Von Florian Fuchs

Tote werden identifiziert, Mörder geschnappt: Die Methoden der Daktyloskopen beim bayerischen Landeskriminalamt werden immer raffinierter.

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Trotz technischen Fortschritts muss der letzte Schritt der Prüfung immer noch mit der Lupe erfolgen, damit ein Fingerabdruck vor Gericht als Beweismittel gelten kann. Foto: Stephan Rumpf

Es war eine Traubensaftflasche, die Burkhard H. schließlich zum Verhängnis wurde. Damals, im Januar 1973, war H. mit zwei Freunden in die Gärtnerei des Perlacher Friedhofs eingestiegen. Die drei waren Ausreißer, sie hatten kein Zuhause und nichts zu essen, also plünderten sie den Kühlschrank der Gärtnerei, klauten Zigaretten und verschwanden wieder.

Der Fingerabdruck von Burkhard H. auf der Traubensaftflasche verschwand nicht, die Polizei nahm ihn auf, die daktyloskopische Abteilung des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) archivierte ihn. Deshalb wurde Burkhard H. nach über 30 Jahren gefasst. Nicht, weil er in die Gärtnerei eingebrochen war und Traubensaft getrunken hatte, sondern weil er ein Mörder war: der Mörder von Rolf Prinz.

Eine technische Revolution in der Daktyloskopie

Es sind überwiegend aktuelle Fälle, an denen die Daktyloskopen des LKA hier in der Maillingerstraße arbeiten. Sie vergleichen Fingerabdrücke, werten Übereinstimmungen aus und helfen so, Tote zu identifizieren, Verbrecher zu überführen oder eben Mörder zu schnappen. Manchmal dauert das über 30 Jahre. Nicht, weil die Experten schlampig arbeiten, sondern weil sich die Technik weiterentwickelt.

Es ist eine technische Revolution, die sich in den vergangenen 20 Jahren in der Daktyloskopie abgespielt hat. Bei jeder Verbesserung kramen die Sachverständigen ungeklärte Altfälle hervor und gleichen Fingerabdrücke von Tatorten noch einmal mit denen im System ab. Wie 2003, als das Afis-System überarbeitet wurde, in dem die Abdrücke von 3,2 Millionen Straftätern und Asylbewerbern erfasst sind.

Damals wurden erstmals auch Handflächenabdrücke in das System aufgenommen. Bald steht wieder eine Weiterentwicklung der Afis-Software an. "Nur kleinere Verbesserungen wie die Bildqualität am Computer zum Beispiel, aber wir hoffen, wieder ein paar Fälle zu klären", sagt der LKA-Sachverständige Peter Immerz.

Immerz war es auch, der 2003 im Fall Prinz den entscheidenden Treffer landete. Der Saxophonist der Hugo-Strasser-Band wurde am 31. Januar 1973 von den drei Ausreißern, kurz nach deren Einbruch in die Gärtnerei, überfallen und mit Holzlatten zu Tode geprügelt.

Die Ermittler schnappten damals einen der drei Kumpanen, der aussagte, dass der Fingerabdruck auf der Traubensaftflasche von einem seiner Komplizen beim Raubmord stammte.Immerz holte sich 2003 die alte Akte Prinz und fand eine Übereinstimmung mit den Abdrücken von Burkhard H., die inzwischen wegen anderer Straftaten erfasst waren. Der Mörder war überführt, er wurde verhaftet und gestand.

Im LKA gibt es Labors, Archive und Computer mit der Datenabgleichsoftware "Afis". Mussten Straftätern früher noch die Fingerkuppen geschwärzt und die Abdrücke auf Papier abgenommen werden, gibt es heute die Livescan-Technik, bei der die sogenannten Papillarlinien auf der Haut elektronisch gespeichert werden. Afis, 1993 eingeführt, ermöglicht den Experten, Fingerabdrücke immer detaillierter zu vergleichen.

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In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Gefühl für Fingerspitzen
  2. Es sieht aus wie Science Fiction