Gegen Mittag an jenem Donnerstag brechen Martina, Simon und Mirko im Hasenbergl auf und steuern das Westend an. Im Supermarkt kaufen sie zwei Flaschen Sangria, bis zum Abend sind sie geleert.
Was in den Stunden vor der Räumung genau geschieht, wird wohl erst vor Gericht geklärt. Am wahrscheinlichsten sind derzeit zwei Varianten, beide werfen Fragen an die Polizei auf.
Variante eins: Die Polizei spricht in ihrer offiziellen Erklärung an den Stadtrat von einer "lückenlosen Überwachungszeit in den Stunden vor der Räumung". Das erweckt den Eindruck, das Gebäude sei mehrere Stunden observiert worden. In dieser Zeit, so die Polizei, hätten ,,keine weiteren Personen‘‘ das Anwesen betreten.
Zwei Condrobs-Mitarbeiter jedoch, die am Nachmittag bei einer Klientin in diesem Anwesen waren, berichten, das Punker-Trio sei um 16.15 Uhr ins Haus zurückgekommen. Mirko selbst spricht von 15 Uhr. In beiden Fällen würde dies bedeuten, dass die späteren Gewalttäter unter den Augen der Polizei unbehelligt das Anwesen betreten haben.
Waren die Überwacher unaufmerksam? Oder verzichtete man bewusst darauf, die Jugendlichen abzufangen?
Variante zwei: Polizeiintern ist von 17 Uhr als Überwachungsbeginn die Rede. Zu dieser Zeit ist das Trio schon im Haus. Ist das die Wahrheit, würde es zweierlei bedeuten: Die Polizei suggeriert dem Stadtrat eine stundenlange Überwachung, die gar nicht stattfand. Und: Man lässt ein Haus, in dem man gewaltbereite Personen vermutet, stundenlang aus den Augen und erlaubt den Verdächtigen, sich ungehindert zu bewegen.
Warum?
"Es sieht so aus, als habe man die drei ins offene Messer laufen lassen", sagt Florian Schneider, Verteidiger von Martina Weiß. Im Sinne einer gewissen Fürsorge hätte die Polizei anders vorgehen müssen. "Es sind schließlich Jugendliche."
Kurz nach 17 Uhr hängen die Besetzer ein Transparent aus dem Fenster: "Artikel 14 - Eigentum verpflichtet - Wohnraum muss genutzt sein." Einer probiert ein Katapult aus, einer schüttet aus einem Kanister dunkle Flüssigkeit auf eine Barrikade.
Martina ist im Gebäude, ihr Gesicht von einer Sturmmaske verhüllt. Im Haus liegen unzählige Pflastersteine, sie stammen wahrscheinlich von der Baustelle nebenan. Später werden die Punks sagen, man habe mit ihnen eigentlich die Fenster zumauern wollen.
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