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Von Anna-Lena Roth

"Meine Eltern würden die Wahrheit nicht überleben": 700 Männer arbeiten in München als Prostituierte. Je jünger die Stricher, desto besser läuft das Geschäft.

Prostitution auf der Straße findet in München kaum noch statt. Das Internet ist zum Sex-Marktplatz geworden. Grossbild

Prostitution auf der Straße findet in München kaum noch statt. Das Internet ist zum Sex-Marktplatz geworden. (Foto: Rumpf)

Mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzt René (Name von der Redaktion geändert) auf dem dunklen Barhocker, sein rechter Fuß wippt hektisch auf und ab, der linke Zeigefinger trommelt auf den Holztresen, sein Blick huscht unstet durch die verqualmte Kneipe.

Ältere Herren werfen langsam eine Münze nach der anderen in blinkende Spielautomaten, an den wenigen Tischen sitzen alte und junge Männer paarweise beisammen, würfeln, trinken, schweigen. Im Hintergrund laufen Disco Klassiker der Weather Girls und Ricky Martin.

René kommt häufig in diese Kneipe im Münchner Glockenbachviertel, mit seinen 33 Jahren ist er an diesem Abend einer der Jüngsten im Raum. Mit der engen Jeans, dem figurbetonten, weiß-glitzernden T-Shirt und den braungebrannten, glattrasierten Wangen wirkt er eher wie 20. Das ist gut für seinen Job, denn eigentlich, so sagt er, sei er mit 33 schon viel zu alt für den Strich.

Natürlich hatte ich Angst


Damals, vor zehn Jahren, hat sich René zum ersten Mal mit einem Freier getroffen. "Natürlich hatte ich Angst", sagt er heute über jene Nacht. "Aber das schnelle Geld hat überzeugt." Den Tipp hatte er von einem Freund aus seiner Heimatstadt im Osten von Tschechien. Ein hübscher Junge wie er könne bestimmt viel Geld machen, hatte der Freund gesagt. René ist gelernter Hotelfachmann, aber weder mit diesem Beruf noch mit seinem Kellnerjob in Prag würde er annähernd so viel verdienen wie auf Münchens Straßen.

Wolfgang Zeilnhofer-RathGrossbild

Wolfgang Zeilnhofer-Rath arbeitet für "Marikas", die Beratungsstelle für anschaffende Männer in München. (Foto: Rumpf)

"In guten Wochen krieg' ich 1000 Euro zusammen", sagt René nicht ohne Stolz. Doch die guten Wochen würden immer seltener, manchmal muss er sich mit 400 Euro begnügen. Als er noch jünger war, lief es besser. Da kam er mit bis zu zehn Freiern pro Woche ins Geschäft. Mittlerweile ist es oft nur noch die Hälfte. "Mein Zug ist abgefahren", sagt er leise.

Die meisten seiner Freier lernt René über das Internet kennen, auf gayromeo.com beispielsweise hat er eine eigene Profilseite mit Fotos erstellt. Aber auch in der dunklen Kneipe im Glockenbachviertel trifft er auf Männer, die für Sex mit ihm bezahlen. Ein Bordell für Männer gibt es in München nicht, und rechtlich gesehen dürften die Stricher auch nur außerhalb des Sperrbezirks - er umfasst die gesamte Innenstadt und die Wohngebiete - ihrer Arbeit nachgehen.

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Leserkommentare (4)



27.08.2009 11:39:30

isarflash: Bin auch erstaunt...

Ein ernsthafter Beitrag im münchen extra, wo es sonst überwiegend um Partyberichte, Clubs und Bars geht?

Selten, aber gerne gelesen.


1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet





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