Sie suchen eine sympathische Übernachtungs-möglichkeit mitten in Münchens Ausgeh-Viertel rund um den Gärtnerplatz? Weil nach einer Tour durch die vielen Bars der Heimweg doch zu lange sein könnte? Dann sind Sie im Advokat sicher richtig.
Advokat? Der Name erinnert eher an einen Rechtsanwalt als an ein Hotel, aber das wird doch hoffentlich nur Zufall sein. Die Lage ist zumindest perfekt – vor allem für Nachtschwärmer.
Das Hotel Advokat befindet sich in der Baaderstraße, am Rande des angesagten Gärtnerplatz-Viertels. Direkt vor der Tür gibt es unzählige Shoppingmöglichkeiten, Cafés und Bars.
In seinem Internet-Auftritt präsentiert sich das Advokat als Designhotel. Hört sich gut an, die Erwartungen sind groß. Steht man dann endlich vor der Herberge, ist man doch etwas irritiert: Man blickt auf einen Sechziger-Jahre-Betonbau.
Von Charme und Design ist hier noch nicht viel zu merken. Später erklärt die nette Dame an der Rezeption, dass es das Hotel Advokat erst seit zehn Jahren gibt. Davor war es ein Wohnheim für Mitarbeiter des Pfanni-Werks. Aha!
Nun gut, der erste etwas ernüchternde Eindruck wird wenigstens durch die Freundlichkeit der Empfangsdame sofort wieder wettgemacht.
Das Zimmer liegt im zweiten Stock, ein kleiner Balkon geht raus zur Baaderstraße. Auch hier stellt sich schnell Enttäuschung ein: der Raum ist winzig, misst etwa zehn Quadratmeter.
Alles ist in Beige- und Brauntönen gehalten, an den Wänden hängen extravagante Fotografien – aber Designhotel? Hm…
Wenigstens ist alles sehr sauber. Die Mini-Bar ist gratis, auch wenn es nur Bier und Wasser gibt. Das Badezimmer ist funktional und ebenfalls sehr klein. Außer im Bett liegen und Fernsehen kann man nicht so viel machen.
Schnell stellt sich Langeweile ein. Aber wenigstens kann man noch mal losziehen in eine der zahlreichen Bars, die vor der Tür liegen. Man ist ja schließlich im Gärtnerplatz-Viertel!
Am nächsten Morgen kommt dann die große Überraschung: das Frühstück! In dem hellen, freundlichen Frühstücksraum im Erdgeschoss ist ein Buffet aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Neben dem Standard-Programm, das viele Hotels bieten, gibt es jede Menge außergewöhnlicher Leckereien.
Besonders köstlich schmeckt der Krabbencocktail und eine Art Antipasti-Salat. Auch süße Gebäckstückchen und jede Menge frisches, klein geschnittenes Obst stehen zur Auswahl. Von den üppigen Wurst- und Käseplatten sowie der großen Auswahl an Cerealien gar nicht zu sprechen.
Zum Trinken bekommt man auch nicht irgendeine Kaffee-Plörre, sondern richtig guten Latte macchiato. Hier im Frühstücksraum trifft man dann auch auf die anderen Hotelgäste: ein überwiegend gut gekleidetes, intellektuell angehauchtes Publikum – zumindest was man aus dem Gespräch der beiden Damen um die 40 vom Nachbartisch so mitbekommt.
Nach dem üppigen Frühstück und dem netten Service der Hotelmitarbeiter bleibt einem gar nichts anderes übrig, als gut gelaunt in den Tag zu starten.
Beim Hotel Advokat unterscheidet sich zwar das Selbstbild vom Fremdbild, sprich: unter Designhotel versteht man eigentlich etwas ganz anderes. Aber das liebenswürdige Personal und das mit Verve zusammengestellte Frühstücksbuffet muss dem Advokat erstmal einer nachmachen.
Und gibt es für eine Herberge ein netteres Kompliment als der Eintrag eines Hotelgasts ins Gästebuch: „Bei Liebeskummer im Advokat ist man gut aufgehoben und umsorgt.“
(sueddeutsche.de)








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