Von Anna Fischhaber

München ist stolz auf das saubere Herz seiner Weltstadt, doch das war nicht immer so. Im Mittelalter sollen sich hier Henker, Hexen, Huren und andere düstere Gestalten getroffen haben.

Schwert, Scharfrichter, Stadtmuseum/ohBild vergrößern

Das Schwert der letzten Münchner Scharfrichter ist heute in Besitz des Stadtmuseums. In der Klinge sind die Namen der ersten Delinquenten der wechseldenden Scharfrichter eingraviert. Foto: Stadtmuseum

Die Geschichte Münchens beginnt 1158 mit einer Isarbrücke für den Salzhandel nahe der Mönchssiedlung auf dem Petersbergl. Doch besonders friedlich scheint es in der mittelalterlichen Stadt nicht zugegangen zu sein. Bereits 1318 taucht ein iugulus (Halsabschneider) in der Stadtkammerrechnung auf.

"Es war diese Hinrichtung mit dem Schwert die letzte in München, da der Scharfrichter Schellerer erst mit dem siebenten Hiebe das Haupt des Delinquenten vom Rumpfe trennen konnte. Der blutige Akt hatte mehrere Übelkeiten unter dem Civil wie unter dem Militär zur Folge", kann man im "Tagebuch der Stadt München" über die beschwerliche Arbeit des Henkers nachlesen.

Die Scharfrichter galten damals in München als gesellschaftliche Außenseiter, die sich weder im Wirtshaus zu anderen Bürger setzen durften, noch öffentliche Bäder benutzen. Selbst ein ordentliches Begräbnis auf dem Friedhof blieb ihnen bis weit übers Mittelalter hinaus verwehrt.

Bei lebendigen Leib eingemauert


Wer den historischen Kern der Altstadt durch das Sendlinger Tor - eines der drei erhaltenen Tore der weitgehend verschwundenen Stadtbefestigung - betritt, sieht rechts die Blumenschule. Hier war - isoliert von anderen Häusern als letztes Gebäude innerhalb der Stadtmauern - bis 1843 das Zuhause des Münchner Henkers. Henker- oder Scharfrichtergasse wurde deshalb der kleine Teil der Blumenstraße zwischen Sendlinger Straße und Oberanger, heute Glockenbachgasse, genannt.

Direkt hinter dem Henkerhaus ragte das Fausttürmchen aus der Stadtmauer, um das sich viele Sagen ranken. Ein gefürchteter Raubritter soll hier einen geldgierigen Bürger bestochen haben, damit dieser ihn in die Stadt hineinschmuggle. Der Stadtrat statuierte daraufhin ein grausames Exempel an dem Verräter: Der bestechliche Münchner soll bei lebendigen Leib in den Turm eingemauert worden sein, wo er elendig zu Grunde ging.

Zur Erinnerung wurde eine drohende Faust auf der Turmspitze angebracht. Von da an spukte es angeblich in dem Türmchen: Wenn ein Unschuldiger in München hingerichtet wurde, soll die Faust unheimlich rot geglüht haben - und an der Haustür des Henkers waren dumpfe Faustschläge zu hören.

Doch der Henker hatte in der Münchner Stadtgeschichte nicht nur auf dem Galgenbergl nordwestlich des Neuhauser Tors, ungefähr auf Höhe der Hackerbrücke, sein Betätigungsfeld. Er war auch der Zuhälter der Stadt. Durch die öffentlich geregelte Prostitution wollte man Münchens Jungfrauen Unheil ersparen. Bis ins 15. Jahrhundert war beim Scharfrichter ein Bordell untergebracht, das allen Unverheirateten - sofern sie nicht Geistliche oder Juden waren - offenstand.

Erst auf Drängen zweier Herzogbrüder wurden die Dirnen schließlich in ein Haus Ecke Rossmarkt/Blumenstraße verlegt. Mehr als 150 Jahre hielt sich diese Einrichtung. Nach der Schließung waren in den Kammern die Münchner Totengräber untergebracht, später wurde das Bordell zum Stadthospital und musste schließlich der Hauptfeuerwache weichen.

"Vermaledeit böse Weiber"


Eine weitere Aufgabe der Henker war die Hexenverfolgung: Als beim Bau der Jesuitenkirche St. Michael in der Neuhauser Straße der Turm 1590 einstürzte und den Chor zerstörte, war für die Zeitgenossen offenbar sofort klar, "dass solch ungewöhnliche Gewitter" nur "von den vermaledeiten bösen Weibern gemacht werden". Zwar wurde bei den Hexenverfolgungen in München nie direkt auf den Einsturz des Turmes verwiesen, doch noch im selben Jahr kam es zu einem Hexenprozess in der Residenzstadt.

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In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Henker, Hexen und Huren
  2. Hexensalben und Besenritte