Die Geschichte mit den Kunstschätzen kam bereits 1997 ins Rollen: Damals initiierte P. eine große präkolumbische Ausstellung in Spanien. Unter dem Titel "La cultura en el tiempo América prehispánica" (Die Kultur des prähispanischen Amerika) präsentierte er in Santiago de Compostela die Stücke aus seiner Sammlung. Unter den Besuchern der Ausstellung befand sich beispielsweise auch Rigoberta Menchú, Friedensnobelpreisträgerin und guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin.
Die Regierung von Peru freilich protestierte damals schon heftig und erklärte, in der Ausstellung befänden sich Kunstgegenstände, die illegal aus dem Land geschafft worden seien. Laut der mittelamerikanischen Zeitung Prensa Libre folgte ein richterlicher Erlass, dass die Stücke in Spanien eingelagert werden sollten, bis geklärt sei, wem sie gehören.
Aber nichts geschah. Als nach zehn Jahren noch immer keine klaren Besitzverhältnisse auszumachen waren, sah sich nun Spanien, gemäß der eigenen Gesetze, als rechtmäßiger Besitzer an. Mittlerweile aber forderte auch Guatemala über seine Botschaft in Spanien die Herausgabe der Stücke.
Kunstschätze in der Lagerhalle
Doch das Lager in Santiago de Compostela war plötzlich leer: Wie die Arbeiter dort erklärten, hatten P.s Leute 300.000 Euro bezahlt und die in Kisten verpackten Schätze abgeholt. Interpol und der Zoll wurden verständigt - und das Bundeskriminalamt in Wiesbaden eingeschaltet.
Außerdem lief ein Rechtshilfeersuchen aus Costa Rica ein, mit der Bitte um Fahndung nach der präkolumbischen Kunstsammlung. Die Bayern ermittelten - sie stießen auf den Sammler P. und schließlich in einer Münchner Lagerhalle auf die wertvolle Fracht.
Die Staatsanwaltschaft München I ordnete nun in der letzten Woche die Beschlagnahme der Kunstgegenstände nach den Bestimmungen des Internationalen Rechtshilfegesetzes bis zur Klärung der Sachlage an. Bislang sei unklar, wie die Sammlung in ihrer jetzigen Form zustande gekommen sei und ob Gegenstände gestohlen oder geraubt wurden. Zudem bleibt noch zu klären, ob der Transport der Schätze von Spanien nach Deutschland rechtens war.
Laut der Zeitung La Nación beschäftigte P. die Polizei immer wieder in verschiedenen Ländern. In Zürich, Boston und Dallas soll es Ermittlungen gegen ihn gegeben haben wegen Betrugs, illegalem Handel mit archäologischen Funden und der Einfuhr artengeschützter Tiere.
Auch die Polizei in London, New York, Lima und Mexiko-Stadt soll ihn kennen. In Costa Rica firmiert P. unter einem weniger schmeichelhaften Zunamen: Dort nennt man den Mann "den Dieb der Schätze".
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