Von Rebecca Brielbeck und Philipp Crone

Hohe Erwartungen und Buhrufe: Auf den Wahlpartys in der "Registratur" und im Amerikahaus fieberten die Münchner gemeinsam dem neuen US-Präsidenten entgegen.

Auf der Wahlparty in der Registratur wimmelt es nur so vor Obama-T-Shirts und "Yes we can" - Buttons. (Foto: Rebecca Brielbeck)

Es ist kurz vor Mitternacht. Vor dem Club "Die Registratur" hat sich eine lange Schlange gebildet. "Ihr könnt Euch zwar anstellen, aber versprechen kann ich nichts", sagt der Türsteher zu einer Gruppe junger Leute. Die Menschenmassen, die an diesem Dienstagabend auf Einlass warten, wollen miterleben, wie der "Kampf um die Weltherrschaft", wie einer der Besucher die US-Wahl bezeichnet, entschieden wird: Barack Obama vs. John McCain. Wenn die Münchner schon nicht mitwählen dürfen, dann wollen sie wenigstens mitfeiern.

Da kommt es den Feierwilligen gerade recht, dass David Walker, der Chef der Registratur, Amerikaner ist und die Idee zu einer Wahlparty hatte. Dass die Münchner so zahlreich erscheinen würden, hatte er aber trotzdem nicht erwartet. Im Club ist es rappelvoll. Die Gäste scharen sich um die riesige Leinwand, als wäre Fußball-WM und Deutschland stünde im Finale. Stattdessen läuft der amerikanische Nachrichtensender CNN.

"Natürlich bin ich Obama-Fan!"

Sobald von dem republikanischen Kandidaten die Rede ist, werden "Buh"-Rufe laut. Hier gibt es keinen einzigen McCain-Anhänger. Wenn doch, hält er sich zumindest gut versteckt. Wahrscheinlich besser so, denn es wimmelt nur so vor Obama-T-Shirts und "Yes we can" - Buttons. "Natürlich bin ich Obama-Fan", sagt eine junge Frau strahlend, die sich, während sie mit ihren Freundinnen auf die erste Hochrechnung wartet, mit amerikanischen Köstlichkeiten wie Hot Dogs und Popcorn die Zeit vertreibt.

Dann flimmert endlich das Ergebnis über die Leinwand. Jubel brandet auf, als feststeht, dass Obama gewonnen hat. Die Menschen umarmen sich, schreien, singen. Einige haben Tränen in den Augen. Man könnte fast meinen, Deutschland wäre gerade Weltmeister geworden.

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Hans Jung will es diesmal wissen. Der 72-jährige Amerikaner feiert gleich zwei Premieren. Er hat in diesem Jahr zum ersten Mal in seinem Leben gewählt - "natürlich Barack Obama" - und ist an diesem Abend auf seiner ersten Wahlparty. Auch in München hat das Duell zwischen John McCain und Obama neue Wähler mobilisiert.

Noch etwas planlos steht der große schlanke Mann im Foyer des Amerikahauses. Blaues Sakko, kariertes Hemd, Bluejeans - der grauhaarige Physiker mit dem leicht verschmitzten Gesichtsausdruck beobachtet hinter seiner Brille die Szene. Die jungen Leute sind zumeist lässig gekleidet, die Amerikaner gemütlich und die Münchner Gäste schick. Am Eingang gibt es zwei Wahlurnen für die Gäste des Abends. Der Physiker Jung geht los und wählt gleich noch einmal. Das Ergebnis wird gegen Mitternacht bekannt gebgeben.

Im Akkord wird Bier in Plastikbecher abgefüllt.

Zu Beginn der Wahlparty entsteht erst einmal ein fürchterliches Chaos. Mehr als tausend Menschen drängen in das Foyer, niemand scheint zu wissen, dass die diversen Nebenräume und Säle auch geöffnet sind. Die haben allerdings kein Buffet, das ist im mit Flaggen und Girlanden tapezierten Foyer an den Seiten aufgebaut und kaum zu erreichen. Im Akkord wird Bier in Plastikbecher abgefüllt, die Hotdog-Schlange hat kein Ende, und wer sich eingedeckt hat, braucht die volle Aufmerksamkeit, um sich nicht durch Ellbogenchecks der Nachbarn selbst mit Whiskey oder Senf zu besudeln.

Fast alle tragen Anstecker mit Obama- oder McCain-Aufdruck. Und dass die Bigband im ersten Stock so laut spielt, ist zunächst nicht schlimm, denn die meisten Gäste wollen sowieso erst einmal speisen. In einem Raum wird noch American Football gezeigt, der 80-jährige Frederik Kort schaut entspannt zu. Er nennt das Durcheinander "relaxed".

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