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Von Gertrude Fein

Alte Liebe ist nicht nur ein romantisches Gefühl, so heißt auch ein romantisches Wirtshaus, versteckt in den Amperauen in der Nähe von Dachau.

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Wanderweg nahe der Amper: Hier entlang zur Alten Liebe. (Foto: Andreas Heddergott)

Kleine Umfrage: Was fällt Ihnen spontan ein zu alter Liebe? Antworten: Welk - verklärt - sentimental - peinlich - bitter-süß - gefühlsduselig - wunderbar - kitschig - wie Rindfleisch und Rotwein, die durch das Altern an Qualität gewinnen. Wahr ist: Alte Liebe kennt keine Grenzen. Sie ist zeitlos, rein und romantisch.

Alte Liebe ist nicht nur ein romantisches Gefühl, sondern so heißt auch ein romantisches Wirtshaus, versteckt in den Amperauen in der Nähe von Dachau, so versteckt, dass es gar nicht so einfach zu finden ist. Am Fußweg von Dachau amperaufwärts weist ein Schild den grün umwucherten Weg zum Wirtshaus. Wer es mit dem Auto erreichen will, sollte eine gute Landkarte akribisch studieren, sonst kann die Anfahrt leicht zu einer größeren Rundfahrt durchs Dachauer Umland ausarten.

Aber gerade die idyllische Lage mitten im dschungelartigen Grün, abseits großer Straßen, macht den Reiz der alten Gaststätte aus. Das kleine Haus, das von der Freien Turnerschaft München e.V. 1926 gebaut und nach einer wechselvollen Geschichte 1997 gründlich renoviert und mit einem Anbau versehen wurde, wirkt von außen wie ein recht bescheidenes Einfamilienhaus. Dabei bringt man in der heimeligen, bei Tag etwas düsteren Stube und im lichten Anbau mindestens drei Großfamilien unter. Das Schönste aber ist der Garten: eine große Lichtung, umstellt von hohen Bäumen, ausgeschmückt mit einer Überfülle von Blumen in Ampeln und Töpfen, mittendrin ein großer Pavillon, ideal für nicht ganz so warme Abende oder eine Gesellschaft.

Die Karte ist so bunt wie der Garten


So weit, so idyllisch. Aber der Gast will sich nicht nur sattsehen, sondern sich auch möglichst zufriedenstellend sattessen. Tatsächlich wird er immer gut gesättigt von dannen gehen, meist auch zufrieden. Die Karte ist so bunt wie der Garten: Fleisch und Fisch gibt es da, Vegetarisches und Süßes, kalte und warme Speisen, Grillplatten, Bodenständiges und Exotisches.

Und etwas äußerst Seltsames, was im Vorbeitragen aussah wie eine überdimensionierte Weißwurst. Dabei handelte es sich um die König-Ludwig-Rolle (15,90), eine völlig abseitige Kreation. In eine große Scheibe Schnitzelfleisch waren Würfel von sauren Gurken gewickelt, das Ganze wurde paniert, dann frittiert und zum Schluss mit Remoulade überzogen, dazu gab’s Bratkartoffeln und Salat. Das schmeckt sehr junkfoodartig, aber die Gäste scheinen diese Rolle zu lieben.

Von den guten Babycalamari (14,90) einmal abgesehen (wobei wieder einmal anzumerken wäre, dass wir eigentlich ungern Babys verzehren), hielten wir uns mehr ans Bodenständige. Der Wiener Tafelspitz (12,90) zerging auf der Zunge und auch das Rumpsteak (15,90) blieb ohne Fehl und Tadel: schön dick, exakt gebraten, darüber geröstete Austernpilze und dazu Salat. Die Salate waren immer sehr frisch und reichhaltig, aber die Blätter viel zu groß belassen. Sehr erfreulich ist, dass auf jedem Tisch gutes Öl und Balsamico stehen. Der Salat mit Rinderlende (11,90) war eine Riesenportion mit vielen Fleischstreifen, die allerdings etwas zarter hätten sein dürfen.


Bei solchen Preisen hört auch alte Liebe auf


Auch beim Filetpfanderl, das schon eher eine Pfanne war, hätte das Rind etwas weicher sein können. Die Rahm-Pilz-Soße darum herum war auch etwas fade, dagegen waren Scheiben von Schwein und Pute ideal, die dazu gereichten Spätzle in Ordnung - im Gegensatz zu den doch recht mehligen Kässpatzen (8,90), die eigentlich Spätzle in Käsesauce hätten heißen müssen. Zur Entschuldigung dieses Missgeschicks mag gelten, dass es Feiertagmittag war und der Garten voll besetzt. Dabei fiel auf, wie umsichtig und freundlich der Service auch bei Hochbetrieb arbeitet. Kein "Kollege kommt gleich", nein, jeder kümmert sich darum, dass alle Gäste möglichst rasch und gut bedient werden.

Zum Nachtisch fährt man ganz gut mit Dessertvariationen (6,50). Darauf war sowohl toll schokoladige und nicht zu süße Mousse zu finden, als auch Tiramisu und ein recht nichtssagendes Apfelkücherl, verschiedenes Obst darum herum und Spritzsahne. Dass das große Stück Apfelstrudel (4,90) hausgemacht war, ist glaubhaft, denn obwohl recht wohlschmeckend, war es doch ziemlich matschig geraten, was bei Fertigware eher nicht vorkommt. Da war ein köstlicher, 16 Jahre alter Slivowitz für drei Euro doch der bessere Abschluss und ein vergleichsweise preiswerter dazu, wenn man bedenkt, dass ein Schoppen einfacher Pinot Grigio 5,50 Euro kostet. Bei solchen Preisen hört auch alte Liebe auf.

Alte Liebe, Im Lus 4, 85221 Dachau-Mitterndorf. Telefon 08131/667131. Geöffnet täglich von 10 bis 24 Uhr, Küche von 11 bis 22 Uhr.

(SZ vom 14.07.2008/af)

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