Von Beate Wild

In München gibt es Lokale mit unsagbar schlechten Namen. Was denken sich Wirte bei der Namenswahl? Welches Publikum hoffen sie damit anzulocken? Ist das Ganze Dummheit oder womöglich gar Absicht?

Kolumne After Eight, Nachtleben MünchenBild vergrößern

In manchen Kneipen stellt man sich die Frage: Sind die Gäste noch vom Vorabend da, oder schon wieder? Foto: Stephan Rumpf

Neulich, ein lauer Sommerabend, wir sitzen gerade auf der Terrasse, als sich ein Freund plötzlich erhebt und sich mit den Worten verabschiedet: "Ich muss noch kurz im Schluckauf vorbeischauen, da warten noch ein paar Leute auf mich."

Schluckauf? Was ist das? Wir blicken uns ratlos an. Anscheinend eine Kneipe in Altschwabing, das können wir dem Freund gerade noch entlocken, bevor er sich schnell und peinlich berührt aus dem Staub macht. Ein Lokal mit diesem Namen? Eine abgewrackte Kneipe, in der die Gäste schon am frühen Morgen ihren Ärger mit Jägermeister runterspülen? Oder welche Kneipe heißt denn sonst Schluckauf?

Neugierig geworden klärt am nächsten Tag ein Blick auf die Webseite, dass es sich um eine Bar in der Occamstraße unweit der Münchner Freiheit handelt. Auf der Homepage steht: "In keiner anderen Bar Münchens kann man so ausgelassen feiern wie im Schluckauf! Unser Lokal ist wie unser Motto: Laut, locker und günstig." Alles klar.

Wie sich herausstellt handelt es sich um eine Kneipe für junge, trinkfreudige Leute, ähnlich billig wie das ebenfalls in Altschwabing gelegene Barschwein. Ja, Barschwein, auch ein Lokal. Dass es immer die "Boazn" (bairisch für: heruntergekommenes Etablissement mit preiswertem Alkohol und anspruchslosen Kunden) sein müssen, die sich die dämlichsten Namen aller Zeiten zulegen?

Lokale mit unsagbar schlechtem Namen gibt es so einige in dieser Stadt. Promillchen, Ungewitter, Hopfendolde, Abseits, Du- und I-Stüberl, Inflagranti, Aksnibuk hätten wir beispielsweise im Angebot. Oder das Shakira (benannt nach der blondierten kolumbianischen Sängerin) in der Theresienstraße, das früher doch glatt Sorgenbrecher hieß. Was denkt sich eigentlich der Wirt bei solch einer Namenswahl? Welches Publikum hofft er damit anzulocken? Sorgenbrecher? Ist das Dummheit oder pure Absicht?

Da wir damals zufällig neben besagter Boazn, dem Sorgenbrecher, gewohnt haben und jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeimussten, konnten wir über das Trinkverhalten der Besucher eine recht umfassende Fallstudie machen. Tatsache ist, dass man in jener Kneipe oft nicht wusste, ob die Gäste morgens um acht Uhr noch vom Vorabend da waren, oder schon wieder.

Aber zurück zur Ursprungsfrage: Warum nennt ein Wirt seine Kneipe Promillchen oder Ungewitter? Bei einem solchen Namen können ja eigentlich gar keine normalen Gäste kommen. Das ist auf alle Fälle noch schlimmer als Bei Schorschi oder Zum weißen Hasen.

Doch dann ist uns aufgefallen, dass auch Bars, die als angesagt gelten, sich bei der Namensgebung manchmal arg vergreifen. Beispielsweise der neue, sympathische Kellerclub in der Landwehrstraße: Chaca Chaca heißt der. Wer zum Teufel nennt seinen Club Chaca Chaca? Soll das cool sein? Oder steckt System dahinter: Ein derart schlechter Name, dass er schon wieder lässig rüberkommt? Die Besitzer haben offensichtlich keine Angst, dass der Name abschrecken könnte.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Namenssünden uns noch aufgefallen sind.

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In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Schluckauf oder Shakira?
  2. Augen auf bei der Namenswahl