Von Michael Ruhland

Bundesumweltminister Trittin hat die Landeshauptstadt für das bundesweit beste Öko-Verhalten ausgezeichnet.

Nach den Negativrekorden in Sachen Feinstaub ist die Nachricht Balsam für umweltbewusste Münchner. Gestern zeichnete Bundesumweltminister Jürgen Trittin die Landeshauptstadt als „Bundeshauptstadt im Energiesparen“ aus.

Vorausgegangen war ein Wettbewerb, den der Verein Deutsche Umwelthilfe zum ersten Mal ausgelobt hatte. 77 Kommunen, vom Dorf bis zur Metropole, haben sich beteiligt und Erhebungsbögen mit mehr als hundert Fragen ausgefüllt zu Energiemanagement, innovativen Förderprogrammen und Klimaschutz-Zielen in der Stadtplanung.

In der „Königskategorie“, wie Gerd Rosenkranz von der Umwelthilfe die „Teilnehmerklasse über 100.000 Einwohner“ nennt, hat München die Nase vorn. Es folgen Münster auf Platz 2, Hamburg und Nürnberg teilen sich den dritten Rang.

Vorbild für alle deutsche Städte

Laudator Herbert Bruns vom Deutschen Städtetag überschüttete die rot-grün-regierte Metropole regelrecht mit Lob. „Die Stadt wird für ihr vorbildliches Handeln im Energiesparen und damit im Klimaschutz ausgezeichnet. Damit zeigt sie Weitsicht und ist ein Vorbild für alle deutsche Städte“, sagte Bruns.

Was den Bereich Energiemanagement in eigener Sache betrifft, ist das Münchner Rathaus nach Ansicht der Umwelthilfe seit langem Vorreiter. Schon 1973 – die erste Ölkrise schockte damals die Republik – entschloss sich die Stadt, einen Teil ihrer Gebäude auf Energiesparpotenziale hin abzuklopfen.

„Zwischen 1998 und 2003 wurden zwölf Prozent des Energieverbrauchs der kommunalen Liegenschaften in München eingespart“, würdigte Bruns die Anstrengungen. Dies entspreche 80 Millionen Kilowattstunden. Allein im Jahr 2003 habe die Stadt 2,2 Millionen Euro für die Dämmung in 90 Gebäuden ausgegeben und im gleichen Jahr drei Millionen Euro in die Sanierung von Heizungen gesteckt.

1,5 Millionen Euro für Privathaushalte

Pluspunkte sammelte München zudem dank seiner Förderprogramme. Jährlich stellt die Stadt rund 1,5 Millionen Euro für Privathaushalte zur Verfügung. Wer zum Beispiel ein Passivhaus baut, seinen Altbau mit Wärmeschutztechnik nachrüstet oder sich an das Fernwärmenetz anschließen lässt, bekommt Zuschüsse.

„Mit den 1,5 Millionen Euro Fördermitteln lösen wir Investitionen von 20 Millionen aus“, sagte Umweltreferent Joachim Lorenz zur SZ. Das zeige, dass Ökologie und Ökonomie zusammenpassten. Die Auszeichnung habe ihn aber überrascht, „weil wir nicht wussten, dass große Städte überhaupt eine Chance haben“.

Einsparen durch Verhaltensänderung

Ruhm und Ehre des nicht dotierten Preises manifestierten sich in einem Ortsschild, das Trittin dem Münchner Umweltreferenten in Berlin überreichte. Die Aufschrift: München – Bundeshauptstadt im Energiesparen. „Für uns ist das Bestätigung und Auftrag, trotz knapper Kassen in gleicher Form weiterzumachen“, sagte Lorenz.

Dabei gehe es häufig um „Kärrnerarbeit“, weiß Monika Monat vom Schulreferat. Immer wieder geht sie in die Klasszimmer und bringt Schülern wie Lehrern zum Beispiel das richtige Lüften bei und mahnt, Standby-Geräte auszuschalten. „Einsparen durch Verhaltensänderung“, nennt sie das. Der Lohn: 50 Prozent der tatsächlich eingesparten Energiekosten wandern in die Schülerkasse.

(SZ vom 30.6.2005)

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