Die Sicherheitskonferenz im „Bayerischen Hof“: Wie Hotelchefin Innegrit Volkhardt mit Politikern, Demonstranten, Beschwerden und der Angst vor Terror umgeht.

Innegrit Volkhardt, seit 1991 Chefin im Bayerischen Hof, ist den Umgang mit prominenten Gästen gewohnt – aber die Sicherheitskonferenz stellt das Familienunternehmen vor besondere Probleme. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erläutert die Hausherrin, warum sie an der Veranstaltung festhält.

SZ: Die Veranstalter der Sicherheitskonferenz sind überzeugt, dass der Bayerische Hof der richtige Ort ist für die Tagung. Fühlen Sie sich geschmeichelt?

Volkhardt: Es ist eine Ehre und ein Vertrauensbeweis. Das zeigt, dass der Bayerische Hof in der Lage ist, eine solche Veranstaltung über die Bühne zu bringen.

SZ: Die Sicherheitskonferenz ist eine heikle Angelegenheit, als Hausherrin müssten Sie schlaflose Nächte haben. Wären Sie die Konferenz nicht lieber los?

Volkhardt: Nein. Dazu muss man die Vorgeschichte kennen. Früher war ja die Sicherheitskonferenz über lange Jahre bei uns. 1992 sagte mein Vater dann wegen des Golfkrieges und versicherungsrechtlicher Probleme die Tagung ab; die Konferenz wanderte ins Hilton ab. Die Gefahrenlage war damals sehr hoch und wir hatten keinen Versicherungsschutz. Ich bin dann später auf Herrn Teltschik zugegangen und habe ihm das Angebot gemacht, wieder in den Bayerischen Hof zurückzukehren.

SZ: Das waren andere Zeiten, vor dem 11. September 2001.

Volkhardt: Noch 1999 gab es Zeitungsberichte mit Bildern, auf denen waren gerade mal zwei Demonstranten vor unserer Tür zu sehen. Die ganze Innenstadt, der Einzelhandel – alle waren froh, dass die Tagung wieder ins Zentrum zurückkehrte. Die Teilnehmer kommen ja auch nicht nur nach München, um zu beraten, sondern auch, um sich die schöne Stadt anzusehen und um einzukaufen.

SZ: Stehen Sie als Hausherrin vertraglich oder moralisch in der Pflicht?

Volkhardt: Ich habe Herrn Teltschik damals mein Wort gegeben und ihm gesagt: Auch in schwierigen Zeiten fallen wir nicht. Dazu stehe ich. Ich kann ja nicht sagen, in guten Zeiten nehmen wir euch, und wenn die politische Lage schwierig ist, könnt ihr euch ein neues Quartier suchen.

SZ: Die Anlieger befürchten, dass auch 2004 tagelang Ausnahmezustand rund um den Promenadeplatz herrscht.

Volkhardt: Es handelt sich aber doch nur um zwei Tage: Freitagnachmittag und Samstag. Wenn sich jetzt die gleichen Einzelhändler beschweren, die sonst von der Nähe zum Hotel profitieren, finde ich das unaufrichtig.

SZ: Sind Sie noch Herrin im Haus, wenn die Konferenz beginnt?

Volkhardt: Die Bundeswehr hat vom 6. bis 8. Februar Hausrecht. Tatsächlich bleiben wir aber Herr der Abläufe – die Sicherheitsleute übernehmen ja nicht unsere Arbeit, sondern haben nur die Möglichkeit einzuschreiten.

SZ: Fühlen Sie sich sicher?

Volkhardt: Wir fühlen uns sicher. Ein seltsames Gefühl habe ich nur, weil die Sicherheitsvorkehrungen extrem sind. Wasserwerfer vor dem Haus sind nicht normal, aber Realität ist: Der Alltag ist viel gefährlicher als die Konferenz, die durch die Münchner Polizei und die Bundeswehr hervorragend geschützt wird.

SZ: Im Gegensatz zum Alltag, wenn der Bayerische Hof für alle offen steht.

Volkhardt: Wir sind ein offenes Haus. Tückisch sind Alltagssituationen, die man im Voraus nicht kalkulieren kann. Die Folge des 11. September 2001 ist ja gerade, dass man nirgends mehr totale Sicherheit garantieren kann.

SZ: Wenn die Sicherheitskonferenz beginnt, richten sich die Kameras auch auf den Bayerischen Hof. Ist das für Sie nur eine gute Werbung oder auch etwas abschreckend für Ihre Gäste?

Volkhardt: Die Medienberichterstattung über die Veranstaltung war in der Regel positiv. Dass demonstriert wird, ist auch normal. Man muss zugleich sehen: Zweimal im Jahr findet München weltweit Erwähnung – während des Oktoberfestes und bei der Sicherheitskonferenz. Für den Bayerischen Hof ist die Tagung eine positive Positionierung.

SZ: Zugleich gibt es Fernsehbilder von Demonstranten, letztes Jahr sogar mit dem Münchner Oberbürgermeister an der Spitze.

Volkhardt: Christian Ude hat ja nicht gegen die Konferenz demonstriert, sondern gegen den Irak-Krieg. Diejenigen, die sich immer lautstark gegen die Konferenz äußern, sollten doch man auf die Inhalte schauen: Es geht ja bei der Tagung um Konfliktvermeidung und internationalen Austausch, um Sicherheitsprobleme friedlich zu lösen.

SZ: Verdienen Sie an der Tagung?

Volkhardt: Finanziell ist die Sache uninteressant. Die Restaurants sind nicht öffentlich zugänglich, an dem Wochenende machen wir also kaum Umsatz. Aber wir haben jahrelang während der Konferenz normal wirtschaften können. Hoffentlich entspannt sich die Lage irgendwann wieder.

SZ: Wie sieht denn die Logistik aus, wenn Sie Donald Rumsfeld und Joschka Fischer bewirten? Müssen Sie zusätzliche Kräfte rekrutieren?

Volkhardt: Im Gegenteil. Ich schätze, dass nicht mal die Hälfte unserer 640 Mitarbeiter im Einsatz ist. Die Zimmer sind zwar voll, aber es läuft nur der Tagungsbetrieb, der Restaurationsbetrieb ist stark reduziert.

SZ: Können Sie sich gegen mögliche Anschläge versichern?

Volkhardt: Nein, seit dem 11. September haben die großen Versicherer eine Klausel, dass Terroranschläge nicht unter den Versicherungsschutz fallen. Es gibt aber Anbieter, die für sehr hohe Summen spezielle Terror-Policen offerieren. Der Bayerische Hof wird demnächst eine solche Zusatzversicherung abschließen. Nicht wegen der Sicherheitskonferenz, sondern weil der Alltag viele Gefahren birgt.

Interview: Christian Mayer

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