Von Alfred Dürr

Mangelnde Hygiene, keine Toiletten, hässliche Planen: Hinter den Kulissen des Viktualienmarkts sind die Zustände oft nicht gerade paradiesisch.

Viktualienmarkt München

Obst, Gemüse, Blumen, Gewürze, Fleisch und Fisch: Doch oft können die Händler auf dem Viktualienmarkt den Anforderungen an Hygiene nicht mehr gerecht werden. Foto: Hess

Es ist in der Tat eine wahre Sinnenfreude, was Einheimischen und Touristen auf dem Viktualienmarkt an den Obst-, Gemüse- und Blumenständen, bei Metzgern und Bäckern oder bei den Feinkost- und Fischhändlern geboten wird. Doch weil hinter den Kulissen die Zustände nicht mehr ganz so paradiesisch sind, will die Stadt bis Sommer kommenden Jahres ein "Zukunftskonzept" für die vier ständigen Lebensmittelmärkte in München vorlegen.

Das zuständige Kommunalreferat schlägt Alarm: Der Viktualienmarkt, aber auch die bekannten und beliebten Märkte am Elisabethplatz, in Pasing und am Wiener Platz würden den Anforderungen an Hygiene, Warenpräsentation, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie an die Logistik nicht mehr gerecht.

Seit Jahren, sagen die SPD-Stadtratsmitglieder Ulrike Boesser und Alexander Reissl, gebe es zu Recht Beanstandungen, dass das Erscheinungsbild des Viktualienmarktes zum Beispiel durch die Zelt-, Schirm- und Planenkonstruktionen an den Außenbereichen der Stände stark beeinträchtigt werde. Sie setzten mit ihrem Antrag das Thema jetzt auf die Tagesordnung des Stadtrats. Oberbürgermeister Christian Ude fühlte sich schon vor längerem beim Gang über den Markt gar an "Zeltlager am Hindukusch" erinnert. Passiert ist bislang freilich wenig.

Die städtischen Kontrolleure versuchen immer wieder, die sogenannten Überbauten, die Obst und Gemüse vor Witterungseinflüssen schützen sollen, zurechtzustutzen. Stets sei versucht worden, die geschäftlichen Interessen mit den Hygieneanforderungen des Verbraucherschutzes und mit gestalterischen Ansprüchen in Einklang zu bringen.

Obwohl oft baurechtliche Vorschriften nicht mehr eingehalten werden, kann man die Planen und sonstigen Vorrichtungen nicht einfach beseitigen. Die Konflikte mit dem Hygienerecht drohten sich weiter zu verschärfen, heißt es im Kommunalreferat. Entsprechende Lagermöglichkeiten, die alle Vorschriften erfüllten, seien kaum vorhanden.

Die Kellerbereiche sind bezüglich des Brandschutzes untersucht worden. Planungen für Umbauten laufen seit mehreren Jahren, würden sich aber, so die Klage, schwierig gestalten. Denn neben den Flucht- und Rettungswegen solle auch eine möglichst große Zahl von Lager- und Sozialräumen für die Händler erhalten oder neu geschaffen werden.

Als besonderen Mangel sieht die Stadt, dass Toiletten fehlen. Dieses Defizit sei beim Viktualienmarkt mit seiner hohen touristischen Frequenz als "ausgesprochen problematisch" anzusehen.

Die Stadt arbeitet nun zwar an einem "Zukunftskonzept" für die vier ständigen Lebensmittelmärkte, die alle ähnliche bauliche Schwierigkeiten haben. Die SPD drängt nun darauf, dass dieses Konzept möglichst schnell vorgelegt wird. Wegen seiner zentralen Lage in der Altstadt sei die Sanierung des Viktualienmarkts mit Vorrang zu betreiben.

Wie aber nun die Marktstände künftig optisch ansprechend gestaltet oder gar umgestaltet werden können, ist noch nicht klar. Sicher ist, dass ein hoher baulicher Aufwand eine Verteuerung der Standkosten bedeutet. Zunächst hat die Stadt einen Fragenkatalog an die Händler verschickt und möchte diesen erst auswerten.

Quer durch alle politischen Fraktionen befürworten die Stadtratsmitglieder das Verschönerungskonzept. Das bekannte und beliebte Erscheinungsbild des Marktes müsse dabei erhalten bleiben. Zur Diskussion steht auch eine eventuelle Neuaufteilung der Standflächen.

(SZ vom 20.11.2009/sonn)