Interview: Christina M. Berr und Hans-J. Jakobs

Mit harschen Plakaten zum Thema Sicherheit erregte Josef Schmid Aufmerksamkeit. Jetzt verschärft der OB-Kandidat der Münchner CSU seine Anti-Verbrechens-Kampagne. Schmid über mehr Videoüberwachung, Rauchverbot und Kinderbetreuung.



Grossbild

Ude-Herausforderer Josef Schmid. (Foto: Catherina Hess)

sueddeutsche.de: Herr Schmid, Ihr Gegner bei der Kommunalwahl heißt Christian Ude, ist sehr beliebt und seit 1993 im Amt. Warum tun Sie sich das an? Sind Sie Masochist?

Josef Schmid: Ich kandidiere für eine bessere Politik - und dafür, dass München eine zukunftsfähige Politik erhält. Christian Ude hat ja lange überlegen müssen, jetzt zum vierten Mal anzutreten. Er wollte sich eigentlich schon auf seine Ferieninsel Mykonos zurückziehen. Das sagt eine ganze Menge aus.

Ich hingegen habe eine junge Familie, bin 38 Jahre alt und möchte die nächsten Jahrzehnte gerne in dieser Stadt leben und interessiere mich deshalb in ganz besonderer Weise für die Stadtgesellschaft und die Lösung der anstehenden Probleme.

sueddeutsche.de: Ihr Slogan von der "solidarischen Stadtgesellschaft" erinnert sehr an die SPD. War es Absicht, mit sozialdemokratischen Bildern die Chancen auf das Oberbürgermeisteramt zu verbessern?

Schmid: Uns geht es um eine sachgerechte Politik – zum Beispiel im Generationenkonflikt und in der Arbeitsmarktpolitik. Trotz des Aufschwungs bleiben die Langzeitarbeitslosen ein großes Problem. Und wir haben Menschen, die sich überhaupt nicht mehr selber helfen können - circa 10.000 Rentnerinnen und Rentner, die aufzahlende Sozialsicherung bekommen, sowie 4000 Menschen, die auch nach der strengen Hartz-IV-Definition nicht arbeitsfähig sind. Deshalb kommt es uns ganz entscheidend auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft an.


» Wir zeigen mit den Bildern die Realität «

Schmid über CSU-Plakate, die Bürger warnen, sie könnten das nächste Opfer in der U-Bahn sein

sueddeutsche.de: In früheren Interviews haben Sie signalisiert, dass es Ihnen vor allem um die Themen Familie und Kinderbetreuung geht. Nun plakatieren Sie mit alarmierenden Motiven zum Thema innere Sicherheit und warnen die Bürger, sie könnten bald das nächste Opfer in der U-Bahn werden.

Schmid: Wir haben immer von mehreren Schwerpunkten gesprochen. Unsere Themen für den Wahlkampf sind Integration, Gesellschaftspolitik, Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie eben die Sicherheit. Das war von vornherein ein klassisches Feld unserer Politik. Wir zeigen mit den Bildern die Realität, was die Münchnerinnen und Münchner bewegt und besorgt. Und genau darum müssen sich demokratische Parteien kümmern. Gerade, wenn dies nicht geschieht, spielt man Rechtsextremen in die Hände.

sueddeutsche.de: Das sollen wir jetzt glauben?

Schmid: Sie können das schon daran festmachen, dass unsere Plakate zur Veranstaltung zum Thema Sicherheit mit Wolfgang Schäuble bereits Anfang Dezember – lange bevor das Thema aktuelle Brisanz bekommen hat - geklebt waren. Unsere Werbelinie ist, dass zunächst ein Veranstaltungsplakat und dann ein Aussageplakat hinterher zum gleichen Thema aushängt.

sueddeutsche.de: Tatsache ist doch, dass Sie jetzt nach einigen Zwischenfällen in der Münchner U-Bahn den Ton verschärfen und neue Law-and-Order-Maßnahmen erwägen.

