Von Josef Grübl

Armin Mueller-Stahl, Bernd Eichinger, Nadja Uhl: In der "Video Night" wurden führende Vertreter des deutschen Films ausgezeichnet.

Bild vergrößern

Wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet: Armin Mueller-Stahl. Foto: Rumpf

Billy Wilder sagte einmal: "Preise sind wie Hämorrhoiden. Früher oder später bekommt sie jedes Arschloch." Das mag vielleicht nicht der richtige Einstieg für den Bericht über eine Preisverleihung sein, zumal auf dieser einige der besten und beliebtesten deutschen Filmstars prämiert werden. Angesichts des nicht enden wollenden Preisregens bei der diesjährigen "Video Night" kann man sich aber fragen, auf wie viele Vertreter der Branche das Billy-Wilder-Zitat zutrifft - zumal sich einige von ihnen nicht unbedingt preisverdächtig verhalten.

Aber der Reihe nach: Bereits zum zehnten Mal verleiht der Entertainment Media Verlag am Donnerstagabend die sogenannten "Video Champions", dieses Mal im Ballsaal des Westin Grand Hotels im Arabellapark. Vergeben werden sie vor allem an prächtig ausgestattete DVD-Editionen. Eine DVD wegen ihrer Extras zu kaufen, das dürfte für viele Konsumenten so ähnlich sein wie die Entscheidung für einen Mercedes, weil seine Felgen so hübsch lackiert sind.

Das lassen die Ausgezeichneten aber nicht gelten: "Der Preis ist gar nicht für mich", betont Regisseur Uli Edel, dessen "Baader Meinhof Komplex" in der Kategorie "Deutscher Film" ausgezeichnet wird. Die Ehre gelte den Herstellern der DVD, die einen neuen Blick auf seinen Kinohit erlaube. Da mutet es seltsam an, dass wenig später ausgerechnet beim besten Box-Set gebuht wird.

Schließlich wird die mit 50 Filmen bestückte "Filmverlag der Autoren Edition" prämiert, 22 davon waren zuvor noch nie auf DVD zu sehen. Eine einmalige Werkschau, die Regisseur Volker Schlöndorff bei seiner Dankesrede folgendermaßen kommentiert: "Der deutsche Film ist der Stein des Sisyphos. Man muss ihn den Berg hochhieven, er rollt aber immer wieder herunter." Nach harter Arbeit sieht auch das Mülltonnen-Getrommel "Stomp" aus. Angenehmer Nebeneffekt: Das Publikum ist hinterher wieder hellwach.

Es ist schließlich schon kurz vor Mitternacht, als die Künstlerpreise vergeben werden. Nadja Uhl erhält den "Artist Award" und steht knapp zwei Monate nach der Geburt ihrer Tochter Ida freudestrahlend auf der Bühne. Die Rede von ihrem "Männerherzen"-Regisseur Simon Verhoeven findet sie toll, trotzdem ermahnt sie ihn: "Das war eine Liebeserklärung, keine Laudatio."

Auch Bernd Eichinger, der den neu geschaffenen Produzentenpreis bekommt, gibt sich ungewöhnlich streng: "Kann ich mal das Mikrophon haben?", herrscht er die TV-Moderatorin Bettina Cramer an. Er rät ihr dann, dass sie ihn bei einem solchen Anlass nicht nach zukünftigen Projekten zu fragen habe. Später zeigt er sich wieder versöhnlich, schließlich seien Videos "eine unglaubliche Bereicherung", von der er als Filmstudent nur träumen habe können.

Am Ende der Veranstaltung wird Armin Mueller-Stahl mit dem "Lifetime Achievement Award" geehrt, Regisseur Heinrich Breloer findet dafür schwelgerische Worte. Der Preisträger meint dazu bescheiden: "Jetzt hast Du nur die guten Momente erwähnt, die schlechten gab's aber auch." So wie an diesem Abend in Bogenhausen.

(SZ vom 21.11.2009)