Von Christina Warta

"Lesen ist etwas Wunderbares", findet Beckstein und geniest das Bad in der Schülermenge. Zum Welttag des Buches machte der Ministerpräsident eine medienwirksame Tour durch die Klassenzimmer.

Am Ende hat sich Günther Beckstein vermutlich wie ein Rockstar gefühlt: Vor der Hauptschule an der Bernaysstraße wurde der Ministerpräsident am Mittwoch von den Schülern umringt, fotografiert und um Autogramme gebeten, bevor er in sein Auto stieg und vom Pausenhof brauste. Zum Welttag des Buches hatte Beckstein gemeinsam mit Kultusminister Siegfried Schneider der Schule im Stadtteil Am Hart einen Besuch abgestattet. "Lesen ist etwas Wunderbares", sagte Beckstein, "das trägt mehr zur Fortbildung bei als Videospiele."

Für Becksteins Stippvisite hatte man in der Staatskanzlei eine Schule ausgewählt, in der viele Schüler einen Migrationshintergrund haben. "Wir haben einen sehr hohen Prozentsatz von Kindern, die Zuhause nicht Deutsch sprechen, weil ihre Eltern die Sprache kaum beherrschen", erklärte Rektor Sven Friedel. "So gesehen sind wir da sicher ein schwieriger Standort." Durch den Lese-Aktionstag habe man schon in der Vergangenheit die Schüler zu Büchern gebracht.

Becksteins Vorlesekünste bannen nicht alle Hauptschüler


"Lesen weckt die Sprachfähigkeit von Kindern", erklärte auch Beckstein - und griff selbst zum Buch, um seinen Beitrag zu leisten. Doch Ralf Isaus märchenhafte Geschichte vom "König der Bäume" konnte nicht alle Hauptschüler bannen. Immerhin lobte Siegfried Schneider seinen Chef hinterher für dessen Vorlesekünste: "Von mir bekäme er eine Eins mit Stern", sagte er.

Bei der medienwirksamen Tour durch die Klassenzimmer kamen Beckstein und Schneider schließlich in den Genuss einer szenischen Vorlesung und einer spaßigen Schattentheater-Aufführung, sie interessierten sich für die Ausstellung der hundert besten Jugendbücher und für die Bücherei, wo sie einen Stapel Bände signierten. Stets verfolgt wurden die beiden dabei von einem Tross Kameramänner, Fotografen und Reporter.

Wieder in der Aula angekommen, kaufte sich Günther Beckstein ein selbstgebackenes Muffin, bekam das "Internationale Bernays-Kochbuch" geschenkt ("das werd’ ich meiner Frau geben") und genoss das Bad in der Schülermenge. "Mir gefällt das, dass sie jetzt um mich rumstehen", sagte er erfreut über die neugierigen Jugendlichen, als sich Rektor Friedel eilig für das Gedränge entschuldigte.

(SZ vom 24.04.2008/af)

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Leserkommentare (7)



28.04.2008 08:18:52

pela1961: @stockdorfer

Gerade Bedienungsanleitungen sind - wenn sie z.B. aus dem japanischen übersetzt wurden - ein schlechtes Beispiel dafür, dass man etwas lesen und trotzdem nicht verstehen kann. Sie sind manchmal schlicht eine Aneinanderreihung von sinnfreien Worten. :-) Obwohl da ein Indiz des Verstehens sein kann, dass man herzhaft lachen konnte.


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