Interview: Ingrid Schiller

Das Rauchverbot tritt in Bayern am 1. Januar in Kraft. Doch Wolfgang Baier, Wirt der Bar Centrale in München-Schwabing, hat sich etwas einfallen lassen, damit in seiner Bar weiter geraucht werden kann.

sueddeutsche.de: Ab 1. Januar gilt das Rauchverbot in bayerischen Kneipen. Ist für Sie als Wirt dadurch Ihre Existenz bedroht?

Wolfgang Baier: Sicher. Die Leute werden wegbleiben. Ich rechne damit, dass 30 bis 40 Prozent weniger Gäste kommen, wenn in den Kneipen nicht mehr geraucht werden darf. Ich finde das nicht in Ordnung. Es sollte jedem Gast selbst überlassen sein, ob er im Lokal rauchen darf oder nicht.

sueddeutsche.de: Aber in Ihrer Bar soll weiterhin das Rauchen erlaubt sein. Wie wollen Sie das machen?

Baier: Der Gesetzentwurf sieht vor, dass in geschlossenen Gesellschaften das Rauchverbot nicht gilt. Das haben wir aufgegriffen.

sueddeutsche.de: Wie wollen Sie denn aus einer öffentlichen Kneipe eine geschlossene Gesellschaft machen?

Baier: An der Tür hängt ein Kartenlesegerät, auf dem "Geschlossene Gesellschaft" zu lesen ist. Beim Einstecken der Karte öffnet sich die Tür.

sueddeutsche.de: Wer erhält eine solche Karte?

Baier: Meine Stammgäste und jeder, der danach fragt. Die meisten Stammgäste haben schon eine Karte und nutzen sie auch schon. Sie sind stolz darauf, eine Karte für die Bar Centrale zu haben.

sueddeutsche.de: Und die anderen Gäste müssen draußen bleiben?

Baier: Nein, es gibt außerdem noch eine Klingel. Wenn jemand rein möchte, wird er darauf hingewiesen, dass es sich um einen geschlossene Gesellschaft handelt und geraucht wird. Die Bar ist also für jeden, der Rauchen will oder der das Rauchen akzeptiert, geöffnet. Außerdem haben wir die Möglichkeit das Gerät auszuschalten, dann sind wir eine ganz normale Kneipe, eine Nichtraucherkneipe.

sueddeutsche.de: So ein Gerät kostet ja auch Geld. Lohnt sich denn die Investition?

Baier: Auf jeden Fall! Ich habe das System jetzt schon eingeführt, damit sich die Gäste daran gewöhnen können. Außerdem kann man die Karten auch anders nutzen. Zum Beispiel für Geburtstagsfeiern in der Bar Centrale, bei denen die geladenen Gäste die Karte als Einladung erhalten. Auch die Wirte auf dem Oktoberfest könnten das System für ihre Zelte nutzen und daraus geschlossene Gesellschaften machen.

(sueddeutsche.de/wib)