Die Stadt schreibt das alte Flughafengelände in Riem europaweit aus - der Preis beträgt 12,5 Millionen Euro.
Soll verkauft werden: der Tower in Riem. Foto: Payer/SZ
Der Meistbietende erhält den Zuschlag. Der Tower, gleichzeitig denkmalgeschütztes Relikt des alten Riemer Flughafens und Wahrzeichen für die neue, moderne Messestadt, wird nun europaweit ausgeschrieben. Mindestgebot für den Turm und die insgesamt 13566 Quadratmeter große Fläche: 12,5 Millionen Euro.
Dies beschloss der Kommunalausschuss des Stadtrates einstimmig und ohne weitere Diskussion - in der Hoffnung, dass für die Messestadt ein angemessenes "Entree" von der Autobahn her gebaut wird.
Bereits 1995 und 2006 hatte die Stadt den Turm auf den Markt bringen wollen, beide Male aber ohne Erfolg. Beim ersten Versuch setzten die Stadtplaner noch auf kulturelle Nutzung, doch Wolfgang Nöth etwa, der Erfinder der Schaumpartys auf dem früheren Flughafengelände, hatte längst andere Objekte im Auge. Bei der zweiten Ausschreibung wurde dies im Bebauungsplan berücksichtigt. Er ließ nun auch Gewerbe auf dem Grundstück zu. Die Stadt forderte damals potentielle Investoren auf, auch ein Nutzungskonzept vorzulegen. Doch der Verkauf des Geländes scheiterte erneut.
Das führte im Kommunalreferat zu der Erkenntnis, dass Investoren die finanzielle Vorleistung für ein ausführliches Konzept nicht akzeptieren, wenn ihnen keiner garantiert, dass sie später den Zuschlag erhalten. Daher soll es nun in der ersten Phase nur um das Höchstgebot gehen.
Keine Bordelle
Es seien zwar im Jahr 2007 noch zwei Angebote inklusive Nutzungskonzept gekommen, doch sowohl Konzepte als auch die gebotenen Summen differierten so stark, dass die beiden Offerten überhaupt nicht vergleichbar wären und damit eine Entscheidung für die Vergabe nur sehr schwer "transparent dargestellt" hätte werden können, wie es im Kommunalreferat heißt. Mittlerweile gibt die neue Rechtslage europaweite Ausschreibungen zwingend vor. Doch der Haushalt für das Gesamtprojekt Messestadt Riem steckt in den roten Zahlen: "Höhere Einnahmen sind deshalb durchaus wünschenswert", unterstreicht das Kommunalreferat.
Möglich ist nun fast alles: Büros und Verwaltung, Kirche und Kultur, Soziales und Gesundheit, Sport und Vergnügungsstätte oder ein Hotel. Lediglich bordellartige Betriebe, Spiel- und Wettstätten oder religiöse Sekten sind von dem Projekt ausgeschlossen. Wer den Zuschlag erhält, muss binnen drei Jahren bauen.
Doch auch mit dem Verzicht auf ein Nutzungskonzept verliert die Stadt nicht allen Einfluss. Der Käufer muss einen Wettbewerb ausschreiben mit mindestens 25 Architektenbüros, die zum Teil von der Stadt ausgesucht werden. Diese sollen etwas entwerfen, das "zum innovativen Charakter des gegenüberliegenden Gewerbegebiets passt und eine Verbindung zur Messe schafft".
Es soll repräsentativ wirken, ohne mit den Bauten am Willy-Brandt-Platz zu konkurrieren. Der historische, achtgeschossige Tower darf nicht in den Neubauten aufgehen, er muss bei einem Anbau in ganzer Höhe "sichtbar und erlebbar" sein. Bleibt er frei stehen, stellt sich für den Bauherrn das Problem des zweiten Fluchtwegs.
(SZ vom 17.02.2009/sonn)
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