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Von Martin Thurau

Die Protestwelle aus Österreich gegen Gebühren und Bachelor hat München erreicht. Studenten besetzen die Akademie der Künste.

Gehör verschaffen für politischen Forderungen: Die Studentenproteste in der Akademiestraße. (Foto: Haas)

"Reingehen! Reingehen!" Die Rufer unten vor der Treppe werden lauter. "Besetzen! Besetzen!", skandieren sie. Der Trupp setzt sich in Bewegung, ein paar Dutzend Studenten sind es schon, später werden es noch mehr. Viel Schwarz ist zu sehen, rote Fahnen, einige Demonstranten haben sich zur Feier des Tages die Gesichter schwarz bemalt.

Jetzt ziehen sie die Türen zur Akademie der Bildenden Künste auf, die meisten strömen nach rechts zum Sitzungssaal, schon kurze Zeit später hängt dort ein Transparent mit der Aufschrift "besetzt" aus dem Fenster, drinnen tagt das Plenum. Ein paar der Demonstranten versammeln sich auf dem Balkon über der Auffahrt und der Außentreppe des Altbaus. Und ganz von Ferne erinnert dieser Auftritt an der Balustrade an historische Fotos von der Ausrufung einer neuen Republik.

Zuvor schon haben sich mehrere Hundert draußen hinter Bannern versammelt, die verheißen, "die Uni brennt - auch in München", oder "Solidarität mit Wien" fordern. Wien: Dort ist derzeit die Avantgarde des Protests zuhause. Seit etwa zwei Wochen halten Studenten die Universität besetzt, um für "freie Bildung" und bessere Studienbedingungen zu demonstrieren.

Längst haben sich die weitgehend spontanen Aktionen, die ursprünglich von der Wiener Kunstakademie ausgingen, auch auf andere österreichische Hochschulstädte wie Graz, Klagenfurt und Salzburg ausgeweitet.

Jetzt erfasse die Welle auch Deutschland, verkünden die Münchner Studenten, gleichzeitig mit der Aktion an der Akademie liefen Proteste in Hamburg, Heidelberg, Münster und Potsdam. Die Studenten wollen eine "bildungspolitische Kehrtwende" erreichen - in einer Gesellschaft, in der Bildung nun einmal die "einzige Zukunftschance" sei. Sie fordern die Abschaffung der Studiengebühren, die Reform der Bologna-Reform in der Lehre und weniger Einfluss der Wirtschaft auf die Bildung.

"Eine starke und gerechte Demokratie braucht ein auch unabhängiges und inklusives Bildungssystem", sagt Malte Pennekamp von der Initiative "Bildungsstreik", die weitere Protestaktionen ankündigt. Derweil debattieren die Studenten in der Akademie weiter. Am Abend gab es in der Barerstraße eine Spontandemonstration, die ohne Zwischenfälle verlief, und ein Fest.

Die Akademieleitung sieht die Studentenaktionen im Moment "sehr gelassen", die Situation sei "entspannt", es gebe keine Veranlassung, vom Hausrecht Gebrauch zu machen, sagt Sprecherin Angela Holzwig. Im Übrigen habe man im Haus durchaus Sympathie für die Forderungen: Die Akademie sei kein Fan der Gebühren. Und die neuen Abschlüsse Bachelor und Master für die Freie Kunst habe sie erfolgreich bekämpft.

(SZ vom 06.11.2009/sonn)

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Leserkommentare (2)



09.11.2009 15:34:50

viktorhugo: prioritäten

@cheshire_cat:

alle deutschen medien unterdrücken die thematik derzeit äußerst erfolgreich. das ist auch verständlich. schließlich will man den größten international vernetzten studentischen protesten seit einigen jahrzehnten im keim ersticken(es sind mittlerweile duzende besetzte unis, und auch in polen regt sich mittlerweile widerstand). gar nicht auszudenken wenn die masse der teilnehmenden studenten und symphatisanten größer wird und auch noch sinnvolle ziele an die öffentlichkeit adressiert werden könnten. aber: proteste wird es bald eh zuhauf geben...


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