetscht und sich ständig zuprostet. Ach ja, und gemütlich soll so etwas auch noch sein.

Dass sich Biergartenbesuche aber grundlegend voneinander unterscheiden, davon können die Münchner ein Lied singen. Das fängt schon mit der Wahl des Biergartens an. Nehmen wir beispielsweise das Seehaus. Kein Alteingesessener würde dort sein Bier einnehmen, außer er ist unter 25 Jahre alt und regelmäßiger P1-Besucher. In der Regel trifft man dort nur Touristen oder München-Frischlinge. Das Publikum dort kommt nicht wegen des Biers und der Brotzeit, sondern wegen des Sehens und Gesehenwerdens. "Poser" bezeichnen die Münchner diese Gattung Gäste auf Neudeutsch.

Blasmusik = unbändiger Bierdurst

Ganz anders ist dagegen der nicht weit entfernte Chinesische Turm. Dort tummeln sich die Einheimischen genauso wie die Touristen. Zünftig wirkt es dort schon alleine wegen der bayerischen Blasmusik, die dort abends und am Wochenende vom Turm aus zum Besten gegeben wird. Diese Live-Musik lockt vermutlich die ganzen Original-Münchner zum "China-Turm". Denn ein echter Bayer ist auf Blasmusik sozusagen konditioniert. Hört er solche Musik, bekommt er sofort einen unbändigen Bierdurst.

Die Münchner, die im China-Turm verkehren, sind allerdings nicht zwangsläufig streng traditionsbewusst. Man sieht viele Studenten und junge Leute, die sich schon den ganzen Tag im Englischen Garten dem Müßiggang (etwa sonnen, auf Bongos trommeln oder im Eisbach baden) hingegeben haben.

Einen völlig anderen Schwerpunkt setzt dagegen die Hirschau im Nordteil des Englischen Gartens. Mit Jazz-Musik lockt man hier die Gäste. Man setzt sich also bewusst vom dem bierdümpfeligen Bayerischen ab und macht eher auf intellektuell. Das Publikum: Familien, die nach einem Ausflug mit den Kindern in Ruhe einkehren wollen und ältere Jazz-Liebhaber. Die Stimmung: Fad, aber wenigstens ist der Steckerlfisch lecker.

Schickimicki oder Grill-Abtrünniger?

Und so hat jeder Biergarten in dieser Stadt sein mehr oder weniger typisches Publikum. Der Hofbräukeller am Wiener Platz zieht die Singles und Szene-Orientierten an, der Flaucher die Sonnenanbeter und Grill-Abtrünnigen, die Menterschwaige die Grünwalder und Schickimickis, der Hirschgarten die Traditionsbewussten und Ökos sowie der Aumeister die Naturliebhaber und Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, der in unmittelbarer Nähe seine Studios hat.

Aber egal, in welchen Biergarten man geht, die meisten der Besucher scheinen noch etwas anderes zu suchen.

Lesen Sie auf Seite 2, welchen Grund die Münchner noch für einen Biergartenbesuch haben.

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In diesem Artikel:

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