Von Birgit Lutz-Temsch

Am Wochenende haben Randalierer im Münchner Olympiadorf mehrere Bungalows in Brand gesetzt - zwei Tage danach hat der Schock bei Studenten und Verwaltung nicht nachgelassen. Die Polizei hat eine Belohnung ausgesetzt, das Studentenwerk Strafanzeige gestellt.

 
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Meterhohe Flammen, umherfliegende Scherben, volltrunkene Menschen auf den Dächern - dieses Bild bot sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Studentenwohnheim im Münchner Olympiadorf. Das Dorf, 1972 für die Athleten der Olympischen Spiele gebaut, ist eigentlich ein "Ort des Friedens", so Anke van Kempen, Sprecherin des Münchner Studentenwerks. "Dass ausgerechnet an so einem Ort eine solche Sache passiert, das schockiert uns hier alle schwer."

Am Samstag hatten Studenten im Wohnheim gefeiert - und die Party unter das Motto: "Abriss-Party" gestellt. Diese Bezeichnung hat offenbar Gäste angezogen, die sich selbst wie Abrissbirnen verhielten. Die Polizei mutmaßt, dass sich die Randalierer gezielt verabredet hätten, und durch Rundrufe über Mobiltelefone immer neue Gewaltbereite hinzukamen. Nur so sei zu erklären, wie es zu dem Aufmarsch von Hunderten Randalierern kam.

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Bilder von der Abbruchparty Randale im Olympiadorf Rahmen
Olympischen Dorf in München Olympischen Dorf in München Olympischen Dorf in München Olympischen Dorf in München
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Das Olympiadorf soll zwar abgerissen werden. Schaden ist dennoch entstanden, finanziell ebenso wie immateriell. Dieter Maßberg, seit Jahren zuständig für den Bau der Münchner Studentenwohnheime und beim Bau des Olympiadorfs 1972 mit dabei, fasst zusammen: "Wir hängen alle an dem Olympiadorf. Die Entscheidung, diese Siedlung überhaupt abzureißen, haben wir uns extrem schwer gemacht. Aber gemessen an heutigen Bauvorschriften bleibt keine andere Möglichkeit, das haben uns mehrere Baufachleute bestätigt."

Wenn man durch das Dorf gehe, herrsche darin eine Atmosphäre des Friedens, fügt van Kempen hinzu. "Die Balkone sind bepflanzt, die Wände bemalt, es herrscht ein besonderer Geist dort." Um den zu erhalten, macht sich das Studentenwerk sogar Gedanken darüber, wie man im Neubau die Wände bemalen kann.

Dass ausgerechnet dort also Einrichtungen blindwütig zerschlagen und Türen eingetreten, dass sogar Häuser angezündet wurden, die völlig ausbrannten - das nehmen die, die mit Hingabe an den Bauten arbeiten, fast schon persönlich.

"Wird sowieso abgerissen"


Mit dem Satz: "Aber es wird ja sowieso abgerissen", seien die Schäden nicht herunterzuspielen, so van Kempen. "Erstmal sind wir froh und glücklich, dass hier keine Menschen verletzt wurden. Man kann sich ja nicht vorstellen, was hier los war." Nun aber könnten die Baufirmen nicht zu arbeiten beginnen. "Wir mussten jetzt eine Spezialfirma beauftragen, die das Gelände sichtet und sichert." Erst dann dürften Bauarbeiter das Gelände betreten. Erste Schätzungen liegen bei mindestens 35.000 Euro, die nur dafür nötig werden, um die "Wiederbegehbarkeit herzustellen".

Und sogar wenn die Häuser abgerissen werden, werde nicht mit Brachialgewalt vorgegangen: "Einige Häuser werden in alle Einzelteile zerlegt und nummeriert, damit man sie an anderer Stelle wieder aufbauen kann, für den Denkmalschutz." Wir gehen hier sehr behutsam vor", so van Kempen.

"Erbarmungswürdiger Eindruck"


Den Organisatoren wollen weder Maßberg noch van Kempen Vorwürfe machen. "Die machten gestern einen erbarmungswürdigen Eindruck", so van Kempen. "Die sind einfach überrollt worden", sieht auch Maßberg. Dass der Alkohol zum Selbstkostenpreis verkauft wurde, sieht van Kempen nicht dramatisch. "Das sollte eine kleine Privatfeier unter Studenten werden, bei der das Bier nie viel kostet. Allein, dass 300 Semmeln gekauft wurden, zeigt ja, dass das kein Fest für Tausende werden sollte." "Das ist ja nicht die erste Party, die die Studenten gefeiert haben", so Maßberg, "das ist normalerweise nie ein Problem. Für ihre nächste Feier sollten sie vielleicht ein bisschen länger über das Motto nachdenken."

Die Studenten hatten die Häuschen, in denen gefeiert werden sollte, zuvor extra ausgeräumt und Mobiliar beiseite geschafft, um Schäden zu verhindern. Die Randalierer allerdings traten von anderen Häusern die Türen ein, zündeten Matratzen an, zerschlugen Betten und Schränke und warfen Fensterscheiben ein. Mindestens 250 Häuser wurden beschädigt. "Dabei sind Gegenstände zerstört worden, die eigentlich noch an anderer Stelle verwendet werden sollten", so van Kempen.

Das Landeskriminalamt setzte eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Brandstifter führen. Am Montagabend entschloss man sich im Studentenwerk angesichts der Höhe des Schadens, Strafantrag gegen Unbekannt zu stellen. Die Baustelle wird nun von einem Bauzaun und einem Sicherheitsdienst rund um die Uhr überwacht - damit nicht noch neue Randalierer anrücken.

(sueddeutsche.de)

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Leserkommentare (8)



07.08.2007 10:02:42

doktoralbern: Killer-Applikationen???

Was ist denn das? Bin ich schon so alt?

Ansonsten: man muss schon ansprechen dürfen, dass die Veranstalter hier im Sinne der Sache nicht verantwortungsbewust gehandelt haben. Es ist auch wichtig, dass so etwas kummuniziert und nicht unter den Tisch gekehrt wird, damit alle die in Zukunft vorhaben solche "Mottopartys" zu veranstalten wissen worauf sie sich unter Umständen einlassen.

"Abriss-Party" ist einfach ein ganz sensibles Motto, weil im allgemeinen die Hemmschwelle zur Gewalt gegen Sachen doch erheblich niedriger ist als zur Gewalt gegen Menschen (Killer-Applikationen usw.). Wie gesagt ich hab auch schon Abriss-Partys erlebt. Einige laufen ganz zivilisiert ab, ich hab aber auch schon erlebt, dass Leute mit schwerem Gerät angerückt sind und das Haus nacher tatsächlich fast abgerissen war.

Scheinbar hat den Veranstaltern hier die einschlägige Erfahrung gefehlt.


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