Lernschwächen, Schulabbruch, Arbeitslosigkeit: Die Werkstatt A24 macht Jugendliche und Erwachsene mit schwieriger Vergangenheit fit für den Arbeitsmarkt - für viele ist es die letzte Chance.
Der 18-jährige Tarek macht bei A24 eine Lehre zum Fahrzeuglackierer. Foto: Fischhaber
Mit aller Kraft presst Tarek das Schleifpapier auf den blauen Kotflügel, der vor ihm liegt. Weiße Späne fliegen in der Werkstatt auf. Das Autoteil hat schon einige Dellen und Beulen, die mit sandfarbenen Material gefüllt sind. Diesmal will Tarek alles richtig machen. Nervös fährt er sich durch die dunklen Haare, Schweißperlen tropfen von seiner Stirn auf den Blaumann.
Tarek ist 18 jahre alt, er kommt aus Afghanistan, sein Hauptschulzeugnis ist schlecht. Der junge Mann leidet unter Prüfungsangst. Die neunte Klasse hat er wiederholt, den Berufsvorbereitungskurs geschmissen. Alles keine guten Vorraussetzungen für eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer. Doch Tarek hat es geschafft. Seit fünf Wochen ist er Lehrling bei A24 - und hat dort seine erste und wohl auch letzte Chance bekommen.
Die Werkstatt in der Aidenbachstraße in Sendling hat sich der Ausbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit schwieriger sozialer Vergangenheit verschrieben. Derzeit werden bei A24 unter dem Dach des Trägervereins Spectrum rund 200 Personen im Kfz- und Zweiradbetrieb ausgebildet. Bei der letzten Gesellenprüfung konnten 40 von 44 Azubis vor der Handwerkskammer bestehen. 40 junge Männer die auf dem freien Markt kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz gehabt hätten. Gerade wurde A24 für das Engagement gegen Jugendarbeitslosigkeit mit dem Deichmann-Förderpreis ausgezeichnet.
Ein unerreichbarer Traum
Ausgerechnet ein Pfarrer hat die Münchner Werkstatt vor über 20 Jahren gegründet. Bereits damals zeichnete sich eine wachsende Zahl an Menschen ab, die mit den steigenden Anforderungen in der Arbeitswelt nicht Schritt halten konnte - oder wollte. Mit einer Spende von 7000 Mark kaufte Heinrich Samhammer von der evangelischen Gemeinde in Haidhausen einen alten VW-Bus, den ein Kfz-Meister nach Feierabend gemeinsam mit Jugendlichen von der Straße reparierte.
"Viele waren danach so motiviert, dass sie eine Ausbildung begannen", erzählt Ursula Geisler, pädagogische Leiterin von A24. Damals sei aber auch klar geworden, dass es nicht genügt, einem Arbeitslosen irgendeine Stelle zu suchen. "Viele Hilfestätten haben das Problem, dass die Jugendlichen die Ausbildung nur aus der Not heraus machen", sagt Geisler. Die Kfz-Branche dagegen sei seit Jahren der Traum vieler Hauptschüler.
Ein unerreichbarer Traum. Für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker braucht man auf dem freien Arbeitsmarkt in der Regel Mittlere Reife - wie für viele andere Lehrberufe auch. Die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt hat sich dramatisch zugespitzt. Jeder zweite Hauptschüler hat nach einem Jahr noch keinen Ausbildungsplatz gefunden, fand der Bildungsbericht 2008 heraus. Schuld daran seien meist schlechte Zeugnisse und ziellose Bewerbungen.
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