Schmid: Wir haben in der vergangenen Woche ein umfangreiches Sicherheitskonzept beantragt. Es beeinhaltet, dass wir die Lücken bei der Videoüberwachung schließen wollen, auch in den U-Bahn-Zügen, und dass wir im Nahverkehrssystem überall Handyerreichbarkeit sicherstellen.

Wir brauchen darüber hinaus eine sichtbare Präsenz der U-Bahn-Wache. Es ist wichtig, ab sofort jede U-Bahn-Fahrt zu begleiten. Wir haben ja nicht einen Vorfall, sondern vier - eine aufrüttelnde Häufung. Generell brauchen wir mehr Videoüberwachung für Plätze und Straßen.

vorherige Seite  vorherige Seite     1 | 2 | 3     nächste Seite   nächste Seite

ANZEIGE


Themen

Weitere Artikel in München

Leserkommentare (42)



22.02.2008 17:20:00

pira26: bananasMuc

Warum Schreikrampf vor Lachen? Sie geben mir doch selbst recht. Sie schreiben der Sand sei "mehr zum Anfahren weniger zum Bremsen". Das mit dem Bremsen hat mir ebenfalls ein Lokführer erzählt, einer der es wissen muss - und Sie sagen jeder Zug hat das.

Danke für Ihre Bestätigung (- jetzt können Sie ja dann hoffentlich auch über sich selbst lachen).

Es zeigt einmal mehr von welch veralteter Technik wir bei Rad-Schiene reden. Und es zeigt wie sinnvoll und Material-schonend die Schwebetechnologie ist.

Ach ja - S-Bahn ist Schrott (von der allseits beliebten Low technologie) - bin neulich wieder mit ihr zum Flughafen gefahren.... no comment!!!!


2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 | 3 | 4 | ... | 9 ältere Kommentare nächste Kommentare

Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


Wann?


     

Was?

München-Tests
Würden Sie den Einbürgerungstest für bestehen? Machen Sie mit bei unserem Quiz!
Kennen Sie sich aus in München? Machen Raten Sie, welcher der beiden Orte näher am Marienplatz liegt.
Sie kennen München wie Ihre Hosentasche? Das möchten wir sehen! Spielen Sie mit bei unserem Bilder-Rätsel!
Er ist der ewige Stenz: der Monaco Franze. Spielen Sie mit und testen Sie Ihr Monaco-Wissen!
Er ist der wichtigste Münchner Klatschreporter: Baby Schimmerlos. Spielen Sie mit beim Kir-Royal-Quiz!
NEU münchen extra - Newsletter

Aktuelles und Ausgehtipps aus München

Jetzt kostenlos abonnieren und einmal wöchentlich informiert werden.
sueddeutsche.de ist exklusiver Partner.
www.studivz.net/muenchen
Kinoprogramm

Ihr Film in Ihrer Nähe

Neueste Kommentare

20.11.2009 18:56

U.T.

Den höheren Anteil bestreitet niemand, falls Ihnen das aufgefallen ist. Sie argumentieren in's Leere. Die GRÜNDE sind aber breiter gefächert, als Sie das.. mehr....

Zu: Prügel-Sprayer uneinsichtig

20.11.2009 18:48

bollizei_1

es ist fakt dass Straftaten überdurchschnittlich oft von Leuten "mit Migrationshintergrund" begangen werden. Dass muss auch so gesagt werden dürfen! alles.. mehr....

Zu: Prügel-Sprayer uneinsichtig

20.11.2009 18:42

U.T.

Na und? Der andere Täter ist offensichtlich Deutscher. Und da sie es gemeinsam machten, scheint der MGH des Ünal B. per se nicht der grundlegende Faktor. .. mehr....

Zu: Prügel-Sprayer uneinsichtig

Spenden für gute Werke
Seit 60 Jahren spenden SZ-Leser für den Adventskalender der guten Werke der Süddeutschen Zeitung.

ANZEIGE

SZ Bibliothek München erlesen
besser München - das Stadtblog von jetzt.de

Spezial: FC Bayern, TSV 1860 & Co
FC Bayern, TSV 1860 & Co: Hier erfahren Sie alles über die Münchner Vereine.