Von Berthold Neff

Schlechte Nachrichten für die Kunden der Stadtwerke: Die Preise für Gas und Strom werden im Januar um bis zu 14 Prozent teurer. Die CSU spricht von "Abzocke".

Wer es nicht schafft, dass die Zähler langsamer laufen, wird im kommenden Jahr deutlich mehr für Strom und Erdgas zahlen müssen. (Foto: dpa)

Für die Kunden der Stadtwerke München beginnt das neue Jahr mit einer schlechten Nachricht: Zum 1. Januar 2009 erhöht der städtische Energieversorger den Strompreis um 13 Prozent und verlangt für Gas sogar 14 Prozent mehr. Den Strompreis hatten die Stadtwerke drei Jahre lang stabil gehalten, das Erdgas aber bereits zum 1. Juli um elf Prozent verteuert.

Die Stadtwerke begründen die Preiserhöhung mit der Entwicklung auf den Rohstoffmärkten und ihren gestiegenen Bezugskosten. Zugleich versprechen sie, den Gaspreis im Frühjahr - also nach dem Ende der Heizperiode - wieder deutlich zu senken. Der Gaspreis ist an den Ölpreis gekoppelt und folgt dessen Verlauf mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa einem halben Jahr. Derzeit, so räumen die Stadtwerke ein, sei der Ölpreis im Zuge der Finanzkrise zwar gefallen, aber das ändere nichts daran, "dass er in den Monaten zuvor von einem Hoch zum anderen gejagt ist". Die Höchststände beim Ölpreis vom Sommer wirkten sich "jetzt erst voll auf den Einkaufspreis" der Stadtwerke aus.

Für den Münchner Durchschnittskunden mit einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden ergibt sich im Vertragsangebot M-Strom Kompakt eine monatliche Mehrbelastung von 5,60 Euro. Die Preiserhöhung beim Erdgas macht sich noch deutlicher bemerkbar. Der Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20000 Kilowattstunden muss (im Vertragsangebot M-Erdgas M) von 2009 an mit monatlichen Mehrkosten von 16,13 Euro rechnen.

Energieberatung für einkommensschwache Haushalte


Die Stadtwerke bieten ihren Kunden zwei Möglichkeiten, die Preissteigerung etwas abzumildern. Neu ist das M-Strom Internetangebot. Wer sich dafür entscheidet, erhält einen einmaligen Bonus von 25 Euro sowie einen um zehn Euro günstigeren Grundpreis. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Kunde alles (etwa Zählerstandmeldung, Änderung der Bankverbindung) nur noch über den Online-Service der Stadtwerke erledigt und eine Bankeinzugsermächtigung erteilt.

Nach wie vor lässt sich auch - unter ähnlichen Bedingungen - beim Angebot M-Erdgas Internet sparen. Allerdings gibt es dafür keinen Einmal-Bonus und die Abschlagszahlungen müssen zu Beginn des Abrechnungsjahres in voller Höhe geleistet werden. Die Stadtwerke werden alle Privatkunden schriftlich über die bevorstehende Preiserhöhung informieren und allen, die noch zu den Bedingungen der "Allgemeinen Preise" versorgt werden, ein personalisiertes Angebot für den Vertragskunden-Tarif unterbreiten. Dadurch könnten sie, so die Stadtwerke, durchschnittlich mehr als vier Prozent sparen.

Einkommensschwachen Haushalten wollen die Stadtwerke durch ein Pilotprojekt entgegenkommen, das in Zusammenarbeit mit Münchner Wohlfahrtsverbänden im Februar 2009 starten soll. Um diese Haushalte finanziell zu entlasten, steht ihnen eine eingehende Energieberatung zur Verfügung. Außerdem wollen die Stadtwerke auch mit Sachmitteln - bis hin zu energiesparenden Elektrogeräten - helfen. Die Kosten dieses Projekts übernehmen die Stadtwerke.

"Die Zeche zahlt der Kunde"


In ihrer Presseerklärung vom Montag reagieren die Stadtwerke präventiv auf die zu erwartende Kritik. Sie räumen zwar ein, dass einzelne Versorger ihre Erdgaspreise zum 1. Dezember oder 1. Januar senken wollen, weisen aber darauf hin, dass deren Preisniveau um bis zu 30 Prozent höher liege als das der Stadtwerke. Auch die Grünwalder Firma Montana, lokaler Konkurrent der Stadtwerke, werde zum 1. Januar 2009 den Preis bei ihrem Erdgasvertrag Flex erhöhen - um 17,6 Prozent. Um wie viel die Grünwalder Firma die Preise beim Modell Montana-Flex erhöhen werde, stehe zwar noch nicht fest. Die Stadtwerke zeigen sich aber sicher, dass ihr M-Erdgas Internet auch künftig das preisgünstigste Angebot in München bleiben werde.

Die CSU übte an der Preiserhöhung heftige Kritik. CSU-Stadtrat Marian Offman erklärte, "eine redliche Begründung für diese Preispolitik kann es nicht geben. Die Zeche zahlt der Kunde, der in der Hauptheizperiode noch mal zusätzlich abgezockt wird." Offman zufolge ohne Grund: Als sechsmonatiger Referenzzeitraum im Zuge der Koppelung an den Heizölpreis müsse die Periode zwischen Juni und November gelten - in der gab es aber einen "erheblichen Preisabfall des Heizöls".

Gegen Kritik von Seiten der CSU verwahren sich die Stadtwerke jedoch. In CSU-regierten Großstädten wie Augsburg, Ingolstadt oder Regensburg zahlten die Gaskunden im Schnitt um 43 Euro (2,7 Prozent) mehr als in München.

(SZ vom 18.11.2008/af)

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Leserkommentare (6)



19.11.2008 14:12:21

Tom60: Es gibt nur eins..

Um diesen Wirrwahr von Preisen aus dem Weg zugehen..

Würde nur eine staatliche Kontrolle oder Verstaatlichung helfen.

Autos muss man nicht kaufen.Aber Strom braucht jeder.Das wissen diese Leute !

Bei der nächsten Erhöhung sofort auf den etwas billigern Anbieter wechseln !

Und so geht das immer weiter Jahr für Jahr, Bei Telefon,Internet,Gas, Strom, u.s.w.

so ein Schwachsinn..


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