Von Monika Maier-Albang

Das Auftreten und die Aussagen des Heiligen Vaters spalten die Vertreter anderer Glaubensrichtungen. Während der Zentralrat der Muslime Verständnis für den Papst hat, gehen einige christliche Theologen auf Distanz.

Der Papst grüßt Gläubige in Regensburg (Foto: ddp)

Gegen Ende der Reise Benedikt XVI. durch Bayern haben deutsche Wissenschaftler eine relativ kritische Bilanz gezogen. Im Denken des Papstes ist nach Ansicht des Kirchenkritikers Eugen Drewermann keine Wende gegenüber früher zu erkennen. "An keinem Punkt hat dieser Papst sich geändert und es ist auch nicht zu sehen, wie er das tun könnte", sagte der katholische Theologe am Mittwoch in einem Interview des Südwestrundfunks.

In Fragen wie der Wiederverheiratung Geschiedener oder der Homosexualität denke der Papst ebenso wie zu der Zeit, als er als Kardinal Joseph Ratzinger der vatikanischen Glaubenskongregation vorstand.

Dass der frühere Kardinal seine Macht als Papst nicht derart genießen könne wie manche seiner Vorgänger, berühre ihn zwar positiv, sagte Drewermann. Trotz dieses persönlichen Stils bleibe der Unfehlbarkeitsanspruch des Papstamtes bestehen.

"Kein Medienpapst mit Schauspielertalent"

Der Tübinger Theologe Hans Küng sagte, er habe einen zwiespältigen Eindruck von dem Besuch. Persönlich habe der Papst sympathisch und den Gläubigen nahe gewirkt - "kein Medienpapst mit Schauspielertalent, der um Beifall heischt". Vielmehr sei Joseph Ratzinger einer, der sich auf die zentrale Wahrheit des Christentums, den Glauben an Gott, konzentriert.

Doch habe er jegliche Offenheit für Reformen in der Kirche vermissen lassen. Zum Vortrag des Papstes an der Regensburger Universität meinte Küng im Blick auf dessen Worte zum Dschihad: "Diese Äußerungen werden wohl von vielen Muslimen nicht positiv aufgenommen werden und bedürfen dringend der Differenzierung."

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Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sieht in den Worten des Papstes indes keinen Angriff auf Muslime. Er glaube nicht, so Mazyek, dass der Papst mit seiner Rede auf eine kriegerische Tradition des Islam abziele.

Vor dem Hintergrund der blutigen Zwangschristianisierung in Südamerika, der Kreuzzügen in der Islamischen Welt, der Vereinnahmung der Kirche durch das Hitlerregime, ja selbst die Wortschöpfung des ´heiligen Krieges´, welcher zunächst aus dem Munde des Papstes Urban II entspannte, sähe er es "mit etwas Sorge, wenn die Kirche mit erhobenem Zeigefinger auf extremistische Umtriebe bei anderen Religionsgemeinschaften zeigt."

 
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So habe er den Papst jedoch nicht verstanden. Im Islam gebe es leider einige Gruppen, die gerne als Institution verkleidet den Islam mit ihrer extremen Ideologie für sich vereinnahmen wollen und damit missbrauchen. "Das dürfen wir nicht zulassen", so Mazyek.

Glaube und Vernunft sind keine Gegensätze

Hans Joas, Soziologe und Leiter des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt, sagt, sein Haupteinwand zu der Regensburger Ansprache sei, dass Ratzinger den Eindruck erwecke, das Christentum habe im Unterschied zum Islam immer schon darauf gesetzt, den Glauben nur durch Mittel der Überzeugung zu verbreiten und keinen Zwang auszuüben.

"Die Entdeckung der Idee der Religionsfreiheit kommt jedoch erst im 17. Jahrhundert. Dass alle Menschen frei zu ihrem Glauben finden sollen, ist eben nicht schon immer Kernbestandteil des Christentums gewesen. Wenn Ratzinger nun das Christentum so mit einem angeblich immer schon hauptsächlich auf Gewalt setzenden Islam kontrastiert, gibt das ein schiefes Bild."

Generell freue er sich über Ratzingers Aussage, dass der Glaube nicht das Gegenteil von Vernunft sei. "Ratzinger hätte aber die Spannung, die zwischen dem christlichen Liebesethos und der Begründung aus Vernunft doch auch existiert, stärker betonen können. Paulus hat schließlich geschrieben, dass der Glaube an den gekreuzigten Christus den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit sei".

(SZ vom 14.9.2006)

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