Von Susi Wimmer

Jugendliche Punks verschanzen sich im Trambahndepot und werfen mit Pflastersteinen. Gegen die drei Hausbesetzer treten 60 Polizisten an. Wegen versuchter Tötung droht den Jugendlichen nun U-Haft.

Drei jugendliche Hausbesetzer haben am Donnerstagabend bei der Räumung eines Hauses in der Westendstraße drei Polizeibeamte verletzt. Nach Angaben der Polizei wurden die eingesetzten Beamten im Treppenhaus von oben herab mit großen Pflastersteinen beworfen; Barrikaden aus Sperrmüll waren mit Benzin getränkt, eine Fackel lag griffbereit. Die drei, ein junger Mann und ein Mädchen im Alter von 17 Jahren und ein 19-Jähriger sitzen nun wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft.

Die Geschichte begann relativ harmlos: Am Mittwoch war eine Polizeistreife wegen eines versuchten Einbruchs in der Westendstraße unterwegs. Dort befindet sich auf Hausnummer 192 bis 198 unter anderem das ehemalige Trambahndepot. Die öffentlichen Gebäude stehen leer und sollen abgerissen werden.

Ein Haus allerdings fiel auf: Die Beamten bemerkten, dass ein Gebäudetrakt von den übrigen Häusern durch eine Barrikade und jede Menge Müll abgetrennt worden war. Es stank nach Benzin. Und vor dem Haus streiften zwei Jugendliche herum, die man dem Aussehen nach der Punkerszene zuordnete. Beim Anblick der Polizei verschwanden sie sofort.

Molotowcocktails und selbst gebaute "Kartoffelkanonen"

Die Stadt München, Eigentümerin des Anwesens, wurde eingeschaltet, und die stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs. „Man wollte verhindern, dass sich eine Hausbesetzerszene etabliert”, sagt Polizeisprecher Peter Reichl. Für Donnerstag, 18 Uhr, war die Räumung terminiert. Da nicht bekannt war, wie viele Personen sich in dem Haus aufhielten, rückten gleich 60 Polizisten an.

Offenbar hatten die Hausbesetzer bereits am Mittwoch bemerkt, dass die Polizei sie im Visier hatte. Entsprechend waren sie gerüstet: Im Außenbereich lagen drei Molotowcocktails und zwei selbst gebaute „Kartoffelkanonen” bereit. Die aus Plastikrohren gefertigten Waffen werden mit einem Gas-Gemisch befüllt und schließlich durch einen Funken entzündet. Durch die Explosion wird die Kartoffel „bis zu 100 Meter weit geschleudert”, sagt Reichl.

Beim Eintreffen der Beamten stand ein vermummter Jugendlicher auf einer Mauer und bewarf die Polizeikräfte mit Steinen. Dann verschwand er im Haus. Zunächst bahnten sich die Beamten des Unterstützungskommandos den Weg über Benzin getränkten Unrat bis vor zum Treppenhaus. Dort hatten die Jugendlichen sämtliche Türen des Hauses ausgehängt und auf die Stufen gelegt.

Zusätzlich hagelte es ein Bombardement aus Pflastersteinen. „Große Steine”, sagt Reichl, „mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern. Die können tödlich sein”. Im Dachgeschoss schließlich ließen sich die beiden jungen Männer und das Mädchen widerstandslos festnehmen. Die junge Frau wohnt bei ihrer Oma, einer der beiden jungen Männer ist wohnsitzlos.

Nach Angaben der Polizei erlitt ein Beamter durch einen Pflasterstein eine Wirbelsäulenprellung, einer zog sich Schnittverletzungen beim Übersteigen der Barrikaden zu und ein dritter wurde durch umherfliegende Glassplitter am Auge verletzt. Wie Reichl sagt, wurde der Einsatz gefilmt, „und wir waren ob des Gewaltausmaßes entsetzt”. Die Polizei befragt nun die Nachbarn, wer sich in dem Anwesen noch aufgehalten hat. Laut Polizei dürften es bis zu 20 Personen aus der Punker-Szene gewesen sein.

(SZ vom 30.6.2007)